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„Vogelfrau“ in Wuppertal-Ronsdorf streut Nachbarn Futter auf Balkon

Ärgernis : „Vogelfrau“ streut Nachbarn das Futter direkt auf den Balkon

Die Auseinandersetzung mit der Stadt ist beendet - die Anwohner an der Lassalle-Straße leiden weiter. Bei der Hausverwaltung gibt es ein „laufendes Verfahren“.

„Jeden Tag muss ich meinen Balkon fünfmal reinigen“, schimpft Rosemarie Borkes aus der Ferdinand-Lasalle-Straße in Ronsdorf. Schuld daran sei die Nachbarin N., die schon seit längerer Zeit in der Umgebung Unmengen von Vogelfutter verteilt. Neuerdings vorzugsweise oben von ihrem Balkon hinter das Haus, wo dann nicht alles auf der Freifläche und dem in unmittelbarer Nähe wuchernden Gebüsch landet, sondern auch auf den Balkonen der anderen Hausbewohner. Nutznießer dieser ausartenden Tierliebe sind jedoch weniger die heimische Vogelwelt als die Ratten, die zu einer wahren Plage geworden waren. Vornehmlich, weil die früheren Streuaktionen unterhalb der gegenüber liegenden Kindertagesstätte stattfanden, und die rund 100 Kita-Kinder wegen der drohenden Übertragung von Krankheiten nicht mehr draußen spielen durften. Und auch die 290 Schülerinnen und Schüler der dortigen Grundschule konnten nicht mehr auf den Pausenhof gehen.

Dann kam die Corona-Krise, mit den Schließungen von Kita und Schule. „Dadurch konnte die Stadt mit massiveren Mitteln gegen die Rattenplage vorgehen“, so Bezirksbürgermeister Harald Scheuermann-Giskes. Und weil die Kita durch einen dichten Zaun weitläufig abgesperrt ist, und das Vogelfutter regelmäßig entsorgt wird, hat das Streuen an dieser Stelle nachgelassen. „Da hatte Corona auch mal etwas Gutes“, sagt Scheuermann –Giskes.

Gerichtsverhandlung stellte Schuldfähigkeit der Frau fest

Nachgelassen, aber nicht aufgehört, denn nun liegt das Vogelfutter nicht nur um das von ihr bewohnte Haus herum, sondern fällt vom Balkon auf der Rückseite des Hauses herunter, zur Freude der gefräßigen und vermehrungsfreudigen Allesfresser.

Versuche, die „Vogelfreundin“ von ihrem sinnfreien, aber gefährlichen Tun abzubringen, sind bisher kläglich gescheitert. Und die Mittfünfzigerin, genannt die „Vogelfrau“, stand am 16. März lediglich vor Gericht, weil sie die protestierenden Anwohner massiv beleidigt und körperlich angegangen haben soll. Bis zur Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens, bei dem die Schuldfähigkeit der Dame festgestellt werden soll, wurde die Verhandlung allerdings vertagt, und Vogelfutter und Früchte nähren die Ratten weiterhin. „Heute Morgen hat sie auch schon wieder gestreut“, sagt Nachbarin Barbara Stielenbach, die am Himmelfahrtstag beobachtete, wie Futter vor dem Haus verteilt wurde.

„Ich weiß, dass die Vonovia als Hausverwaltungsgesellschaft ein Auge auf Frau N. hat“, berichtet Harald Scheuermann-Giskes. Die Vonovia verweist nach unserer Anfrage auf ein „laufendes Verfahren“, zu dem sie keine Stellung beziehen könne.

Seitens der Stadt gibt es derzeit keinen Grund, in Aktion zu treten, wie Stadtsprecherin Kathrin Petersen erklärt: „Die auf städtischem Grund gelegene Kita und das Schulgelände sind während der Corona bedingten Pause rattenfrei gemacht und wieder geöffnet, sodass - was die Belange der Stadt angeht - derzeit Ruhe herrscht.“