Reformationstag Was glauben sie denn?

Luther - wohin man schaut. Musical, Theater, Filme, Dokumentationen und eine Playmobilfigur, die sich weltweit so oft verkauft hat wie keine zweite in der Geschichte. Luther ist marketingfähig, das weiß man nun.

Luther ist marketingfähig geworden. Socken, Bonbons oder wie hier eine Packung Lutherol - mit den aufgerollten Thesen von Martin Luther.

Luther ist marketingfähig geworden. Socken, Bonbons oder wie hier eine Packung Lutherol - mit den aufgerollten Thesen von Martin Luther.

Foto: Hauke-Christian Dittrich

Luther-Socken, Lutherbonbons - Kondome mit seinem Konterfei konnte man gerade noch verhindern. Neulich hörte ich, dass der Erfolg der Haribo-„Goldbähren“ vor allem darauf zurückzuführen sei, dass das Produkt sich völlig von dem gelöst habe, was in ihm steckt. 46 g Zucker auf 100 g ließen sich nur verkaufen, wenn man etwas anderes verkauft als die Ware an sich. Ich wünschte mir, Luther als Person und noch mehr dem, was er ins Werk gesetzt hat, möge in diesem Jahr nicht das gleiche Schicksal widerfahren.

Aber das Leben ist bekanntlich kein Wunschkonzert. Reformationstage sind keine Gedenktage großer Helden, sondern einer Bewegung, die zentral, aber nicht nur mit dem Namen „Martin Luther“ verbunden ist. Bei aller Eitelkeit, die keinem Menschen fremd sein dürfte, ging es ihm allerdings nicht um sich selbst. Ihm ging’s um mehr. Aus seiner Sicht ging’s ums Ganze. Es ging ihm um das Verhältnis von Gott und Mensch. Um die Frage, wie ich Trost und Sinn in meinem Leben finde, der nicht abhängig ist von meinem Erfolg, meinem Können und allem, was ich vielleicht auf Zeit gewinnen, aber mit der Zeit garantiert auch wieder verlieren werde. Ihm ging es um Jesus Christus und darum, dass alle Menschen an ihm sehen können, wer Gott ist, wie er zu uns steht und was er von uns will.

Dem Volk wollte er „aufs Maul schauen“, damit die gute Nachricht von Gottes Liebe und die gute Nachricht seiner Gebote zum Leben verstanden werden können. Dem Volk aufs Maul schauen bedeutete für ihn aber keineswegs, ihm nach dem Mund zu reden. Er wollte, dass man versteht, was man glauben darf, und sich selber ein Urteil bilden kann. Er war standhaft in seinem Glauben, weil er wusste, dass jemand anderes für ihn einstand, der größer ist und stärker als alles, was sich gegen ihn verbündet. Diese Bindung an Christus schenkte ihm die größte Freiheit. Eine Freiheit ohne diese Bindung wäre Luther wohl nur Beliebigkeit oder Selbstbetrug gewesen. Transportiert die Marke „Luther“ diese „Ware“ noch, oder hat sich alles Mögliche an sie angehängt?

Wenn sie noch für das steht, wofür der ehemalige Augustinermönch stand, dann hat sein Konterfei weder auf Pegida-Demos etwas zu suchen noch kann es herhalten für ein Freiheitspathos, das am liebsten ganz vergäße, dass es da noch einen HERRN gibt, vor dem wir alle uns einmal verantworten dürfen. Ein Gemeindeglied schrieb mir neulich: „Weil Gott uns zur Freiheit beruft, werden die Ausreden immer schwieriger.“ Stimmt. Ausreden, haben wir keine mehr, warum wir Gottes Gebot zur Mitmenschlichkeit immer wieder mit Füßen treten und der Mensch sich beständig auf seinen Thron setzen will und Gott aus der Welt drängt. Der Reformationstag, den die Evangelische Kirche in Wuppertal am Dienstag mit einem Gottesdienst in der Stadthalle feiert, ist dann ein wirklich sinnvoller Tag, wenn wir uns daran erinnern lassen, was uns vor 70 Jahren das „Darmstädter Wort“ ins Stammbuch schrieb: Not tut uns allen die „Umkehr zu Gott“ und die „Hinkehr zum Nächsten“. Ein gutes Motto für die nächsten 500 Jahre…