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Warum Curevac nicht die Wuppertaler Stadtkasse füllen wird

Aus für Curevac-Impfstoff : Warum Curevac nicht die Wuppertaler Stadtkasse füllen wird

Im Bayer-Werk in Elberfeld sollte Impfstoff von Curevac hergestellt werden. Jetzt sieht die Situation anders aus.

Am Dienstag hat das Biotechunternehmen Curevac seinen ersten Corona-Impfstoffkandidaten aus dem Zulassungsverfahren der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zurückgezogen. Im Wuppertaler Bayerwerk sollten eigentlich bis Ende 2022 etwa 160 Millionen Impfdosen hergestellt werden. Doch der Impfstoff CVnCoV erwies sich als nicht konkurrenzfähig gegenüber den anderen mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna. In Wuppertal ist die Enttäuschung groß – auch bei Stadtkämmerer Johannes Slawig, der vergeblich auf Gewerbesteuereinnahmen hoffen durfte.

Im Februar hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet das Bayer-Werk in Elberfeld besucht und den Einstieg der Bayer AG in die Impfstoffproduktion auf Basis der Kooperation mit Curevac als wichtigen Schritt im Kampf gegen das Virus bezeichnet. Die Knappheit an Impfstoffen war damals das alles beherrschende Problem, und Wuppertal schien Teil der Lösung zu sein. Die strategische Partnerschaft von Curevac und dem Bayer-Konzern, für den es der Einstieg in die Herstellung von Human-Impfstoffen gewesen wäre, stieß damals auf bundesweites Interesse.

„Wir helfen, wo wir können. Daher hat sich die Bayer AG spontan bereit erklärt, Curevac bei der Produktion des Impfstoffes zu unterstützen. Da es keinen Impfstoff gibt, entfällt die Produktion. Das wird keinerlei Auswirkungen auf die Aktivitäten am Standort Wuppertal haben“, sagt Bayer-Sprecher Oliver Renner.

Bayer hatte im Frühjahr mehr als 100 Stellen für die geplante mRNA-Impfstoffproduktion am Standort Wuppertal ausgeschrieben. Gesucht wurden unter anderem Chemikantinnen und Chemikanten, Laborantinnen und Laboranten sowie Prozess-Expertinnen und -Experten. „Wir werden wegen der Absage der Produktion des Impfstoffs jetzt niemanden auf die Straße setzen. Es gibt bei uns Arbeit genug“, sagt Oliver Renner. Zunächst war geplant, mit der Produktion im Spätherbst dieses Jahres zu beginnen. „Wir sind bei diesem Projekt immer auf Sicht gefahren, und daher müssen wird jetzt auch keine Labore oder Produktionsstätten zurückbauen. Es gibt keinen Leerstand im Bayer-Werk“, so Renner.

Der erhoffte Geldsegen für
die Stadtkasse bleibt aus

Die Bundesregierung hatte den Curevac-Impfstoff für ihre Impfkampagne eingeplant und 300 Millionen Euro investiert. Auf diese Weise wollte die Politik das Unternehmen gegen eine Übernahme aus dem Ausland absichern. Doch eine groß angelegte Studie mit 40 000 Probanden brachte nicht die erwünschten Ergebnisse. Andere Unternehmen hatten da die weltweiten Märkte längst erobert und boten wirkungsvollere Impfstoffe als Curevac an. Ob die Bayer AG die strategische Partnerschaft mit Curevac fortsetzen wird, dazu gab es keine Stellungnahme von Oliver Renner.

Wuppertals Stadtkämmerer Johannes Slawig bedauert die Entwicklung. „Wenn eine solche Produktion in Wuppertal angelaufen wäre, dann hätte es ein zusätzliches Steueraufkommen gegeben. Was das Wuppertal an Gewerbesteuer eingebracht hätte, lässt sich aber nicht quantifizieren. Das wäre von vielen Faktoren abhängig gewesen. In der schwierigen Haushaltslage können wir alle zusätzlichen Einnahmen gut gebrauchen“, sagt Johannes Slawig. So bleibe nur die Hoffnung, dass es einen zweiten Anlauf bei der Produktion eines Impfstoffes geben könnte. Ganz unbegründet sind die Hoffnungen nicht, denn Curevac will mit dem britischen Unternehmen Glaxo Smith Kline einen neuen Impfstoffkandidaten an den Start bringen, für den eventuell wieder ein Produktionsstandort gefunden werden müsste.