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Von August 2020 bis Sommer 2021 steht Schwebebahn an Werktagen still

Wuppertal : Die Radreifen - Stadtwerke legen die Schwebebahn an Werktagen still

Die Pannenserie will nicht enden. Die Jüngste führt nun dazu, dass die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) die Schwebebahn für ein Jahr an Werktagen außer Betrieb nehmen. Und das schon bald.

Die Pannenserie will nicht enden. Die Jüngste führt nun dazu, dass die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) die Schwebebahn für ein Jahr an Werktagen außer Betrieb nehmen. Ab August - nach den Sommerferien - soll das Wahrzeichen und Rückgrat des öffentlichen Personennahverkehrs nach Informationen der Westdeutschen Zeitung in den Depots bleiben und nur an Wochenenden fahren, um neue Radreifen zu testen. Ob an diesen Wochenenden Fahrgäste zugelassen sind, ist nicht bekannt. Die Radreifen machen seit Jahr und Tag Schwierigkeiten. Entweder schleifen sie sich unrund, weil die Bremsen der Wagen zu stark sind, oder sie lösen sich, weil die Bahn nicht die Geschwindigkeiten erreichen kann, für welche die Wagen konstruiert worden sind.

Vom Gerüst war im November 2018 eine Stromschiene abgefallen. Zuletzt wurde ein Riss in einer Fahrschiene entdeckt. Dass bei all den Pannen und Unglücken bisher niemand ernsthaft verletzt worden ist, steht auf der Habenseite der Bilanz. Vielmehr steht dort nicht.

Am Donnerstag hat der Aufsichtsrat deshalb die Notbremse gezogen. Die anscheinend untauglichen Radreifen haben das Gremium dazu bewogen, die Bahn ab August an Werktagen aus dem Verkehr zu ziehen. Der Aufsichtsrat verbindet damit die Hoffnung, dass dem Problem grundsätzlich und endgültig zu Leibe gerückt werden kann. Die Alternative wäre, die Reifen an letztlich allen 31 Wagen regelmäßig auszutauschen. Derzeit sind 29 Wagen vom Hersteller Kiepe ausgeliefert, nur die Hälfte steht wegen der defekten Radreifen zur Verfügung. Für Freitag haben die Stadtwerke eine Pressekonferenz angekündigt. Dort soll es Details zum weiteren Vorgehen geben.

Weiterer Tiefpunkt in der Geschichte der Wuppertaler Schwebebahn

Die neuerliche Pause ist ein weiterer Tiefpunkt in der jüngeren Geschichte des weltberühmten Verkehrsmittels. Vom November 2018 bis August 2019 hatte die Schwebebahn bereits eine lange Zwangspause eingelegt. Damals war das die Folge einer in Höhe der Station Zoo/Stadion abgestürzten Stromschiene.

Seit Beginn der Sanierungsarbeiten im Jahr 1995 ist die Schwebebahn nie mehr über einen nennenswerten Zeitraum störungsfrei gefahren. Dabei hatte der damalige WSW-Vorstandschef Prof. Hermann Zemlin mit der Grundsanierung der Bahn eine neue Ära angekündigt. Schneller, komfortabler, sicherer sollte das Verkehrsmittel nach der zunächst für rund 500 Millionen D-Mark geplanten Sanierung sein. Die Kosten belaufen sich inzwischen auf knapp 650 Millionen Euro, haben sich damit fast verdreifacht. Und das Ende der Fahnenstange scheint noch nicht erreicht zu sein.

Die Sanierung der Bahn und des Gerüstes ist eine Geschichte der Firmenpleiten und der Suche nach Ingenieuren, die ein mehr als 110 Jahre altes, erfolgreiches Verkehrsmitteln neu erfinden können. Die Zahl der Bewerber um diesen weltweit einmaligen Auftrag ist gering gewesen. Letztlich rang sich der Düsseldorfer Waggonbauer Vossloh Kiepe dazu durch, das Wagnis in seinem spanischen Werk in Valencia einzugehen. Nach Lage der Dinge ist das Unternehmen krachend gescheitert. Während die Stadtwerke die Gerüstprobleme mittlerweile in den Griff bekommen zu haben scheinen, funktioniert an den optisch gelungenen Wagen immer wieder etwas anderes nicht richtig. Das Problem mit den Radreifen trat dabei bereits sehr früh auf, beseitigt werden konnte es bisher nicht. Die Konstruktion der austauschbaren Radreifen sollte Kosten sparen. Diese Rechnung geht mit dem verwendeten Material nicht auf. Nun sollen Ingenieure die geplante Pause für den entscheidenden Anlauf aus der Krise nutzen.

Ersatzbusse sollen Dienst der Schwebebahn übernehmen

Nach WZ-Informationen sollen an Werktagen Ersatzbusse den Dienst der Schwebebahn übernehmen. Derzeit fehlen für den Schwebebahn-Ersatzverkehr aber 18 Busse. Die werden für etwa eine Million Euro gekauft. Insgesamt rechnen die Stadtwerke mit zusätzlichen Kosten von fünf Millionen Euro. Um die ersetzt zu bekommen, soll eine Klage gegen den Hersteller der Wagen vorbereitet werden.