Vom Müllhaufen ins Kunst-Atelier - Wuppertaler heben Schätze

Kunstprojekt : Vom Müllhaufen ins Kunst-Atelier - Wuppertaler heben Schätze

Marc Strunz-Michels und Christian Heier haben über 20 Jahre Werke vor der Zerstörung gerettet. Jetzt zeigten sie die Ausbeute.

Frei nach dem Motto „100 Jahre Kunstgeschichte vom Müll“ initiierten Christian Heuer und Marc Strunz-Michels in den Ateliers an der Buchenstraße/Ecke Rosenstraße die  Fortsetzung einer weiteren Ausstellung von zusammengetragenen Kunstwerken, Exzentrischem, Gewöhnlichem und vor allem Kunstvollem. „In 20 Jahren ist da einiges zusammengekommen, wie beispielsweise dieses riesige Gips-Relief“, deutet Strunz-Michels auf die Skulptur von Bergisch-Turingia. Wobei im Hintergrund bei manch einem Besucher die Frage gelauert haben dürfte, ob das denn überhaupt mit Kunst zu tun hat oder einfach nur weg, respektive raus kann und soll. „Wir haben aus vielen Richtungen zum Teil hochwertige Kunstwerke gespendet bekommen, die vom Müll gerettet wurden oder erst gar nicht auf der Straße gelandet sind“, erzählt Christian Heuer. „Es muss noch mehr Leute geben, die die gleiche Intention haben wie wir.“

Bereits bei der diesjährigen Woga hatten die beiden Protagonisten ein nach eigener Bekundung gut besuchtes, unterhaltsames und vergnügliches Wochenende mit ihrer Ausstellung erlebt. „Wir kennen uns eine Weile und hatten die Idee schon früher, haben aber erst vier Wochen vor der Woga die Ausstellung auf rund 400 Quadratmetern Fläche in eine Form gebracht“, berichtet Heuer. Viele der für die Ausstellung gespendeten Werke wurden beispielsweise aus dem Bekanntenkreis der Beiden zur Verfügung gestellt.

Der Querschnitt von Ästhetik sei ein interessanter Faktor, etwa alte Abbildungen von Stilleben oder röhrenden Hirschen. Zu bedenken sei ebenso, dass diese Kunstwerke überlebt und irgendwann ja auch jemandem gefallen haben müssen, aber irgendwann aus ästhetischen oder sonstigen Gründen doch auf dem Müll gelandet sind. Und  die Resonanz mit mehr als 200 Besuchern am Woga-Wochenende, die laut der beiden einige kuriose Geschichten parat hielten, haben Heuer und Strunz-Michels schließlich auch mit ihrer Idee Recht gegeben. So entdeckt der  interessierte Besucher beispielsweise einen Linolschnitt von Picasso oder das Bild  des belgischen Surrealisten Marcel Delmotte, der wohl in Barmen in den 1960er Jahren eine Ausstellung hatte.

Arbeiten von bekannten und unbekannten Künstlern in Öl, Street-Art, Portraitzeichnungen, ältere Grafiken und Fotografien sowie Scherenschnitte oder auch Kinderzeichnungen scheinen bei dem ein oder anderen Sammler auch am vergangenen Samstag Interesse geweckt zu haben, nicht zuletzt, weil sie in diesem Ambiente und Ensemble schon wieder eine besondere Wirkung erzielen.

Die Kunstwerke, die an diesem Tag das alte Industriegebäüde nicht verlassen haben, wollen die beiden behalten. „Zum einen, weil sich einige kunstinteressierte Sammler bei uns gemeldet haben. Am 2. Februar machen wir noch einmal eine Aktion, wozu alle herzlich eingeladen sind“, haben die beiden Aussteller bereits die nächsten 100 Jahre Kunstgeschichte im Blick.

Wer Lust zum Stöbern nach verborgenen Schätzen hat, kann unter www.naerrisch.de danach suchen oder kurzfristig telefonisch einen Termin vereinbaren: Tel. 0163/172 62 60.

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