Verunglückter Junge: Anklage gegen Automaten-Aufsteller

Verunglückter Junge: Anklage gegen Automaten-Aufsteller

Im Oktober 2008 kippte in der Sporthalle Hesselnberg ein Automat auf einen Jungen. Der Aufsteller-Firma wird jetzt fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Wuppertal. Zweieinhalb Jahre, nachdem in der Sporthalle Hesselnberg ein eineinhalb Jahre alter Junge von einem umfallenden Süßigkeiten-Automaten erschlagen worden ist, hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Der Vorwurf der fahrlässigen Tötung richtet sich gegen einen früheren Betreiber (73) und den heutigen Inhaber (37) der Firma, die den Automaten aufgestellt hatte. Über die Zulassung der Anklage hat das Amtsgericht noch nicht entschieden.

Wie berichtet, hatte die Staatsanwaltschaft zweimal die Ermittlungen ohne Anklage-Erhebung eingestellt. Es sei nicht zu klären, wer strafrechtlich die Verantwortung dafür trägt, dass am 25. Oktober 2008 im Vorraum der Halle ein 150 Kilo schwerer Süßigkeiten-Automat auf den Jungen fiel. Das Kind erlag seinen Kopfverletzungen.

Zwei Mal beschwerten sich die Eltern des toten Kindes bei der Generalstaatsanwaltschaft (die WZ berichtet) gegen die Einstellung des Verfahrens. Das Ergebnis ist die Anklage-Erhebung. Laut der hätten die beiden Männer erkennen müssen, dass der Automat nicht mehr standsicher war und hätten reagieren müssen. Weil das nicht geschah, seien sie ihrer Verkehrssicherungspflicht nicht nachgekommen.

Rechtlich ein umstrittener Fall. Wie berichtet, hatte während des Ermittlungsverfahrens ein Sachverständiger zwar unzweifelhaft festgestellt, dass der Automat nicht vorschriftsgemäß aufgestellt und befestigt gewesen war. Das Gerät sei aus der Verankerung gerissen, dann auf seinen alten Platz geschoben worden. Somit sei jedoch nicht zu erkennen gewesen, dass die Halterung im Boden fehlte. Wann und von wem das Gerät verschoben wurde, ließ sich trotz zweimaliger und erweiterter Zeugenbefragung nicht klären.

Laut Staatsanwaltschaft wurde die Aufsteller-Firma nie über den gefährlichen Wackel-Automaten informiert. Eine vertraglich festgelegte Pflicht, das Gerät zu kontrollieren, habe es ebenfalls nicht gegeben.

Mehr von Westdeutsche Zeitung