Wegfall der Buslinie 634 trifft Wuppertaler Kindergarten hart

Hilfe zur Selbsthilfe : „Der Wegfall der Buslinie ist für uns ein großer Verlust“

Seit die Buslinie 634 eingestellt wurde, kann der Troxler-Kindergarten für Ausflüge nicht mehr auf das Gut Marienhof fahren.

Die Enttäuschung ist groß. Besonders die Kinder des Troxlerkindergartens in Hatzfeld sind traurig, dass sie ihre Zeit nicht mehr draußen in der Natur mit Tieren verbringen können. Bis Anfang des Jahres sind die Gruppen nämlich alle 14 Tage, immer mittwochs, zum Marienhof ins Felderbachtal gefahren, haben dort bei der Ernte und der Tierpflege geholfen. Doch damit ist seit Januar Schluss: die Wuppertaler Stadtwerke haben die Buslinie 634 eingestellt, und somit die wichtige Verbindung der Troxler-Einrichtung zum Marienhof gekappt.

 „Das ist für uns ein großer Verlust“, erzählt Jutta Hilke, Betreuerin in der betroffenen Kindergartengruppe. „Die Kinder haben immer viel erlebt und gelernt.“ Für einige Teilnehmer sei sogar die Busfahrt schon ein Ereignis gewesen. „Viele kennen das gar nicht oder fahren einfach kaum mit dem Bus“, sagt die Erzieherin. Weiter habe man den Zusammenhalt zwischen Groß und Klein sehen können. „Das war Inklusion, wie sie sein soll“, sagt die Betreuerin und betont, dass die regelmäßigen Ausflüge für den Rhythmus in einer Waldorf-Einrichtung wichtig sind. Der Wegfall der Buslinie habe den Ablauf in der Kita maßgeblich beeinflusst. Schließlich sei eine jahrelange Tradition plötzlich weggefallen.

Eine dauerhafte Lösung
ist bislang nicht in Sicht

Für die Problematik des Kindergartens zeichnet sich bislang auch keine Lösung ab. Es haben zwar Eltern angeboten, die Kleinbusse zu fahren, aber davon stehen nicht genug zur Verfügung und auch die Umsetzung ist nicht so einfach. Trotzdem sagt Jutta Hilke: „Viele Eltern wurden aktiv und es ist schon viel passiert.“ Zumindest der jährliche Ausflug anlässlich des Erntedankfestes im Oktober könne stattfinden. „Darauf können sich alle Kinder und Betreuer freuen.“

Möglich gemacht hat das ein Vater. Er initiierte, dass Spenden gesammelt werden, um damit zwei Reisebusse zu buchen. Die Busse der Firma Klingenfuß sollen dann etwa 85 Personen zum Marienhof bringen. Das reicht für die vier Gruppen des Waldorfkindergartens, um zum Gut Marienhof zu kommen, das ebenfalls zum Troxler-Haus Wuppertal gehört. Am Hof selbst gibt es eine integrative Arbeits- und Lebensgemeinschaft, die unter anderem die biologisch-dynamische Landwirtschaft betreut. Die Kinder aus dem integrativen Waldorfkindergarten dürfen dabei helfen und kennenlernen, wie die Tiere gehalten werden. „Eine spannende Erfahrung“, sagt Hilke. „Die Kinder bekommen dort einen guten Einblick in den Verlauf der Jahreszeiten und sie erleben selbst, woher ihr Gemüse oder auch die Milch kommen. Nicht wie einige denken aus dem Regal im Rewe.“

In die Sache mit der Buslinie kommt wohl so schnell erst einmal keine Bewegung. Ein neuer Nahverkehrsplan soll erst gegen Ende des Jahres beschlossen werden, wie eine Stadtsprecherin auf frühere WZ-Anfragen mitteilte. Ein Ersatz für die Buslinie scheint ungewiss, und das obwohl sich bereits zu Beginn des Jahres viele Anwohner gegen das Ende der 634 ausgesprochen hatten. Die WSW hatten argumentiert, dass die Buslinie von zu wenigen Pendlern genutzt werde.

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