Warten auf die „Bufdi“-Stelle

Warten auf die „Bufdi“-Stelle

Wer sich spontan für den Freiwilligendienst entscheidet, hat schlechte Chancen, etwas zu finden.

Wuppertal. „Platz suchen — Einsatzstellen kontaktieren — Kennenlerngespräch. Wenn es passt, unterschreiben und los geht’s.“ So schnell und einfach klingt es auf der Homepage des Bundesfreiwilligendienstes, an eine „Bufdi“-Stelle zu kommen. Die Realität sieht aber ein bisschen anders aus, denn die Jobs in den sozialen Einrichtungen sind begehrt.

Das hat es auch Melanie Rosenkranz festgestellt. „Nach dem Abitur letztes Jahr wollte ich mit einem Studium in Sozialer Arbeit beginnen“, sagt die 20-Jährige. Doch von den Unis kamen nur Absagen. Also machte Rosenkranz zunächst ein Praktikum in einem Kindergarten und wollte Ende Dezember den Bundesfreiwilligendienst bei der Wuppertaler Tafel beginnen.

Auch die 24-jährige Marie Hübner, die sich nach ihrer Ausbildung als Immobilienkauffrau neu orientieren wollte, versucht seit Oktober eine „Bufdi“-Stelle bei der Tafel zu bekommen. Doch daraus wurde nichts. „Zunächst sah es so aus, als könnten wir die beiden spätestens ab Januar anmelden“, sagt Wolfgang Nielsen, 1. Vorsitzender der Wuppertaler Tafel. „Doch die Ampeln bei der Anmeldezentrale sind bis August auf Rot.“ Das heißt, dass die Tafel frühestens im Sommer wieder einen „Bufdi“ anmelden kann.

„Das Kontingent von bundesweit 35.000 Stellen für dieses Jahr ist nahezu ausgeschöpft“, bestätigt Roland Hartmann, Sprecher des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Bereits jetzt werden die freien Plätze ab dem Spätsommer und Herbst angeboten. Wer also nach dem Schulabschluss Interesse an der sozialen Arbeit hat, sollte nicht mehr lange zögern. „Man sollte sich rechtzeitig darum bemühen“, rät Hartmann. Auch wenn es möglich sei, dass die zentralen Vergabestellen noch einige Plätze für den Herbst zurückhalten.

Doch viele potenzielle Interessenten wollen oder können sich eben so früh noch nicht entscheiden: Gerade Abiturienten und andere Schulabgänger versuchen zunächst, einen Ausbildungs- oder Studienplatz zu finden. Sie entschließen sich erst für den Bundesfreiwilligendienst, wenn es mit Uni oder Job nicht gleich hinhaut. Dann ist es aber zu spät.

Für Melanie Rosenkranz ist die Anmeldung als „Bufdi“ im Sommer zu spät. „Ab August habe ich jetzt eine Ausbildungsstelle“, sagt sie. Bei der Tafel arbeiten sie und ihre Kollegin trotzdem. „Erst kamen sie ehrenamtlich, nun haben wir sie selbst als Minijobs angemeldet“, sagt Nielsen. „Damit sie sich nicht auf den Arm genommen fühlen.“

Die Regel sei das aber nicht. Darum Melanie Rosenkranz’ Tipp an alle baldigen Schulabgänger: „Überlegt Euch jetzt schon, was Ihr wollt, und sichert Euch frühzeitig eine Stelle.“

www.bundesfreiwilligendienst.de

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