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Vohwinkeler wollen künftig Produkte nicht nur kaufen, sondern tauschen

Handel : Vohwinkeler wollen künftig Produkte nicht nur kaufen, sondern tauschen

An der Gräfrather Straße eröffnet „Konsumtausch“ – die Nachhaltigkeit steht dort im Mittelpunkt.

Was der eine nicht mehr braucht, ist beim anderen vielleicht heiß begehrt – und umgekehrt. Das Prinzip der Tauschbörsen sorgt dafür, dass gut erhaltene Gegenstände ohne Geld den Besitzer wechseln und anderen Menschen Freude bereiten, statt einfach im Müll zu landen. Jetzt gibt es in Vohwinkel eine feste Anlaufstelle für den immer beliebter werdenden Trend. Bettina Reils und Rainer Hillesheim haben an der Gräfrather Straße 33 ihren neuen Laden „Konsumtausch – nimm & bring“ eröffnet. Hier wird statt mit klingender Münze mit Waren „bezahlt“.

„Bei uns geht es im Kern um Nachhaltigkeit und Ökologie“, betont Mitgründerin Bettina Reils. Das kleine Geschäft will ganz bewusst andere Wege gehen als andere Einrichtungen, die ihre Waren umsonst abgeben und sich vorwiegend an Bedürftige richten. „Bei uns sind Menschen aus allen Einkommensklassen willkommen“, erklärt Reils. Dadurch soll eine Stigmatisierung der Kunden vermieden werden. „Wer etwas sucht, kann im ersten Schritt zu uns kommen und schauen, ob er oder sie hier fündig wird“, sagt Rainer Hillesheim. Gleichzeitig könnten sich die Besucher überlegen, welche nicht mehr benötigten Dinge aus ihrem Besitz für andere nützlich seien. Damit wollen die ehrenamtlich arbeitenden Ladeninhaber ein Zeichen gegen Überproduktion und Wegwerfgesellschaft setzen.

Für die Umsetzung des auf Fairness beruhenden Prinzips seien allerdings ein paar Regeln nötig. So könnten etwa keine kompletten Haushaltsauflösungen bewältigt werden. „Die Leute sollen nur mit den Dingen zu uns kommen, die sie mit zwei Händen tragen können“, erläutert Bettina Reils. Sie verweist auf die begrenzten Lagerkapazitäten im Geschäft. „Daher suchen wir die Sachen aus, von denen wir glauben, dass sie Abnehmer finden“, so Reils. Den Rest müssten die Kunden wieder mitnehmen. Das soll für Qualität im Warenbestand sorgen. Umgekehrt werde nicht akzeptiert, wenn Besucher sich ohne Gegenleistung mit den besten Stücken die Tüten vollpacken. „Wir werden auf ein angemessenes Verhältnis zwischen Geben und Nehmen und einen respektvollen Umgang achten“, betont die Ladenbesitzerin.

Der Verein betrachtet
seine Arbeit als Experiment

Die Erfahrungen seit der Eröffnung Anfang August seien positiv gewesen. „Wir hatten eine Mutter hier, deren Kind ganz versessen auf ein Spielzeugauto in unserem Schaufenster war“, berichtet Bettina Reils. Im Gegenzug seien ein Hochstuhl und eine Babybadewanne getauscht worden. „Das ist der ideale Ablauf“, sagt Rainer Hillesheim. Derzeit warten im Geschäft unter anderem Kleidung, Geschirr, Lampen, Schuhe und Spielzeug auf Abnehmer. Auf einer Pinnwand können außerdem gesuchte Dinge eingetragen werden.

Parallel zur Geschäftseröffnung wurde ein gleichnamiger Verein gegründet. Dafür werden noch Mitglieder gesucht. „Wir sind noch ganz am Anfang und würden uns freuen, wenn wir für unsere Arbeit Unterstützung finden würden“, sagt Bettina Reils. Außerdem seien Spenden willkommen, um die Miete des Ladenlokals zu finanzieren. Diese wird derzeit privat vom Verein getragen. „Das ist ein ehrenamtliches Projekt, an dem wir nichts verdienen“, stellt Reils klar. Langfristig sollen durch den Verein neben Waren auch Dienstleistungen getauscht werden. „Dabei hilft uns unsere lokale Ausrichtung auf den Stadtteil“, erklärt Rainer Hillesheim. Das sorge beim Blumengießen, Rasenmähen oder Einkaufen für kurze Wege. Grundsätzlich gehe es um eine unbürokratische und nachbarschaftliche Hilfe. Der Verein betrachtet seine Arbeit als Experiment. „Wir sind gespannt auf die Resonanz“, sagt Reils.