Offen gesagt: Volle Kraft nach vorn

Offen gesagt: Volle Kraft nach vorn

Wuppertal. Die Zahlen sprechen für sich. Annähernd 200 000 Fahrzeuge teilen sich Wuppertals Straßen. Dass dabei die Autos mit dem Kennzeichen W weniger geworden sind, ist kein Hinweis auf den Alltag.

Die Zahl der Fahrzeuge insgesamt ist gestiegen. Denn beispielsweise Studenten kommen nicht mit dem Fahrrad zur Uni, Pendler aus dem Umland nutzen nicht unbedingt Bus und Bahn. Also wird es eng auf den obendrein noch arg ramponierten Straßen der Stadt. Wer in dicht besiedelten Wohngebieten lebt, kennt außerdem den Kampf um Parkplätze. Das ist kein Grund, das Autofahren zu verteufeln. Aber es gibt Anlass zu der Frage, ob die Verkehrskonzepte noch stimmten oder ob es nicht bessere Regeln für das Miteinander von öffentlichem Personennah- und Individualverkehr gibt. Ansätze sind vorhanden. Wuppertal ist wirklich auf einem guten Weg, sogar fahrradtauglich zu werden. Aber vom großen Wurf ist die Stadt noch weit entfernt, was auch daran liegt, dass niemand die große Aufgabe so recht in die Hand zu nehmen scheint.

Das ist kein Einzelfall. Wenn es stimmt, dass der Anteil von Strom aus Solarenergie in Wuppertal lediglich 1,5 Prozent beträgt, wie der Vizepräsident der Industrie-und Handelskammer (IHK) Jörg Heynkes sagt, dann ist auch das nichts, womit Wuppertal zufrieden sein darf. Schließlich beheimatet die Stadt das weltberühmte Institut für Klima, Umwelt und Energie. In dem schönen Gebäude am Döppersberg beschäftigen sich die brillantesten Köpfe mit Zukunftsfragen. Aber vor ihrer eigenen Haustür finden sie noch zu wenig, das auf Antworten hindeutet.

Zwar gibt es hier und dort Enthusiasten und Vorreiter, die beispielsweise am Arrenberg, aber auch auf den Südhöhen Strom aus der Sonne erzeugen, aber gemeinhin scheint noch zu gelten, dass derlei Technik in einer Stadt, in der die Kinder mit Regenschirm zur Welt kommen, keine Zukunft hat.

Beides ist falsch. In Wuppertal kommt kein Kind mit Regenschirm zur Welt, und Solarenergie hat Zukunft. Sie muss Zukunft haben, weil Energie aus fossilen Brennstoffen in absehbarer Zeit Geschichte ist.

Aus diesem Grund finden Sie heute in Ihrer WZ „grün - nachhaltig leben“. Mit dieser Veröffentlichung wollen wir zeigen, was schon möglich ist, um sich im Einklang mit Umwelt und Klima zu ernähren, zu kleiden, zu wohnen, zu wirtschaften und zu investieren, selbstverständlich auch in Wuppertal. Autos kommen auch darin vor, weil die Konzerne auf dem Weg sind, aus dem absehbaren Versiegen der Ölquellen die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

Stadtwerke und WZ laden für heute ab 12.30 Uhr in die City-Arkaden ein. Dort geht es um die Sonne sowie um die Frage, wie sich mit ihr Geld verdienen und, was mindestens genauso wichtig ist, das Klima retten lässt. Weiter so wie bisher, geht nicht. Die Zahl der Autos mit Verbrennungsmotoren ist zu hoch, der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch in Wuppertal ist viel zu niedrig. An den Autos muss die Industrie noch ein bisschen arbeiten. Das mit dem Strom lässt sich schneller ändern, fast sofort.

Wenn Wuppertal auch in 20 Jahren noch so lebenswert sein soll, wie es heute ist, dann müssen wir Wuppertaler jetzt anfangen, etwas dafür zu tun. Machen Sie mit. Es lohnt sich.

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