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Was sich im Handwerk jetzt ändern muss

Was sich im Handwerk jetzt ändern muss

Arnd Krüger und Carmen Bartl-Zorn sprechen beim WZ-Forum über Arbeitszeit und Digitalisierung.

Wuppertal. Wer sich für die Selbstständigkeit entscheidet, der kann zwar alles selbst machen, aber eben auch ständig. Das fasst ein Teil des Problems zusammen, das es im Handwerk gibt. Kreishandwerksmeister Arnd Krüger sagt, es fehle an jungen Menschen, die im Handwerk mitgestakten wollen, an denen, die sich einbringen und Betriebe gründen oder übernehmen. „Wenn sich nichts verändert an der Lage, haben wir im Bergischen Land in zehn Jahren 30 Prozent weniger Meisterbetriebe“, sagt er.

Was sich im Handwerk jetzt ändern muss
Foto: dpa

Was man dagegen tun könne? Das weiß Krüger auch nicht, möchte aber gerne die Diskussion darüber eröffnen. „Vielleicht müssen Betriebe auch für Handwerker die Arbeitszeitmodelle auflockern“, meint er. Den Bedürfnissen der jungen Menschen Rechnung tragen, flexibel zu sein, trotz Job. Auch Betriebskindergärten sind etwas, was Krüger sich vorstellen kann - „aber wie sollen kleine Betriebe das umsetzen?“ Man müsse die Diskussion darüber eröffnen, Kooperationen zwischen Kleinbetrieben mitdenken.

Krüger meint, das Handwerk müsse Anreizmodelle erneuern, um bestehen zu können. Früher sei es genug gewesen, wenn erfolgreiche Handwerker sich einen Porsche leisten konnten. Sie galten als erfolgreich und als Vorbilder. Das ziehe heute nicht mehr. Die Prioritäten lägen heute woanders.

Marcel Hafke, Landtagsabgeordneter der FDP, sieht das etwas anders. Er will den Ruf des erfolgreichen Unternehmers verbessern. Gründen oder Übernehmen sei zum Tabu geworden, weil es verrufen sei, etwas zu erreichen. Er sieht vielmehr eine Neid-Kultur in der Verantwortung als die veränderten Lebensentwürfe. „Das kann man nur durch eine gesellschaftliche Debatte ändern, wenig über Politik“ sagt er dagegen.

Politisch will er die Bürokratie für Gründer vereinfachen, MINT-Fächer in den Schulen stärken — und darüber hinaus auch die Eltern mehr in die Berufswahl einbinden.

Damit ist er vielfach in der Nähe von Carmen Bartl-Zorn von der IHK. Auch sie findet, die MINT-Fächer müssten gestärkt werden — weil viele Berufsbilder viel komplexer geworden seien und viel mehr technisches Verständnis erforderten. Dazu seien die Berufe viel diverser geworden. Da müsste man Schüler wie Eltern dabei unterstützen, sich in dem Dschungel an Namen und Berufsbildern zurechtzufinden.

Und dann könne man auch über Freiheiten in der Selbstständigkeit sprechen. Denn gerade als Selbstständiger könne man sich Freiheiten gönnen, die man als Angestellter nicht habe — sich etwa die Zeiten selbst aussuchen oder aber Pausen einplanen, wenn man nachmittags für ein, zwei Stunden die Kinder sehen wolle. „Da muss ich keinen fragen, das entscheide ich selbst“, wirbt sie für die Selbstständigkeit. Dennoch sagt auch sie: Betrieben aller Sparten müssen viel mehr über Flexibilisierung nachdenken. Gerade in Zeiten der Digitalisierung seien die alten Modelle nicht auf Dauer zu halten.