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Begrabt mein Herz in Wuppertal: Warum Wuppertal eine ideale Kulisse für Morde aus Leidenschaft ist

Begrabt mein Herz in Wuppertal : Warum Wuppertal eine ideale Kulisse für Morde aus Leidenschaft ist

Uwe Becker schreibt in der WZ jetzt regelmäßig über seine Stadt - und fragt sich, warum die Tatort-Macher das Potential der Stadt nicht erkennen.

Wuppertal. Wann macht sich der WDR endlich für einen „Tatort“ aus Wuppertal stark? Wuppertal ist doch eine ideale Kulisse für Morde aus Leidenschaft oder Habgier. Die steilen Straßenzüge der Nordstadt dienten ja schon öfters der Filmbranche als Schauplatz. Bis auf einige Kleinigkeiten habe ich das Drehbuch für die erste Folge im Grunde schon fertig. Ich brauche nur noch den Mörder und zwei bis drei Leichen.

Begrabt mein Herz in Wuppertal: Warum Wuppertal eine ideale Kulisse für Morde aus Leidenschaft ist
Foto: Bernd Thissen

Die erste Einstellung wird es in sich haben: in Großaufnahme die himmelblaue Tür der neuen Schwebebahn. Sie öffnet sich — bis dahin haben die Wuppertaler Stadtwerke diese Mängel ja beseitigt, Smiley! Man sieht Hauptkommissar Friedhelm Hanebeck, gespielt von Christoph Maria Herbst, der die Schwebebahn nur mit Mühe verlassen kann, weil die auf dem Bahnsteig wartenden Fahrgäste direkt vor dem Ausgang stehen.

Begrabt mein Herz in Wuppertal: Warum Wuppertal eine ideale Kulisse für Morde aus Leidenschaft ist
Foto: Joachim Schmitz

„Erst alle aussteigen lassen, dann einsteigen, mein Gott, wann lernt ihr das hier endlich mal?“ Ein ziemlich angefressener Hauptkommissar drängt sich nach draußen und verdreht die Augen. Kommen wir zur Besetzung. Neben Christoph Maria Herbst könnte ich mir die in Wuppertal lebende türkische Schauspielerin Lilay Huser als Hauptkommissarin Eylül Piepensever sehr gut vorstellen. Die Handlung werde ich natürlich hier nicht verraten. Aber es wird um Mord gehen, Mord aus Leidenschaft.

Da ich mich aber selber so sehr auf das Projekt freue, verrate ich hier doch schon mal ein paar Details. Ein aus Solingen stammender Kneipenwirt aus dem Luisenviertel verliebt sich unsterblich in eine japanische Tänzerin aus dem Pina Bausch-Ensemble. Sie verbringen gemeinsam eine Nacht. Am andern Morgen sind beide…nein, nicht tot, sie albern nackt und gut gelaunt im Bett herum. Tot aufgefunden wird allerdings der künstlerische Leiter des Tanztheaters, der mit der Japanerin verheiratet ist. Haha, das wird spannend, mehr verrate ich aber trotz aller Vorfreude nicht.

In jeder Tatort-Folge werde ich eine kleine Nebenrolle einnehmen. Ich spiele den Gärtner, der für die Pflege der privaten Grünanlagen des Oberbürgermeisters von Wuppertal, Andreas Mucke, gespielt von Andreas Mucke, zuständig ist und immer in Tatverdacht gerät. Natürlich wird die Schwebebahn in jedem Tatort des öfteren durchs Bild sausen und der Fernsehzuschauer wird einige Sehenswürdigkeiten von Wuppertal wiedererkennen.

Ein Alleinstellungsmerkmal wird mein Tatort aus Wuppertal auf alle Fälle haben. Hanebeck und Piepensever müssen den im Flur des Polizeipräsidiums stehenden Kaffee- und Getränkeautomaten nicht treten oder mit der Faust gegen ihn schlagen, bevor der Kaffee oder die Cola raus oder auch nicht rauskommt. Diesen Unsinn schreibe ich nicht ins Drehbuch. In Wuppertal funktioniert alles, auch der Getränkeautomat im Polizeipräsidium. Nun gut, weil ich so begeistert von meinem Drehbuch bin, verrate ich nun doch das Ende, den Mörder allerdings nicht. Der Täter wird in Oberbarmen in der Schwebebahn festgenommen, weil die Türen vorher an allen Stationen nicht aufgingen und er so nicht fliehen konnte.

Die Schlussszene in meinem Tatort wird immer gleich sein. Kommissar Hanebck und seine Kollegin Piepensever trinken im Café Ada einen Tee, scherzen ein wenig und tanzen Tango. Ganz ehrlich? Ich freu’ mich drauf.