VRR lobt Wuppertals Bahnhöfe

VRR lobt Wuppertals Bahnhöfe

Pro Bahn wundert sich über die positive Bewertung im aktuellen Stationsbericht. Nur Vohwinkel hat sich verschlechtert.

Wuppertal. Wuppertals zehn S-Bahnhöfe sind allesamt in einem akzeptablen Zustand. Das würde vielleicht nicht jeder Fahrgast so unterschreiben — das ist aber das Ergebnis des aktuellen Stationsberichts des Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VVR), der jedes Jahr sogenannte „Profitester“ zu allen Stationen im gesamten Verkehrsgebiet entsendet. Besonders im Vergleich zum Bericht von 2015 haben sich die Bahnsteige im Verbreitungsgebiet in ihrem Erscheinungsbild deutlich verbessert. So befand der VRR damals noch die Bahnhöfe Langerfeld, Ronsdorf, Sonnborn und Vohwinkel für nicht akzeptabel. Aktuell ist die schlechteste Bewertung „noch akzeptabel“. Vier Bahnhöfe im Tal bekamen die Bestwertung: Hauptbahnhof, Barmen, Langerfeld und Oberbarmen. Nur Vohwinkel hat seinen grünen Status verloren.

Der Wuppertaler Hauptbahnhof als Musterbeispiel? Axel Sindram, stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Regionalverband Bergisches Land, sagt: „Das trägt sicher zur allgemeinen Erheiterung bei.“ Er könne die positive Bewertung nicht nachvollziehen, zumal der Hauptbahnhof „keine Fortschritte“ mache. Beispiel Unterbarmen: Noch im vergangenen Jahr markierten die VRR-Tester den Bahnhof rot („nicht akzeptabel“), im Bericht für 2017 wurde er auf Gelb („noch akzeptabel“) aufgewertet. „Eine auffällige Verbesserung kann ich nicht feststellen“, sagt Sindram. Barmens Bezirksbürgermeister Hans-Hermann Lücke findet noch deutlichere Worte: „Der Bahnhof ist ein Schandfleck.“ Doch in der Detailbewertung für Unterbarmen zeigt sich: Abzüge gab es lediglich für die auffälligen Graffiti im Bereich Zugang und Bahnsteig. Insgesamt zeigt sich Sindram vom Ergebnis überrascht: „Das passt einem nicht. Die Bahn macht nichts und trotzdem soll alles besser geworden sein.“

Die Benotung wird erst durch einen Blick in den Bewertungsmodus verständlich. Die VRR-Tester achteten bei ihren vier jährlichen Stippvisiten nur auf drei Kriterien: Sauberkeit, Funktionalität und Graffiti, bezogen auf Zugang und Bahnsteig. Ergibt sechs Teilnoten. So überwiegen beispielsweise in Unterbarmen trotz der enormen Graffiti-Verschmutzung die vier anderen guten Ergebnisse.

Aber was bedeutet „Funktion“? In dieser Kategorie gab es vom VRR lediglich eine Abwertung, wenn Ausstattung wie etwa Bahnhofsuhr oder Sitzgelegenheiten als Defekt vorgefunden wurden. „Wir bewerten nur die Funktionalität vor Ort und fragen nicht, was auch noch schön gewesen wäre“, erklärt VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik. Das heißt: Ein defekter Aufzug gibt eine schlechte Note — kein Aufzug bedeutet kein Abzug. So bekamen etwa die Stationen Steinbeck und Langerfeld die Bestnote grün in der Funktionalität, obwohl kein barrierefreier Zugang zu den Gleisen existiert. Dass ein behindertengerechter Zugang nicht in die Bewertung einfließt, kritisiert auch Pro-Bahn-Sprecher Sindram.

Auch andere Faktoren, die Pendler bemängeln, sind beim VRR nicht eingeflossen. So beschwerte sich am Dienstag etwa Frauke Tschouridis am Unterbarmer Bahnhof: „Es ist hier total dunkel und man hat Angst, dass einem das Dach auf den Kopf fällt.“ Doch wie VRR-Sprecherin Tkatzik bestätigte — der bauliche Zustand der Gebäude zählte nur dann, wenn dadurch die Funktionalität eingeschränkt wird. Auch beim Thema Sauberkeit haben die Tester einen anderen Blick als die Pendler. Tschouridis sagt über Unterbarmen: „Es ist unfassbar dreckig hier.“ Judith Guretzke berichtet: „Es stinkt immer nach Urin.“ Im VRR-Bericht erhielt der Bahnhof in der Sauberkeit die Bestnote.