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Warum streunende Katzen nicht nur in Wuppertal ein Problem darstellen

Interview : Warum streunende Katzen nicht nur in Wuppertal ein Problem darstellen

Eva-Maria Scheugenpflug, Vorsitzende des Tierschutzvereins Wuppertal, erklärt die Hintergründe und was man tun kann.

Als Reaktion auf den Artikel „Niedliche Gäste im Elberfelder Elisencafé“ in der WZ vom 31. Juli hat sich Eva-Maria Scheugenpflug in einem Leserbrief an die Redaktion gewendet. Sie kritisiert, dass dort streunende Katzen vor allem als niedlich beschrieben werden - wie das Leben der freilebenden Vierbeiner aber tatsächlich aussieht, werde ausgespart. Denn unkastrierte, heimatlose Katzen haben es schwer  und werden mehr und mehr zum Problem.

Frau Scheugenpflug, warum sind freilaufende, unkastrierte Katzen ein Problem?

Eva-Maria Scheugenpflug: Streunende Katzen sind, auch wenn sie frei leben, keine Wildkatzen. Sie können sich nur unzureichend selbst ernähren und sind auf menschliche Hilfe angewiesen. Durch Mangelernährung und widrige Wetterverhältnisse  sind sie immungeschwächt und daher anfällig für Parasiten und Krankheiten wie Katzenschnupfen. Das alles bedeutet oft ein schlimmes Schicksal. Wenn sie dann auch noch unkastriert sind, vergrößert sich das Problem schnell: Eine Katze kann zwei bis drei Mal im Jahr belegt werden und mehrere Kitten bekommen. Die Zahl der Tiere wächst also schnell. Ab der zweiten Generation sind die Tiere äußerst wehrhaft und kaum noch an die menschliche Hand zu gewöhnen.

Woher kommen diese streunenden Katzen?

Scheugenpflug: Manche davon sind von zuhause ausgerissen - zum Beispiel, weil sie rollig werden und einen Partner suchen, oder durch ein offenes Fenster entwischen. Manche haben sich auch verirrt und finden nicht mehr nach Hause. Andere werden  bewusst ausgesetzt. Weil sie mehr Arbeit machen, als erwartet oder weil die Besitzer nicht damit zurechtkommen oder in den meisten Fällen, weil Tiere generell Kosten verursachen.. Man kommt heute sehr günstig an Katzen - etwa über das Internet. Oft sind die Tiere aber krank, nicht geimpft und entwurmt und sehr selten kastriert. Teuer wird es dann, wenn die Katzen zum Tierarzt müssen.  Einige Besitzer, die das dann nicht bezahlen können oder wollen, setzen das Tier stattdessen aus.

Was sollte man tun, wenn man eine streunende Katze findet?

Scheugenpflug: Als erstes sollte man die Katze beobachten und versuchen, abzuschätzen, ob es ein Streuner oder ein Freigänger ist. Freigänger sind im besten Fall gechippt und registriert und können, wenn sie sich verlaufen haben, zurück zum Besitzer gebracht werden. Streuner erkennt man daran, dass sie oft sehr dünn sind und struppiges Fell haben. Viele sind scheu und ängstlich. Dann sollte man Kontakt zu Tierschutzorganisationen, wie dem Tierschutzverein, oder dem Katzenschutzbund  aufnehmen. Die Organisationen können Katzenfallen zur Verfügung stellen und übernehmen auch die Kosten für die Kastration. Allerdings benötigt man dazu Hilfe vor Ort. Selten ist es so, dass Streuner eine gesicherte Futterstelle haben, daher muss jeder Fall persönlich besprochen werden, um gangbare Lösungen für die Tiere zu finden. Wer eine Streunerkatze  füttert, sollte daher auch Verantwortung für sie übernehmen und dafür Sorge tragen, dass sie sich nicht weiter vermehren. In Wuppertal gibt es eine Katzenschutzverordnung die besagt, dass jede Freigängerkatze kastriert, gekennzeichnet und registriert werden muss. Ich würde mir wünschen, dass das auch für Wohnungskatzen gelten würde.

Weitere Informationen findet man unter www.tierschutzverein-wuppertal.de/Streunerkatzen