Was eine Wuppertaler Firma mit dem Eurovision Song Contest zu tun hat

Tel Aviv : Was eine Wuppertaler Firma mit dem Eurovision Song Contest zu tun hat

Riedel Communication aus Wuppertal sorgt in diesem Jahr bereits zum 14. Mal für technische Infrastruktur bei dem europäischen Traditions-Event. Ein großes Team ist seit Wochen zur Vorbereitung in Tel Aviv.

Zum mittlerweile 14. Mal in Folge stellt die Riedel Communications GmbH & Co. KG in der kommenden Woche die technische Infrastruktur, damit sich die Beteiligten des Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv per Video- und Audiosignal vor Ort abstimmen können und die Live-Übertragung in die jeweiligen Teilnehmerländer klappt. Auch wenn schon eine gewisse Erfahrung vorhanden ist und Riedel in der internationalen Sport- und Kulturszene eine langjährige Expertise aufweisen kann, bleibt der internationale Musikwettbewerb für das 1987 gegründete Unternehmen eine besondere Herausforderung. „Der ESC ist eine der komplexesten Veranstaltungen, die wir betreuen“, sagt Thurid Wagenknecht, Programm Manager Global Events bei Riedel.

200 Millionen Zuschauer
am Fernsehen erwartet

Während es bei Olympischen Spielen, Fußball-WMs, in der Formel 1 oder Musikfestivals mehrere Tage und Spielstätten sind, die betreut werden müssen, ist es beim ESC eine Veranstaltung an einem Ort, der noch dazu in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum - an drei Terminen - bespielt werden muss. Das setzt die Verantwortlichen noch etwas mehr unter Druck, fallen technische Probleme doch umso stärker ins Gewicht, bleibt weniger Zeit, um technische Ausfälle zu kompensieren. Immerhin sind beim ESC, der in einer Halle auf dem Expo-Gelände der israelischen Küstenstadt stattfindet, etwa 7500 Zuschauer vor Ort. An den Fernsehgeräten werden noch einmal 200 Millionen Zuschauer erwartet. In der Veranstaltungshalle - dem Tel Aviv Convention Center - müssen etwa 40 Kommentatorenboxen ausgestattet werden.

Mit rund 30 Leuten betreut Riedel den 64. ESC vor Ort, etwa 45 Kilometer Glasfaserkabel wurden verlegt. Auch Firmengründer Thomas Riedel ist in Tel Aviv mit dabei. Sein Unternehmen stellt die technischen Voraussetzungen bereit, damit bei der Veranstaltung die Signale für Funkverbindung, TV-Kommentar und Fernsehübertragung beim jeweiligen Adressaten ankommen. Auch die sogenannte Interkommunikation zwischen den Verantwortlichen am Veranstaltungsort, die Bereitstellung der IT-Infrastruktur sowie die Akkreditierung der Teilnehmer und Gäste wird mit Technik von Riedel umgesetzt. Um die Infrastruktur vor Ort zu installieren, wurden über den Seeweg drei große Container mit Technik nach Israel geschickt. Mitarbeiter von Riedel sind seit Anfang April mit den Aufbauarbeiten am Veranstaltungsort beschäftigt.

Wagenknecht ist Anfang Mai nach Tel Aviv geflogen, um die letzten Arbeiten mit zu betreuen. Auch für sie persönlich sei die Veranstaltung - jenseits der musikalischen Darbietungen, über deren Qualität man vermutlich lange streiten kann - immer wieder ein schöner Termin. „Das ist dann wie eine Riesenfamilie - viele Gesichter sieht man jedes Jahr wieder.“ Trotz des hohen Drucks, der in der Organisation des Mega-Events herrsche, gebe es einen „freundlich-familiären Umgang“ miteinander.

Besondere Herausforderung:
keine ISDN-Technik vor Ort

Um größere technische Havarien zu vermeiden, setzt das technische System auf „Redundanz“, das heißt: Kabel und Anschlüsse wurden so verlegt und geschaltet, dass beim Ausfall der Technik auf eine Ersatzverbindung umgeschaltet werden kann. Die Technik habe sich in den vergangenen Jahren immer weiter entwickelt und sei immer anspruchsvoller geworden, erzählt Wagenknecht einige Tage vor ihrem Abflug nach Israel bei einem Besuch am Riedel-Firmensitz an der Uellendahler Straße. Eine besondere Herausforderung sei, dass diesmal vor Ort keine ISDN-Technik mehr verwendet wird, sondern mit der technisch leistungsfähigeren IP-Technik gearbeitet wird. Einige Produktionsteams der Teilnehmerländer nutzten allerdings weiterhin ISDN-Technik für ihre Übertragung. Deshalb müsse Riedel die Umwandlung der Signale vor Ort möglich machen.

Dass Riedel beim ESC die technische Infrastruktur für die Kommunikation stellen kann, hängt mit einer mehrjährigen Kooperation zusammen, die das Unternehmen mit der European Broadcasting Union (EBU) als Veranstalter des ESC vereinbart hat. Man profitiere davon, dass man sich in der internationalen Event-Szene mittlerweile einen sehr guten Namen erarbeitet habe. „Unsere Leute machen das ja seit vielen Jahren“, betont Wagenknecht. Zudem setzt das Unternehmen auch Maßstäbe: So gut wie jeder größere Übertragungswagen in Europa hat bereits Technik von Riedel an Bord.