Warum es Online-City schwer hat

Warum es Online-City schwer hat

Die Plattform des Einzelhandels bietet viel zu wenig Auswahl. Nur 15 Läden listen mehr als 100 Produkte. Erste Händler steigen aus.

Online-City Wuppertal (OCW) ist eine gute Idee. Der lokale Einzelhandel soll auf der Plattform online sichtbar werden und seine Produkte in virtuellen Shops vertreiben. Auch eine gute Idee. Gemeinsam will man die Kräfte bündeln, um es mit Internetriesen wie Amazon aufzunehmen. Ebenfalls eine gute Idee.

Im Moment setzt jedoch bei dem mit Nachdruck geförderten Projekt — allein 175 000 Euro vom Land, 350 000 Euro in 2018/19 von unterschiedlichen Unterstützern — ein wenig Katerstimmung ein. Rolf Volmerig, Geschäftsführer der Wuppertaler Wirtschaftsförderung, wollte im vergangenen Jahr die angebotenen Produkte im Netz von 870 000 auf 1,5 Millionen steigern. Heute sind es etwas mehr als 13 000 Artikel.

Das Urteil einiger Händler, die Online-City getestet haben und schon wieder ausgestiegen sind, ist vernichtend. „Online-City war ein Flop für mich“, sagt Olaf Wegner vom Strumpffachgeschäft Wegner. „Die haben uns etwas versprochen, was sie nicht gehalten haben“, sagt er. Schon beim Einstellen seiner Produkte sei er gescheitert. „Wir wollten Hilfe und haben seit Monaten keine Antwort bekommen“, sagt Wegner. Dass er noch bei Online-City als einer der 61 Händler gelistet ist, überrascht ihn. Die WZ sprach noch mit zwei anderen zufällig gewählten Händlern, die noch bei Online-City auftauchen, aber keine Artikel anbieten, also im Netz nur ein sogenanntes „Schaufenster“ haben. Beide wollten anonym bleiben, berichteten aber, ebenfalls ausgestiegen zu sein. Zu hören war: „Ich hatte in einem Jahr nicht einen Klick, der über Online-City kam.“

Seit einem Monat hat Weinhändler Peter Bothmann sein Amt als Vorsitzender von Online-City niedergelegt. Er sagt: „Ich wollte kürzer treten.“ Bothmann kennt die falschen Erwartungen vieler Händler: „Die dachten, man stellt 23 Produkte ein und dann kommt die Lawine.“ Dabei sei der primäre Nutzen des Projekts, den Wuppertaler Handel im Netz sichtbarer zu machen — nicht, mit Amazon zu konkurrieren.

Er weiß aber auch: „Das Angebot des Onlineshops müsste breiter sein.“ Das sieht auch der neue Vorsitzende Michael Frieling so. Er will die Mitglieder motivieren, ihre Produkte digital zu erfassen und bei Online-City einzustellen. „Was nützt das, wenn die Kunden auf die Plattform gehen und finden keine Produkte?“

Aktuell ist das ein großes Problem. Gerade einmal 15 Händler haben 100 oder mehr ihrer Produkte erfasst. Nur vier Händler stellen mit mehr als 1000 Artikeln fast ihre ganze Palette im Netz aus. Spitzenreiter ist „Dapprich Präzisionswerkzeuge“, der mit seinen mehr als 6000 Produkten online fast die Hälfte des OCW-Angebots ausmacht. Das führt dazu, dass der Onlineshop bei Suchbegriffen wie „Schaftfräser“ 219 Treffer ausspuckt, bei „Stiefel“ aber nur elf. Wird es spezieller, kommt nichts mehr: „Golfschläger“, „Kindersitz“, „Zahnbürste“ — keine Produkte gefunden.

Dabei könnte Wuppertal alles bieten. Doch zu wenige Händler machen mit, zu wenige erfassen ihre Ware. Peter Bothmann sagt: „Leute, die nicht verstehen, dass heute jeder vor dem Einkauf ins Smartphone guckt, sieht an der Gesellschaft vorbei.“

Unklar ist, wie viele Kunden direkt über Online-City einkaufen. Die aktuellen Zahlen kennen auf Nachfrage angeblich weder der OCW-Chef noch Kenny Weißgerber, der seitens der Wirtschaftsförderung das Projekt betreut. „Wir haben derzeit keine Einsicht“, sagt Weißgerber und verweist auf den Plattformbetreiber „Atalanda“, der gestern für die WZ nicht erreichbar war. Michael Frieling, mit seinem Modegeschäft drittgrößter Anbieter der Seite, gibt einen kleinen Einblick: Er habe im vergangenen Jahr 46 Bestellungen über die Plattform erhalten. Es komme aber immer wieder vor, dass Leute nach dem Onlinebesuch zu ihm in den Laden kommen. „Das merke ich schon, kann ich nur leider nicht mit Zahlen belegen.“

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