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Vom Stadtarchiv auf den Tennisplatz

Vom Stadtarchiv auf den Tennisplatz

Ruhestand: Nach 28 Jahren geht Uwe Eckardt in Rente. Welche großen Herausforderungen auf seinen Nachfolger warten, verrät er im WZ-Gespräch.

Wuppertal. Wäre Uwe Eckardt Fußballer geworden, trüge er bestimmt die Nummer sechs. Denn wie der "Abräumer" auf dem grünen Rasen muss auch der Leiter des Stadtarchivs vor allem eines: für andere laufen. An Anfragen mangelt es im Gebäude an der Friedrich-Engels-Allee nicht: Schulklassen, Studenten, frühere Zwangsarbeiter oder die Verwaltung - immer wieder steigt der 64-Jährige die Stufen ins Archiv hinab, um Akten zu sichten oder alte Zeitungen zu wälzen. Um Fragen zu beantworten, die andere Stellen. Im Juni dieses Jahres schließt Eckardt die Akte Eckardt. Altersgrenze erreicht. Ruhestand.

Der promovierte Historiker und ausgebildete Archivar, der sein Handwerk in Göttingen, Heidelberg und Marburg gelernt hat, geht mit einer Träne im Knopfloch seines brauen Anzugs. "Ich bin wahrscheinlich einer der wenigen Beamten, der gerne ins Büro geht", sagt Eckardt, der das seit seit stolzen 28 Jahren im Wuppertaler Archiv tut. Spricht er über seine tägliche Arbeit, fällt es leicht, das zu glauben. "Stadtgeschichte vermitteln und wichtige Quellen dazu auswerten, das macht mir einfach Spaß", sagt Eckardt.

Ein Höhepunkt - wenngleich nicht unbedingt mit Blick auf die Historie Wuppertals - sei das Geschenk eines Fußball-Trainers ans Stadtarchiv gewesen. "In den 80er Jahren hat er uns Kicker-Hefte aus rund 40 Jahrgängen überlassen. So etwas ist natürlich ein Glücksfall für uns", sagt der bekennende Fußball- und Tennisfan. Von der Übergabe habe es sogar ein Foto im Sportmagazin gegeben, berichtet Eckardt. Ganz nebenbei, aber doch sichtlich stolz.

Trotz seines Abschieds hat Eckardt die Zukunft des Archivs im Blick. Der Umzug von der beengten Etage in der Zentralbibliothek an der Kolpingstraße in die viel größeren Unterbarmer Räume sei 1981 ein Quantensprung. Da aber ständig Dokumente dazu kommen - was in der Natur der Sache liegt -, ist es auch im Haspel-Haus schon wieder richtig eng geworden. Wie groß der Bestand genau ist, weiß übrigens selbst Eckardt nicht. Im Rahmen der Umstellung auf das neue kommunale Finanzmanagement sei einmal der Hinweis der Verwaltung gekommen, man müsse inventarisieren. "Aber da haben wir uns erfolgreich gedrückt", sagt Eckardt verschmitzt.

Weitere Herausforderungen warten mit zunehmender Digitalisierung, etwa durch gescannte Bilder oder den E-Mail-Verkehr der Verwaltung. Der muss, das ist gesetzlich geregelt, auch archiviert werden. "Wie das genau gehen soll, ist zum Glück nicht mehr meine Sorge", freut sich Eckardt, dessen Nachfolge noch offen ist (siehe Kasten). Und wie geht’s für ihn persönlich weiter? "Ich bleibe auf jeden Fall in Wuppertal wohnen. Obwohl mit der Heimat-Dialekt schon fehlt", sagt der gebürtige Ludwigshafener. Ab Juni hat er dann wieder mehr Zeit, einem seiner liebsten Hobbys zu frönen: Tennis. "Da lasse ich gerne mal die anderen laufen." In der Tennis-Sprache heißt das: "Vorteil Eckardt".