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Weihnachtsmärkte in Wuppertal: Das Aus soll abgewendet werden

EInkaufen : Weihnachtsmärkte, Karneval & Co.: Großveranstaltungen in Wuppertal stehen auf der Kippe

Eine offizielle Verordnung gibt es noch nicht. Die Veranstalter planen weiter. An den Veranstaltungen hängen auch die verkaufsoffenen Sonntage.

Die Weihnachtsmärkte in Elberfeld und Barmen, 170 Martinszüge und der Karnevalsauftakt – all diese Veranstaltungen, die längerfristig geplant und vorbereitet werden müssen, stehen coronabedingt auf der Kippe. In den ersten Städten haben die Veranstalter schon die Reißleine gezogen. In Köln wird der Markt am Dom wegen Corona ausfallen. In Wuppertal hingegen sind noch keine Entscheidungen gefallen, betonen alle Beteiligten. Die Stadtspitze hofft auf einheitliche Regelungen durch das Land NRW.

Der Städte- und Gemeindebund habe zum Beispiel davon abgeraten, „von vornherein Weihnachtsmärkte abzusagen“, sagt Stadtsprecherin Martina Eckermann. Vor allem auch für den Einzelhandel sei das ein fatales Signal – hänge von den Weihnachtsmärkten doch auch die Ausrichtung der verkaufsoffenen Sonntage ab.

Ohne Weihnachtsmärkte gibt es keine verkaufsoffenen Sonntage

Johannes Slawig, Leiter des Wuppertaler Krisenstabs, erklärt: „Das Abstandsgebot, die Nachverfolgbarkeit von Kontakten sowie die Einschränkung des Alkoholverkaufs – das sind Auflagen, die für Weihnachtsmärkte und den Karneval gleichermaßen gelten. Es hat bereits eine Reihe von Nachfragen zur Umsetzung gegeben. Wir werden davon absehen, eine eigene Wuppertaler Entscheidung zu treffen. Die Frage ist: Wollen die Veranstalter unter diesen Bedingungen Konzepte vorlegen?“

Genehmigt sind aktuell noch drei verkaufsoffene Sonntage. Jeweils einer in Elberfeld, Barmen und Ronsdorf, parallel eben zu gleichzeitig stattfindenden Märkten. Die besten Karten hat aus Sicht der Stadt der verkaufsoffene Sonntag in Ronsdorf, weil durch den Bandwirkerplatz „eine echte Platzsituation“ für den Weihnachtsmarkt geschaffen werde, sagt Martina Eckermann.

Die Werbegemeinschaft „Wir in Ronsdorf“ sei aktuell in der Findungsphase, was die Ausrichtung angeht, erklärt Wolfgang Jarisch vom erweiterten Vorstand der WiR. „Noch ist aber nichts in trockenen Tüchern.“ Es gehe unter anderem darum, wie eine Zugangsregelung geschaffen werden könnte.

Für Elberfeld und Barmen müssen gänzlich neue Konzepte geschaffen werden. Es habe bereits mehrere Gespräche mit der Stadt gegeben, sagt Thomas Schütte, Geschäftsführer der Grandezza Entertainment GmbH, die seit vergangenem Jahr den Weihnachtsmarkt in Elberfeld ausrichtet. War es bei der Premiere für ihn noch das Ziel, die Veranstaltung auf die Stadtplätze zu konzentrieren, müsste man sie unter Corona-Bedingungen nun eher wieder auseinanderziehen.

Es gibt noch keine allgemeine Verordnung für die Märkte. Und solange die nicht vorliege, könne man nicht verbindlich planen, sagt Schütte. Er spricht von einer dynamischen Entwicklung. Fest stehe aber: „Wir wollen einen Markt.“ Und auch eine Eisfläche, die im vergangenen Jahr für eine gute Resonanz sorgte, sei noch nicht aus dem Rennen.

Der Inzidenzwert, also die Zahl der Neuerkrankungen in sieben Tagen bezogen auf 100 000 Einwohner, dürfe nicht über den Wert von 35 steigen, sonst müsse die Stadt in Absprache mit der Bezirksregierung entscheiden, ob alle Großveranstaltungen abzusagen sind. Aktuell liegt der Wert für Wuppertal bei etwa 15.

Ohne Weihnachtsmärkte werde es keine verkaufsoffenen Sonntage geben, sagt Silke Iffländer von Verdi. Kürzlich erst habe ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes in Münster diese Einschätzung der Gewerkschaft bestätigt: Die Geschäfte dürfen nicht nur aufgrund von Corona sonntags öffnen, die Pandemie könne nicht allein Anlass sein.

Mittelaltermarkt in
Elberfeld hat gute Karten

Ziemlich sicher scheint in Elberfeld die Ausrichtung des Mittelalterlichen Märchenmarktes auf dem Laurentiusplatz, weil auch dort laut Stadt ein geordneter Zugang geschaffen werden könne. Der Markt dort reiche aber nicht dafür aus, dass zum Beispiel die Geschäfte im Bereich Poststraße öffnen dürfen, sagt Iffländer. „Dafür ist die Entfernung zu groß.“ Anders sehe das für die Händler in der Friedrich-Ebert-Straße aus. Doch dort gab es schon länger keinen verkaufsoffenen Sonntag mehr in der Weihnachtszeit, sagt Michael Kozinowski von der IG Friedrich-Ebert-Straße. Jetzt wolle man darüber nachdenken, so der Vorsitzende.

Wie dynamisch beziehungsweise unübersichtlich die Lage ist, verdeutlicht das Beispiel Martinszüge. Am Freitag wurde eine Anfrage der Stadt von der Bezirksregierung Düsseldorf mit einer generellen Absage der Züge beantwortet. Am Montag wurde die Stadt dann darüber informiert, dass die Martinszüge grundsätzlich zulässig seien, wenn ein vom Gesundheitsamt der Stadt geprüftes Hygienekonzept vorliege.

„Das ist nicht die Planungssicherheit, die wir uns wünschen. Das ist Abschieben von Verantwortung“, kritisiert Sozialdezernent Stefan Kühn das Land NRW. Die Stadt befürchtet einen enormen Verwaltungsaufwand und wünscht sich auch in diesem Punkt eine einheitliche Regelung. Zusätzlich zur Verkehrssicherheit der rund 170 Martinszüge müssten jetzt auch noch weitere 170 Hygienekonzepte geprüft werden.