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Wenn Schwarzfahrer angreifen: Eisenbahner üben für Ernstfall

Wenn Schwarzfahrer angreifen: Eisenbahner üben für Ernstfall

Mitarbeiter der Bahn lernen in Wuppertal, Übergriffe durch Fahrgäste zu vermeiden. Die WZ war mit dabei.

Wuppertal. Eigentlich, sagt Thomas Frick, eigentlich sei ein Unwort. Es sei denn, man mag weich und schwammig, aber das solle nicht Programm der Deutschen Bahn sein. Ein Dutzend KiN im Trainingszentrum der Bahn am Boltenberg ist ganz Ohr. Hinter dem putzigen Kürzel verbergen sich "Kundenbetreuer im Nahverkehr", eine Berufsgruppe, die mit Politessen mindestens ein Los teilen: Sobald sie zur Kasse bitten, kann das Gegenüber ungemütlich werden.

Sichere Stimmlage und lösungsorientierte statt vager Formulierungen - damit gibt Frick den Zugbegleitern die Richtung vor. Doch auf dem Plan des Seminars "Selbstbewusst im Zug" stehen noch kniffligere Aufgaben, darunter die Körpersprache. Rund 350 schwere Attacken auf ihre Zug-Mitarbeiter verzeichnete die Bahn 2009 in NRW. Die betrübliche Bilanz schaffe beim Personal eine hohe Bereitschaft, sich im Rahmen der Fortbildungsmaßnahme sogar mit dem Seelenleben der Fahrgäste zu beschäftigen.

Psychisch Kranke und notorische Randalierer einmal ausgenommen, werde die Mehrzahl der Übergriffe durch einen simplen Satz ausgelöst: "Den Fahrausweis, bitte." Beim Schwarzfahrer tickt nun die Zeitbombe, denn am Ende kann es nur einen Gewinner geben. Wer das ist, darüber würden die ersten 40 Sekunden entscheiden, sagt Trainer Frick und listet die Charaktere auf: den Angreifer, den Flüchtling, den Verständnisvollen, den Kooperierenden, den Unterwürfigen. Jeder sei auf seine Art mit Vorsicht zu genießen und zudem allemal gut dafür, bei wachsendem Druck in ein anderes Muster zu verfallen.

Entspannt auf ein Bein stellen, aber keinen Schritt weichen. Bärbel Büttner probt die Haltung im Rollenspiel, sendet aber missverständliche Signale aus. Prompt kassiert sie Häme aus der Runde: "Gehen wir zu dir oder zu mir?" Im erneuten Anlauf lernen Bärbel und ihre Mitstreiter auch noch die Sprache der Hände. Der kleine sei der Gesellschaftsfinger, wer ihn recke, halte sich für was Besseres. Und nur nicht den Ringfinger reiben, das sei ja der Beziehungsfinger.

Mensch bleiben heißt es da, und das lässt sich umkehren, denn auch der Mensch gegenüber nutzt Körpersprache. Wie zum Gebet gefaltete Hände etwa seien keineswegs Zeichen von Frömmigkeit, sondern von Unsicherheit. Wer das erst einmal intus hat, muss sich aber gleich wieder an die Kandare nehmen und bloß nicht in den falschen Jargon verfallen. Auch das Wort "Schwarzfahrer" sei Attacke - und zu daher zu ersetzen. Durch "Fahrgast ohne einen gültigen Fahrausweis".