Dr. Kummrows Zoogeschichten: Wenn das Äffchen Zahnweh hat

Dr. Kummrows Zoogeschichten : Wenn das Äffchen Zahnweh hat

Zoo-Tierärztin Dr. Maya Kummrow hat das Gibbonweibchen Hexe behandelt.

Wuppertal. Zootierarzt ist auch Zahnarzt. Tiere sind auf ihre Zähne ebenso angewiesen wie wir Menschen und auch da gibt es gebrochene Zahnspitzen, Zahnfleischentzündungen und Karies. Hexe, unser älteres Gibbonweibchen, kam kürzlich nicht um den Zahnarztbesuch herum: ein ausgefaulter Backenzahn führte zu einer kleinen Eiterfistel im Oberkiefer und musste dringend behandelt werden.

Die alte Dame hätte sich den Zahn nicht ohne Narkose ziehen lassen. Sie ist aber unterdessen so zutraulich, dass sie sich die Narkosemittel von Hand spritzen lässt und auf den unangenehmen Pfeil verzichten kann. Röntgenaufnahmen dienten dazu, den Übeltäter unter den Backenzähnen zu identifizieren und es waren gleich deren drei! Ein kurzer Eingriff, die Zähne zu ziehen, Schmerzmittel und ein warmes, gemütliches Nest, um wieder aufzuwachen und die Sache war überstanden.

Natürlich können wir von unseren Tieren keine Zahnhygiene erwarten, in der freien Wildbahn putzen sie auch keine Zähne. Ein großes Problem sind aber die modernen Früchte aus dem Supermarkt. Während sie für uns als gesunder Snack gelten, sind sie weit von den verholzten, sauren Wildfrüchten entfernt und führen wegen des hohen Zuckergehaltes insbesondere bei Affen häufig zu Dickleibigkeit und Zahnerkrankungen.

Die beste Vorsorge ist deswegen eine möglichst früchte- und zuckerfreie Ernährung. Das Umstellen auf gesundes Gemüse und der Verlust der leckeren Zuckerbomben wird mir Hexe vermutlich übler nehmen als das Ziehen der Zähne!

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