Wenn Löwen lieber kreativ sind

Wenn Löwen lieber kreativ sind

Mycha Schekalla will ein Kinderbuch veröffentlichen, das keine Klischees bedient. Dabei braucht er Hilfe.

Wuppertal. Mycha Schekalla ist kein gewöhnlicher Typ. Der 30-jährige Wuppertaler sieht mit seinem hellblauen Sweater voller bunter Eis-am-Stiel-Aufdrucke in der Redaktion eher kreativ aus — und das ist er auch. Schekalla ist Illustrator. Und gerade versucht er, ein Kinderbuch auf den Markt zu bringen — ohne Verlag. Das Buch soll genauso ungewöhnlich und kreativ sein wie er. Und dabei soll es den Lesern noch etwas beibringen.

Foto: Stefan Fries

Schekalla ist Grafikdesigner bei einer Agentur in Düsseldorf. Aber in seiner Freizeit widmet er sich vor allem der Illustration. Er zeichnet also gerne. Und da Schekalla verheiratet ist und zwei Kinder hat, hat er ein Faible für Kinderbücher. Da kommt eines zum anderen. „Ich hab Bock auf das Zeug“, sagt er. Und so hat er vor einiger Zeit erstmal Figuren entwickelt. Tiere. Löwe, Krake, Fuchs. 20 verschiedene Exemplare. Erst einmal nur für ein paar Postkarten,

Aber daraus soll jetzt mehr werden — sein erstes Kinderbuch . Und da er sich vor allem für fremdsprachige Kinderbücher begeistert, soll es zweisprachig werden. Auf dem internationalen Markt sei eben sehr viel Kreatives zu finden. Zu Hause mit den Kindern stoße man da aber auch schnell an seine Grenzen: „Wenn der Große fragt, was denn ein Wort bedeute und ich kann das nicht sofort übersetzen — dann ist das unpraktisch“. Deswegen will Schekalla die Übersetzung gleich mitliefern.

Auf den großflächig bemalten Seiten von „Darf ich vorstellen? May I introduce?“ begegnen die Kinder jetzt also Tieren, die sich auf Deutsch und Englisch vorstellen. Die sind ausgestattet mit Accessoires, die allesamt auf beiden Sprachen erläutert werden.

Dazu sollen noch andere Barrieren überwunden werden. Denn seine Figuren sollen keinem Klischee entsprechen. Der Löwe muss nicht der Stärkste sein, findet Schekalla. Und der Bär nicht der Imker, nur weil er Honig mag. Sein Löwe Gregor ist lieber kreativ. „Ohne seinen Pinsel und den Malkasten geht Gregor gar nicht erst aus dem Haus“, steht auf der bunten Doppelseite, die Gregor vorstellt. Der Bär liest gerne und ist mit Brille in der Bibliothek zu finden. Und der Fuchs ist kein der, sondern eine Frau namens Amelie und nicht schlau oder gerissen, sondern: Koch. Umgeben von Essen. Alle Tiere sind anders als in anderen Büchern. Schekalla will eine Diskrepanz erzeugen zwischen dem, was ist, und dem, was man erwartet. Dabei geht es ihm auch um Verantwortung seinen Kindern gegenüber. „Ich will, dass sie lernen, dass es viele Möglichkeiten gibt, zu leben“, sagt er. Er habe eben die Aufgabe, ihnen beizubringen, was er für richtig halte. Und so ist sein Buch etwas überraschender als es andere sind.

Schekalla versucht gerade das Buch auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter zu finanzieren. Er versucht also genug Exemplare vorab zu verkaufen, um die Produktion davon bezahlen zu können — ganz ohne Verlag. „Ich will mir erst einmal einen Namen machen“, sagt er. Denn eines Tages möchte er ganz von der Illustration leben. „Wenn es jetzt nicht klappt, dann ist das tragisch“, sagt er lachend. „Aber ich mache weiter.“ Immerhin habe er gerade drei oder vier Kinderbücher gleichzeitig in der Mache. Und eines Tages will er die auch mal den Verlagen vorstellen. Aber eher den kleinen als den großen. Bei denen ist ihm alles zu festgefahren, alles zu gleich. Und festgefahren, das ist nun gar nicht sein Ding.

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