Welche Wildtiere sich in Wuppertal heimisch fühlen

Natur : Wildtiere erobern die Stadt

In der Wupper tummeln sich wieder Fische, manche wilden Tiere schätzen menschliche Zivilisation.

Mancher Städter reibt sich verwundert die Augen, für Jäger ist es keine Neuigkeit: In der Stadt leben auch wilde Tiere. Dass Marder an Autokabeln nagen, ist durchaus bekannt. Aber auch einige Füchse streifen nachts durch die Straßen und auf den Südhöhen hatte der eine oder die andere schon Besuch von Waschbären. Beispiele einzelner Arten zeigt die Karte.

„Kulturfolger“ nennen die Wissenschaftler solche Tiere. „Wenn sie anpassungsfähig sind, gehen sie dahin, wo sie Vorteile haben“, sagt Jörg Liesendahl, Biologe und Mitglied des Vorstands der Umweltschutzorganisation BUND in Wuppertal. In der Stadt fänden sie viel zu fressen und müssten keine Feinde fürchten. Sie bedienten sich an dem, was die Menschen fallen lassen, an Müllbehältern, fressen auch Ratten und tun sich an draußen aufgestelltem Katzen- und Igelfutter gütlich.

Jörg Liesendahl erinnert sich, dass schon vor Jahren Füchse in Heckinghausen lebten. Und Frank Auer, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, hat auch schon einen über den Döppersberg laufen sehen. Er weiß: „Füchse, die in der Stadt geboren sind, gehen nicht in den Wald zurück.“ Sie lebten in der Stadt besser als im Wald, nur der Autoverkehr sei für sie ein Risiko.

Wildschweine haben sich vermehrt

Auch die Wildschweine gehören zu den Kulturfolgern. „Sie folgen dem Mais“, erklärt Frank Auer. Den fräßen sie gern und könnten sich in den Feldern gut verstecken. Sebastian Rabe, Leiter der Verwaltungsabteilung „Forsten/Wald“ bei der Stadt spricht von einer „rapiden Zunahme“ der Tiere: „Die tauchen in Ecken auf, in denen sie früher nicht waren.“ Wegen der milden Winter hätten sie sich in den vergangenen Jahren stark vermehrt. Lästig werden sie dem Menschen, wenn sie auf der Suche nach Würmern und Engerlingen Äcker oder am Stadtrand auch mal Vorgärten durchwühlen. Und aktuell beobachtet man mit Sorge, ob sie die Schweinepest nach Deutschland bringen und damit Zuchtschweine gefährden.

Jörg Liesendahl nennt auch Vögel, die menschliche Siedlungen schätzen: „Die Amsel war in den 50er Jahren ein Waldvogel“, sagt er. Heute lebe sie in der Stadt. Auch Elstern fühlten sich in der Stadt heimisch. Und Wanderfalken hätten früher an Felsen gebrütet, „heute lebt die Hauptpopulation in künstlichen Nistkästen wie an unserem Kraftwerk“.

Beim Uhu sei es möglicherweise nur noch eine Frage der Zeit, bis auch er zum Stadtvogel werde. Liesendahl weiß von einem Uhuweibchen, das zwar in einem Cronenberger Steinbruch brüte, aber regelmäßig an die Schloßbleiche komme, um hier Ratten zu fangen. „In den letzten 50 bis 60 Jahren hat sich die städtische Fauna ordentlich verändert“, stellt er fest.

32 Fischarten leben heute in der Wupper

Auch in und an der Wupper leben wieder immer mehr Tiere. Diese profitieren von der besseren Wasserqualität und den Renaturierungsmaßnahmen des Wupperverbands. Der zählt aktuell 32 Fischarten im Fluss wie Äsche, Barbe, Nase und Bachforelle. Wanderfische wie der Lachs profitieren davon, dass sie von der Mündung bis zur Stauanlage in Dahlhausen mit Hilfe von Fischtreppen wieder an Wehren vorbeikommen.

Liesendahl weist auch auf zahlreiche Insekten hin, die sich wieder im Wasser tummeln. Problematischer sei die aus China stammende Wollhandkrabbe, die vereinzelt in der Wupper gesichtet wurde. Dass sie Krebspest übertragen könne, gefährde hier lebende Krebse.

Der Wupperverband freut sich, dass die Renaturierung auch zu Erosionen am Flussufer führe, durch die Steilufer entstehen. Dort könnten vermehrt Eisvögel brüten. So seien unter anderem in Laaken Eisvögel gesehen worden.

Und dann gibt es auch wieder Biber, der fast als ausgestorben galt. Das erste gesichtete Exemplar wurde vom Entdecker Elmar Weber liebevoll Justin genannt. Er sah das Tier 2017 in Beyenburg. Inzwischen gibt es auch in der Kohlfurth Biberspuren. Dass sich der Biber im Stadtgebiet ansiedelt, glaubt Jörg Liesendahl nicht: Biber bräuchten größere Wasserbereiche.

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