Brandschutzerziehung: Wenn es im Puppenhaus brennt

Brandschutzerziehung : Wenn es im Puppenhaus brennt

Die Ronsdorfer Feuerwehr zeigt Kindern, wie man sich bei einem Brand verhält. Dafür braucht sie Spenden.

Feuerwehrmann Christoph Henne fragt die Kindergarten-Kinder immer mal wieder, wo die Eltern Streichhölzer und Feuerzeug versteckt haben. Das Ergebnis dürfte Erwachsene überraschen. „Die Kinder wissen das“, sagt der stellvertretende Löschzugführer der Freiwilligen Feuerwehr in Ronsdorf. Weil Kinder zwangsläufig irgendwann mit Feuer in Kontakt geraten, geht es Henne bei der Brandschutzerziehung auch darum, Feuer nicht zu tabuisieren – und damit für manche Kinder noch interessanter zu machen. „Unser Ziel ist es, den ordentlichen Umgang mit Feuer zu zeigen“, sagt Henne.

Damit die Brandschutzerziehung und das Brandschutzkaspertheater der Ronsdorfer Freiwilligen auch in Zukunft gesichert sind, sammelt der Förderverein über die Spendenplattform Gut für Wuppertal derzeit Geld. Denn: Einen extra für die Brandschutzerziehung vorgesehenen Raum gibt es nicht, obwohl das Kaspertheater, an dem rund zehn freiwillige Kräfte des Ronsdorfer Löschzugs und der Jugendfeuerwehr mitwirken, bereits seit fast 22 Jahren existiert.

Die Vorführungen in den eigenen Räumen haben manchmal einen improvisierten Charakter. In einer neuen Fahrzeughalle, die bereits errichtet ist, aber der Innenausbau noch ansteht, soll ein fester Ort für die Theater-Proben und Aufführungen entstehen. Fast 8000 Euro an Spenden kamen über die Plattform bereits zusammen, doch mehr als 11 000 Euro fehlen noch zur Erreichung des Etappen-Ziels. Insgesamt muss die Feuerwehr für den Ausbau 280 000 Euro sammeln. Obwohl schon die ersten Fahrzeuge in der neuen Halle an der Remscheider Straße 50 stehen, muss Henne den Hinweis machen: „Die Finanzierung ist noch nicht gesichert.“

Warum auch die Brandschutzerziehung, die jedes Jahr von rund zehn Kindergarten- und Grundschulgruppen, in Anspruch genommen wird, einen neuen Multifunktionsraum benötigt, zeigt die Anekdote mit dem Rauchhaus.

Der Rauchmelder schlug
auf das qualmende Haus an

Das Rauchhaus ist ein speziell präpariertes Puppenhaus, mit dem Henne den Kindern ganz anschaulich zeigen kann, wie sich Rauch in einem Wohnhaus ausbreitet. Die potenziellen Brandquellen, wie etwa das Miniatur-Bügeleisen oder der kleine Kamin können Rauch ausstoßen. So sehen die Kinder, wie schnell dieser sich im Haus ausbreitet, das dieser an die Decke steigt und was passiert, wenn man die Tür zu einem verrauchten Raum öffnet.

Und weil es für die Vorführung des Rauchhauses keinen speziellen Raum gibt, konnten die Kinder jüngst auch noch lernen, wie man bei einem Feuer-Alarm reagieren muss – das war dann aber kein Spiel mehr. „Ich habe den Rauchmelder vergessen“, berichtet Henne. Als bei einer Vorführung kleine Schwaden aus dem Puppenhaus aufstiegen, löste das den Alarm im ganzen Haus an der Remscheider Straße aus. „Gut, dass im Bandwirkermuseum eine Etage höher, gerade keine Hochzeit lief“, sagt Christoph Henne. Im neuen Raum für die Brandschutzerziehung soll es möglich sein, die Rauchmelder für 15 Minuten zu deaktivieren. „Hier in unseren alten Räumen geht das nicht“, erklärt Henne. Die Rauchmelder seien städtisch und dürften nicht ausgeschaltet werden.

Das Thema Zündeln und verantwortungsbewusster Umgang mit Feuer ist heute nach wie vor aktuell, ist Henne überzeugt. Auch wenn festzustellen sei, dass Feuer eine immer kleinere Rolle im Alltag der Menschen einnimmt. So nimmt etwa die Zahl der Raucher ab und in der Adventszeit verdrängen elektrische Lichter seit vielen Jahren immer weiter die echten Kerzen. Trotzdem: Bei dem altersgerechten Unterricht mit Christoph Henne und auch im Kaspertheater mit der Feuerwehr-Puppe „Fix“ geht es auch zum Beispiel darum, den Kindern zu zeigen, wie man richtig die Feuerwehr alarmiert. Und das kann nicht nur bei einem Brand vonnöten sein. „Die Kinder kennen manchmal gar nicht ihre Adresse“, nennt Henne ein Problem. Und einige Kinder seien so darauf getrimmt, keine Fremden in die Wohnung zu lassen, dass die Gefahr besteht, dass sie in einem Notfall die Männer in den einschüchternden Uniformen plötzlich gar nicht hereinlassen wollen.

Nach 22 Jahren mit Höhepunkten wie einem Auftritt vor 1500 Kindern beim Zoofest oder acht aufeinander folgenden Vorstellung am Deutschen Eck in Koblenz, freuen sich Henne und seine Kollegen über die Tausenden von Kindern, die sie mit ihrer Botschaft erreicht haben.

In einem besonderen Fall war der Erfolg ganz unmittelbar zu erleben, wie Henne berichtet: „Ein Kind hat unsere Vorstellung besucht. Wenige Wochen später wurde seine Mutter sehr krank und der Junge hat alleine einen Notruf abgesetzt und die Feuerwehr ganz vorbildlich vor der Tür empfangen und den Hausschlüssel übergeben.“

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