Vollplaybacktheater meldet sich mit „Die drei ???“ zurück

Vollplaybacktheater meldet sich mit „Die drei ???“ zurück

Nach der Insolvenz des Veranstalters startet das Ensemble neu: Ab heute gibt’s Karten für die Tour.

Wuppertal. Aufgeben? „Das war nie ein Thema“, sagen Dokter Thomas und Supaknut. Das Vollplaybacktheater sterben zu lassen, war nie eine Option. Eine Postkartenaktion hatte es angedeutet, jetzt steht es endgültig fest: Das Ensemble geht auf bundesweite „Eine Seefahrt, die ist lustig-Tour“. Am Dienstag startet der Vorverkauf zu „Die drei ??? und der Phantomsee“ — nach dem bekannten Hörspiel, aber wie gewohnt in einer schrägen Fassung des VPT. Justus Jonas trifft Vince Vega, Gollum sucht seinen Schatz und ein Colt für alle Fälle darf auch nicht fehlen. Alles nach dem Motto: „Kassetten hören, kann jeder. Kassetten gucken, kann man beim Vollplaybacktheater“.

Am liebsten würden Dokter Thomas und Supaknut — im bürgerlichen Leben Thomas Hartung und Knut Heimann — auch nur über den Neustart reden. „Wir schauen ja nach vorn.“ Geht aber nicht. Kurz müssen die beiden ein wenig zurückblicken, auch wenn es merklich weh tut. Die finanziellen Schwierigkeiten der ehemaligen Veranstalterfirma, die im letzten Winter zum Aus der eigentlich blendend angelaufenen Pulp-Fiction-Tour führte (siehe Infokasten), hat Spuren hinterlassen. Ein Ergebnis: „Wir machen jetzt alles selbst“, sagt Dokter Thomas. Sprich, die Organisation der Come-Come-Back-Back-Tour läuft in Eigenregie. Das Buchen der Hallen zum Beispiel übernimmt mit Kirsten Baumeister eine Weggefährtin, die seit dem Start des VPT 1997 dabei ist. „Wir wollen einfach auf der sicheren Seite sein“, betont Supaknut.

Die Fans, von denen viele auf den Kosten für ihre Karten sitzen geblieben waren, hielten dem Ensemble die Treue: Drei Benefiztermine waren blitzschnell ausverkauft. „Das klingt zwar abgedroschen, aber der Zuspruch war überwältigend“, sagt Dokter Thomas, der einräumt, dass das VPT die Einnahmen aus der neuen Tour auch braucht, um einige Schulden, die aufgelaufen sind, auszugleichen.

Man habe sich bewusst mit Details zum neuen Programm zurückgehalten. „Wir wollten nicht irgendwas verlautbaren, was dann nicht eintritt“, sagt Supaknut. Schließlich sei man ein gebranntes Kind. Doch jetzt sei alles in trockenen Tüchern, und die beiden grinsen beim Gedanken an die letzte Probe wie kleine Jungs. „Das macht einfach Bock“, sagt Dokter Thomas. Es gebe keinen Regisseur, jeder bringt seine Vorschläge ein und die Regel sei einfach: „Wenn 60 Prozent des Ensembles sich kaputt lachen, dann ist das Ding gekauft.“

Wie das Stück entsteht? „Wir hören uns erstmal alle zusammen ganz genau das Original-Hörspiel an. Das dauert ja nur 45 Minuten, unser Auftritt dauert aber 1:45 Stunden“, erzählt Dokter Thomas. Also bleibt viel Platz für schräge Einfälle. „Wenn zum Beispiel einer im Original sagt ,Da kommt jemand’, machen wir was draus.“ Fans dürfen sich also wieder auf jede Menge Gastauftritte freuen. Zuviel wollen Supaknut und Dokter Thomas, wie der Großteil des Ensembles „Elberfelder Jungs“, zwar nicht verraten, doch dass Marty McFly dabei ist, lassen sie dann doch durchsickern. Eine Hommage an den 1989er Kult-Film „Zurück in die Zukunft II“, in dem der Protagonist eben ins Jahr 2015 reist.

Überhaupt wolle das Ensemble in Zukunft noch mehr zum Thema Film machen, erklärt Dokter Thomas, und fügt lachend an: „Wir stehen auch mit 70 noch auf der Bühne.“ Wichtig sei jetzt aber erstmal zu zeigen, „dass wir wieder da sind — und das wir wieder ordentlich auf die Kacke hauen.“

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