Wenn die DHL-Sortiermaschine anläuft

Wenn die DHL-Sortiermaschine anläuft

20 000 Pakete werden in der Zustellbasis in Ronsdorf täglich verladen und sortiert. Stillstand ist dort nicht eingeplant — kommt aber vor.

Ronsdorf. Es ist kurz nach neun. Eigentlich hätten die Lastwagen mit den letzten 1000 Paketen des Tages vor einer Viertelstunde ankommen sollen. Auch das gehört zum Weihnachtsgeschäft, erklärt Holger Schalk, Leiter der DHL-Zustellbasis in Ronsdorf. Deutschlandweit werden in der Vorweihnachtszeit bis zu 8,5 Millionen Pakete pro Tag ausgeliefert — allein durch DHL, erklärt Pressesprecher Rainer Ernzer. In der DHL-Zustellbasis in Ronsdorf kommen täglich etwa 20 000 Pakete an. Normalerweise sind es bis zu 12 000. Stillstand ist bei diesem Geschäft nicht eingeplant.

Entsprechend zügig bringen fünf DHL-Mitarbeiter die Maschinerie ans Laufen, als die Lastwagen wenige Minuten später ankommen. Ein Paket nach dem anderen wandert händisch direkt vom LKW-Anhänger aus auf eines von vier ausziehbaren Förderbändern. Etwa sechs Mitarbeiter füttern die überdimensionale Sortiermaschine, die die 6000 Quadratmeter große Halle komplett auszufüllen scheint.

Pakete aller Größen und von allen bekannten und unbekannteren Online-Händlern flitzen auf der Förderband-Autobahn etwa vier Meter nach oben. Dort werden sie ohne anzuhalten durch einen ebenfalls riesigen Scanner geschleust. Ein rotes Licht blinkt auf, der Code wurde gelesen, die Pakete landen auf einem weiteren Band. Eine Art „Hauptstraße“, die einmal fast die komplette Halle quert. Komplett automatisiert werden die Päckchen eine von bis zu 80 Rutschen hinunter geschickt. Jede Rutsche steht hier für einen Zustell-Bezirk in Cronenberg, Ronsdorf, Elberfeld oder Barmen.

Sabine Beilschmidt kennt sie nicht alle, aber viele. Seit zehn Jahren stellt die 54-Jährige für die Deutsche Post DHL Group Pakete in Wuppertal zu. Derzeit arbeitet sie als sogenannter „Springer“. Das heißt, sie wechselt täglich zwischen fünf verschiedenen Bezirken hin und her — vertritt die Kollegen. An diesem Tag geht es nach Unterbarmen. „Um die 200 werden es heute sein“, sagt sie. Um die 200 Pakete sind je nach Größe und Gewicht pro Zustellfahrzeug das Maximum, erklärt Standort-Leiter Holger Schalk.

Wenn ein Zusteller zu viele Pakete bekommt, werde umgeschichtet. Auch in Ronsdorf werden zur Weihnachtszeit Aushilfen eingestellt, um die jedes Jahr um circa sieben Prozent ansteigende Pakete-Flut bewältigen zu können. Insgesamt wurden 2016 über DHL 1,37 Milliarden Pakete zugestellt. In Ronsdorf arbeiten mehr als hundert Mitarbeiter. 10 000 Aushilfen wurden bundesweit angestellt. „Wer sich gut macht, hat gute Chancen übernommen zu werden“, sagt Rainer Ernzer.

In der Weihnachtszeit kommt nicht nur mehr Personal zum Einsatz, es werden auch Sprinter angemietet, um in der Weihnachtszeit mehr Fahrzeuge einsetzen zu können. Paketbotin Sabine Beilschmidt wartet nur noch darauf, dass ein paar wenige letzte Päckchen für ihren Bezirk heruntergerutscht kommen. Es sei schon stressig — gerade in der Vorweihnachtszeit, erklärt sie, während sie die Pakete mit ihrem Handscanner erfasst. Abenteuerlich werde es, wenn wie am vorletzten Wochenende das Schneechaos Wuppertal erfasst. An einer Steigung habe sie nur weiterfahren können, weil fünf freundliche Helfer das DHL-Fahrzeug angeschoben haben. Ähnliche Hilfsbereitschaft erlebe sie immer wieder. Etwa wenn ihr Kunden im Sommer ein Glas Wasser anbieten oder beim Hochtragen eines Paketes helfen. Aber es gebe auch weniger hilfsbereite Kunden.

Nach nur etwa einer halben Stunde sind auch die letzten 1000 Pakete in der Ronsdorfer Zustellbasis sortiert. Ein knatschgelber Lieferwagen nach dem anderen macht sich auf den Weg. Sabine Beilschmidt ist eine von nur zwei Frauen an diesem Standort. Der Job als Paketbote gilt als Männerdomäne. Kein Wunder, verschickt wird schließlich alles bis zu 31,5 Kilogramm — „auch Zementsäcke“, erklärt DHL—Sprecher Rainer Ernzer.

Mehr von Westdeutsche Zeitung