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Langerfeld: Vor 90 Jahren wurden BVen erfunden

Langerfeld : Vor 90 Jahren wurden BVen erfunden

1930 beschloss der Wuppertaler Stadtrat Ortsausschüsse in Vohwinkel, Cronenberg, Ronsdorf und Langerfeld.

In den Unterlagen für die Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Langerfeld-Beyenburg am 10. März fand sich diesmal die Kopie einer historischen Zeitungsseite. Auf ihr wird von einer Sitzung des Rates der neu gegründeten Stadt Wuppertal am 29. April 1930 berichtet. Nachzulesen ist, wie nach einigen Diskussionen die Stadtverordneten für die Bildung von Ortsausschüssen stimmen – den Vorläufern der heutigen Bezirksvertretungen.

Bezirksbürgermeister Eberhard Hasenclever (SPD) erklärt: „Ich dachte, ich mache das Datum mal öffentlich.“ Immerhin sei dieses Ereignis 90 Jahre her. Hasenclever beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit der Geschichte und den Rechten der Bezirksvertretungen.

Eigenleben der eingemeindeten Ortsteile erhalten

Er erklärt, dass die Geschichte der BVen auch mit der Historie Langerfelds zu tun hat. Der Ort wollte vor 100 Jahren Stadt werden, Schwelm wollte ihn behalten, Barmen ihn eingemeinden. „Am Ende hat die Langerfelder Gemeindeversammlung für die Eingemeindung nach Barmen gestimmt“, so Hasenclever. Seit 1922 gehörte Langerfeld daher zu Barmen.

Die Bürger protestierten, sammelten sich im Westfalenbund. Der war eine starke Gruppe im Barmer Stadtrat. Und animierte wohl die Bürger Cronenbergs, Ronsdorfs und Vohwinkels, die gegen den Zusammenschluss mit Elberfeld und Barmen zu Wuppertal 1929 protestierten.

Daher gab es den Vorschlag für die Ortsausschüsse: „Um das kommunale Eigenleben in den jetzt zu Wuppertal gehörenden bisherigen Städten Vohwinkel, Cronenberg und Ronsdorf aufrechtzuerhalten und doch gleichzeitig eine fruchtbringende Verbindung mit der Zentralstelle der Stadtverwaltung herzustellen“, schlug die Verwaltung die Bildung von Ortsausschüssen vor – ist in dem Artikel zu lesen. Die Ausschüsse sollten aus Stadtverordneten und Bürgern aus den Ortsteilen bestehen und vom Rat gewählt werden.

Schon damals stritten die Politiker, ob diese Ausschüsse zu Angelegenheiten, die ihre Ortsteile betreffen, gehört werden können oder müssen. Damals blieb es bei der Kann-Vorschrift. Der Antrag, auch einen Ortsausschuss für Langerfeld zu bilden, hatte Erfolg.

Drei Jahre arbeiteten die Ortsausschüsse, 1933 schafften die Nationalsozialisten sie ab. Aber 1945 ging es direkt weiter. Hasenclever berichtet, dass es 1953 eine erste städtische Satzung dazu gab. Und 1975, nach der großen Gebietsreform, schrieb ein Landesgesetz die Bildung von Bezirksvertretungen, wie die Gremien nun hießen, in kreisfreien Städten vor – bis dahin war das den Kommunen freigestellt.

Damals seien den BVen Rechte gegeben, diese 1994 gestärkt worden, sagt Hasenclever. „Aber die Bezirksvertreter wurden darüber nicht ausreichend aufgeklärt“, beklagt er. Deshalb kämpften sie heute dafür, den Bezirksvertretungen ihren Stellenwert zurückzugeben. Und dafür, dass sie eine unabhängige Beratung zu ihren Rechten bekommen.