Vivi Vassilevas Spiel reißt das Publikum von den Stühlen

Vivi Vassilevas Spiel reißt das Publikum von den Stühlen

Die Solistin begeisterte beim sechsten Sinfoniekonzert in der Stadthalle. Auch die Sinfoniker spielen erstklassig auf.

Dreh- und Angelpunkt des sechsten städtischen Sinfoniekonzerts dürfte wohl Olivier Messiaen gewesen sein. Denn beschäftigt man sich mit seinen Vorlieben, wird einsichtig, warum er, Wolfgang Amadeus Mozart und Avner Dorman in Zusammenhang zu bringen sein könnten. Klar, „Un Sourire“ (ein Lächeln) des französischen Komponisten ist eine Liebeserklärung an Mozart. Diesem Stück die Jupiter-Sinfonie des großen Tonschöpfers der Wiener Klassik zur Seite zu stellen, ist also einleuchtend. Messiaen schätzte aber auch in der Musik die rhythmische Vielfalt sehr. Deswegen mochte er auch Mozart mehr als etwa Johann Sebastian Bach. Also sprach nichts dagegen, im Großen Saal der Stadthalle das 2007 aus der Taufe gehobene Schlagzeugkonzert „Frozen in Time“ des israelischen Komponisten aufzuführen. Damit wurde das neue Programmkonzept von Generalmusikdirektorin Julia Jones, alte und neue, bekannte und unbekannte Werke in einen Kontext zu setzen, würdig fortgesetzt.

Messiaens Stück kommt ohne tiefe Orchesterinstrumente aus: kein Kontrabass, keine Posaune, keine Tuba. Dadurch nimmt die Musik einen schwerelosen Charakter ein. Durch diese Orchesteraufhellung kommen automatisch himmlische Züge mit ins Spiel. Unter dem präzisen Dirigat von Jones gelang es den Sinfonikern ausgezeichnet, den Kontrast von einer einfachen, ruhigen Geigenmelodie und dem Gesang exotischer Vögel — ausgedrückt durch Xylophon, Holzbläser und Hörner — klar darzustellen. Bei dem imitierten Vogelgesang handelt es sich übrigens um den des südafrikanischen Weißbrauenrötels, einer Sperlingsart.

Auch Mozarts letzte Sinfonie in C-Dur (KV 551), die populäre mit der Schlussfuge, gelang dem Sinfonieorchester Wuppertal unter der zuverlässigen Stabführung von Jones ausgezeichnet. Wäre die Aufführung noch ein wenig emotionsvoller gewesen, hätte diese Ausdrucksweise dem Werk mit dem erst später hinzugefügten Beinamen „Jupiter“ sicher nicht geschadet.

Zentraler Programmpunkt war Dormans dreisätziges Opus für Schlagzeug und Orchester mit Vivi Vassileva als Solistin. Erstklassig vom Orchester begleitet, stand sie in einem sehr luftigen Dress inmitten ihres großen Schlagzeugapparats und faszinierte mit einem in allen Belangen variablen Spiel. Traumhaft schön gestaltete sie den ruhigen Mittelteil, während sie bei den fetzigen Ecksätzen mit ihren Stöcken und Klöppeln wieselflink und akrobatisch umging. Dieser Auftritt riss das zahlreich erschienene Publikum von den Stühlen. Es erklatschte sich zwei Zugaben.

Das Konzert wird am Montag, 19. Februar, um 20 Uhr wiederholt. Eine Stunde vorher gibt es eine Konzerteinführung mit der Konzertdesignerin Ilka Seifert.

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