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Vorstand kündigte das Ende des Schaeffler-Standortes Wuppertal an

Standortschließung : Hiobsbotschaft für Schaeffler-Mitarbeiter am Wuppertaler Standort

Alle Arbeitsplätze am Standort Wuppertal sollen abgebaut werden, der komplette Standort wird stillgelegt. Die Beschäftigen bei Schaeffler sind fassungslos.

Die Schaeffler-Konzernleitung hält an ihrer Entscheidung fest, dass der Standort Wuppertal stillgelegt werden soll. Das teilte die IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper am Freitagabend mit. Diese Hiobsbotschaft verkündete Stefan Spindler, Vorstand Industrial, auf einer Betriebsversammlung, die coronabedingt auf dem Werksgelände stattgefunden hatte. Die Beschäftigten machten ihrer Wut und Enttäuschung Luft und reagierten mit Pfiffen und Buhrufen.

„Die Schaeffler-Gruppe ist trotz eines Umsatzrückgangs von zehn Prozent gut durch die Krise gekommen. Das ist vor allem der Verdienst unserer Mitarbeiter, und dafür allen ein herzliches Dankeschön“, zitierte der Betriebsratsvorsitzende Özgür Sönmezcicek den Vorstandsvorsitzenden Klaus Rosenfeld, um hinzuzufügen: „Wenn das Dankeschön so aussieht, dass man dafür auf die Straße gesetzt wird, dann verzichten wir auf ein Dankeschön“.

Zuvor hatte Stefan Spindler ausgeführt, dass es aus Sicht des Vorstandes keine nachhaltige Lösung gebe, den Standort im Sinne des Unternehmens weiter zu führen. Das vom Betriebsrat mit Unterstützung des INFO-Institutes berechnete wirtschaftlich tragfähige Konzept sei „substanzlos“ und könne deshalb „nicht in Betracht“ gezogen werden. Betriebsratsvorsitzender Özgür Sönmezcicek und die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader wiesen diese Aussagen des Vorstands entschieden zurück. Mit dem Alternativkonzept des Betriebsrats wäre in Wuppertal der vom Management eingeforderte Gross Profit II (Rohgewinn) fast erreichbar, so die Gewerkschaft. Auch dieses Konzept würde einen tiefen und schmerzhaften Eingriff bedeuten, doch der Standort hätte damit eine Zukunft. „Dieses vom INFO-Institut berechnete Konzept haben wir in einem dreitägigen Workshop mit Führungskräften des Standortes noch verfeinert. Es ist also realistisch“, sagte Sönmezcicek. Der Arbeitgeber wolle den Wuppertalern einfach keine Chance geben. Das Management stellt die „Rendite“ über die Zukunft von Menschen.

Das Konzept des Betriebsrates sei seriös und nachhaltig, betriebswirtschaftlich tragfähig und biete eine wirkliche Alternative“, erklärte Clarissa Bader von der IG Metall.

Nachgefragt wurde, ob nicht von langer Hand geplant worden sei, den Standort in Frage zu stellen. Stefan Spindler verneinte dies und verwies auf die Investitionen in den letzten Jahren in Wuppertal, was den Betriebsratsvorsitzenden zu der sarkastischen Bemerkung veranlasste: „Man hat in den letzten Jahren am meisten in Werkleiter investiert. Das Werk hat in den letzten 10 Jahren sieben verschiedene Werkleiter gehabt“.

Als Verhöhnung wurden laut IG Metall Spindlers Appelle „doch bitte an die Kunden zu denken und deshalb wie gewohnt weiter zu arbeiten“ aufgefasst. Nach knapp einer Stunde unterbrach der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Uwe Ruberg die Versammlung, sie wird am kommenden Dienstag aufgeteilt in drei Versammlungen verteilt über den ganzen Tag fortgesetzt – auch um über die weitere Vorgehensweise zu beraten. Am Freitag den 12. März wurden die Gespräche mit dem Arbeitgeber weitergeführt aber ergebnislos vertagt. Man kann davon ausgehen, dass es in den kommenden Tagen und Wochen weitere Aktionen zum Erhalt des Standortes geben wird, so die IG Metall.

(ab)