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Vier Menschen, die sich etwas vorspielen

Vier Menschen, die sich etwas vorspielen

Premiere: Wuppertaler Schauspiel führt „Die Glasmenagerie“ von Tennessee Williams auf.

Ihre Glanzzeit hatte sie in den 40er Jahren, als sie uraufgeführt wurde und ihrem Autor, Tennessee Williams, zum Durchbruch mit unzähligen Aufführungen am Broadway verhalf. Doch „Die (angestaubte) Glasmenagerie“ ist ein Klassiker mit vielen autobiografischen Zügen, der nur scheinbar an eine Zeit gebunden ist, vielmehr gerade jetzt sehr aktuell sein kann. Und der wieder zunehmend auf den Bühnen der Welt gespielt wird. So auch im Theater am Engelsgarten, wo das Stück am 16. Juni Premiere hat. Am Mittwoch gab das Team um Schauspiel-Intendant Thomas Braus Einblicke in seine Inszenierung mit dem programmatischen Untertitel „Ein Spiel der Erinnerungen“.

Es ist die vorletzte Premiere der Spielzeit. Eine Spielzeit, die sich auf das Spiel besinnen wollte. „Die Glasmenagerie“ passt wunderbar dazu, denn „alle vier Charaktere bemühen sich, sich selbst etwas vorzuspielen“, so Braus. In Martin Kindervater fand er den passenden Regisseur, der diesen gar nicht mehr historischen Kern des Stücks herausschälte, „den Dekor samt umfangreichen Regieanweisungen des Autors wegdachte“, so dass eine Erzählung entstand mit Anknüpfungspunkten an die Menschen im Hier und Jetzt.

Erzählt wird die Geschichte der in wirtschaftlicher Not zusammengeschweißten Familie Wingfield, die ihre Heimat und ihren gesellschaftlichen Status verlor und vom Vater verlassen wurde. Mit Mutter Amanda, die von den früheren Zeiten schwärmt und ihre beiden erwachsenen Kinder „als Projektionsfläche für ihre eigenen Wünsche benutzt“, erzählt Kindervater. Die lebensunfähige Tochter Laura flüchtet sich ins Spiel mit ihrer zerbrechlichen Glasmenagerie, Symbol für unerfüllbare Utopien. Sohn Tom muss die Familie mit einem Knochenjob ernähren, sucht Abend für Abend Zuflucht in der künstlichen Welt des Kinos — die Wuppertaler Inszenierung baut viele Filmzitate ein. Arbeitskollege Jim wird zum Hoffnungsträger, der am Ende enttäuscht. Außerdem ist Körperlichkeit als Ausdrucksmittel wichtig. Nicht nur, wenn die nach einem schweren Unfall in der Beweglichkeit beeinträchtigte Julia Wolff als Mutter Amanda von Tochter Laura (Lena Vogt) verlangt, sich nicht so anzustellen.

Zentrales Element des Bühnenbilds (Anne Manss) ist ein prall gefüllter Überseecontainer, der „alle Erinnerungen, Protagonisten, Utopien enthält. Der geöffnet wird und sich nicht mehr schließen lässt“, so Kindervater: „Er bindet in die Vergangenheit und ins Heute, steht zudem für das Entwurzeltsein.“ Dramaturg Peter Wallgram ergänzt: „Es ist ein Konglomerat aus kollektiven Erinnerungsstücken, jeder kann bei Filmzitaten und Inventar, den Konflikten der Menschen andocken.“

“ „Die Glasmenagerie — Ein Spiel der Erinnerungen“ hat am 16. Juni, 19.30 Uhr, im Theater am Engelsgarten Premiere. Weitere Termine: 17.6., 21.6., 30.6., 6.7., 7.7., jeweils 19.30 Uhr. Infos/Karten:

schauspiel-wuppertal.de