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Wenn die Wuppertaler Polizei Leben rettet

Polizei-Tagebuch : Wenn die Polizei Leben rettet

Polizistin Nele Ernst berichtet von ihren Erlebnissen auf Streife.

Der vergangene Frühdienst fing direkt spannend an. Kaum alle Sachen für den anstehenden Dienst aufgerüstet, ging es direkt mit Blaulicht und Martinshorn zum ersten Einsatz. Eine junge Frau machte sich Sorgen um einen Freund. Dieser hatte ihr zuvor mitgeteilt, dass er sowohl unter starken Betäubungsmitteln stehe und noch dazu viel Alkohol konsumiert habe. Während eines Telefonats zwischen den beiden sei dieser dann plötzlich nicht mehr ansprechbar gewesen, bevor das Telefonat abrupt abbrach. Als sie sich vor Sorgen auf den Weg zu seiner Wohnung machte, habe er auch nach dauerhaftem Sturmklingeln kein Lebenszeichen von sich gegeben.

Während der Fahrt stellten mein Kollege und ich uns zunächst auf alles mögliche ein. Die Person könnte sich absichtlich in diese Situation gebracht haben, um sich das Leben zu nehmen oder aber versehentlich eine Überdosis eingenommen haben. Wir trafen zeitgleich mit der Feuerwehr und dem Rettungsdienst am Einsatzort ein, wo wir schon von der besorgten Frau erwartet wurden.

Um schnellstmöglich in das Haus, in welchem sich die Wohnung des Freundes befand, zu gelangen, klingelten wir solange bei allen Nachbarn, bis uns jemand öffnete. Bevor die Feuerwehr mit ihren Mitteln zur Türöffnung ansetzt, klopft diese zunächst beherzt und unüberhörbar an der jeweiligen Wohnungstür - so auch in diesem Einsatz.

Einige Momente später öffnete eine ältere Dame erschrocken die Wohnungstür, bei der es sich um die Großmutter des Freundes handelte. Nachdem sich der Rettungsdienst um den Zustand des Mannes vergewisserte, konnten wir ohne weitere Maßnahmen wieder fahren; dem Mann ging es gut. Scheinbar hat lediglich Müdigkeit für den Einsatz gesorgt.

Doch das sollte nicht der einzige Einsatz dieser Art bleiben. Nachdem wir eine Strafanzeige wegen Beleidigung aufgenommen hatten, erhielten wir von der Leitstelle den Einsatz „Suizidversuch“. Eine ältere Dame kündigte per Telefon an, dass sie mit ihrem Leben nicht mehr klarkomme und nicht mehr könne. Erneut machten wir uns neben der Feuerwehr und dem Rettungsdienst mit Sonder- und Wegerechten zügig auf den Weg. Die bereits eingetroffenen Kollegen des Rettungsdienstes teilten uns mit, dass die Dame in ihrer Wohnung kurz zuvor auf Ansprache noch geantwortet habe. Nun würde man aber nichts mehr von ihr hören. Die Feuerwehr machte sich an die Öffnung der Wohnungstür. Da die aber verschlossen war und der Schlüssel zudem von innen im Schloss steckte, mussten andere Mittel her. Während wir im Hausflur warteten, ging es für die Feuerwehr auf die Drehleiter, mit welcher sie durch ein Fenster in die Wohnung schauen konnten. Kurze Zeit später kam die Entwarnung: „Die Dame steht vor dem Fenster.“

Da ich vor Ort die einzige weibliche Kollegin war, versuchte ich, die Frau durch die noch geschlossene Wohnungstür dazu zu bringen, uns diese zu öffnen. Mit Erfolg. Ich fragte sie vorsichtig, ob bei ihr alles in Ordnung ist, versicherte ihr, dass meine Kollegen und ich da seien, um ihr zu helfen und die Dame hat uns sofort vertraut. Körperlich schien es ihr gut zu gehen, doch bereits nach einem kurzen Gespräch stellte sich heraus, dass sie massive psychische Probleme hatte. Mittlerweile wird ihr in einer speziellen Klinik geholfen.

Im Laufe der weiteren Schicht erhielten wir noch ein sogenanntes Ermittlungsersuchen aus einer anderen Polizeibehörde. Nach einer Verkehrsunfallflucht sei der Beschuldigte mit seinem Auto gestoppt worden, bei dem sich herausstellte, dass es scheinbar gestohlene Kennzeichen angebracht hatte. Der eigentliche und rechtmäßige Inhaber der Kennzeichen gab an, nicht zu wissen, was mit seinen Kennzeichen passiert sei. Sein Auto parke bereits seit einigen Monaten auf einem Parkplatz in Wuppertal. Für uns galt es nun zu ermitteln, ob sich die beiden Kennzeichen tatsächlich nicht mehr am dazugehörigen Auto befanden. Um den Ausgang des zunächst etwas verwirrenden Einsatzes kurz zu halten: Beide Kennzeichen wurden gestohlen. Der Beschuldigte muss sich jetzt wegen Kennzeichendiebstahls, Trunkenheit im Verkehr und einer Verkehrsunfallflucht verantworten.