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Verstopfter Kanal an der Schlossbleiche: Schadenersatz für Anlieger

Elberfeld : Schlossbleiche: Versicherung hat gezahlt

Die Anlieger haben Geld erhalten. Die Stadtwerke noch nicht.

Rund dreieinhalb Jahre liegen zwischen dem mit Beton verstopften Kanal in der Schlossbleiche und dem Schadenersatz. Zumindest die Geschäftstreibenden, die an der Schlossbleiche ihre Ladenlokale haben, haben jetzt Geld von Versicherungen bekommen. Sie haben einen Vergleich geschlossen.

Damit ist für sie das Thema abgehakt. „Wir hatten gar nicht damit gerechnet, überhaupt so schnell etwas zu bekommen“, sagt die Geschäftsführerin des Tui Reisecenters, Ulla Wehrheim-Schmeetz. „Ich dachte, das zieht sich jahrelang.“ Über die Summe will sie nicht reden. „Die Summe deckt nicht den Schaden, aber es ist ok“, sagt sie.

Auch Mathias Mayer vom Drachenladen Aufwind, hat jetzt Geld bekommen. „Wir haben alle dem Vergleich zugestimmt, um die Sache zu beenden“, sagt er. Um nicht vor Gericht ziehen zu müssen.

Anwalt Ralf Engel sagt, es habe für fünf Mandanten insgesamt 35 000 Euro gegeben. Gezahlt hätten drei Versicherungen der Firma, die aus einem WSW-Gutachten als möglicher Verursacher hervorgegangen war. „Die Firma war meine Gegnerin und deren Versicherungen haben jetzt gezahlt.“ Engel ist zufrieden. Gerade weil ein möglicher Prozess mit Risiken behaftet gewesen wäre. „Es ist sehr kompliziert einem Gericht zu begründen, warum eine Baustelle ursächlich zu einem bestimmten Gewinneinbruch geführt hat.“ Der Vergleich sei schnell zustande gekommen.

Die Sache an sich hat sich auch so lange genug hingezogen. Ostern 2017 ist beim Bau des Hotels an der Ecke Wall / Schlossbleiche ein Fehler passiert. 7,5 Kubikmeter Beton waren in einen Mischwasserkanal geflossen und haben ihn verstopft. Die Keller der Schlossbleiche liefen teilweise voll. Was dahinter steckte, wurde im Oktober 2017 öffentlich. Die Straße wurde für lange Zeit zur Baustelle.

Die Stadtwerke mussten einen Ersatzkanal legen, aufwendige Bohrungen vornehmen. Im April 2018 gab es den Verdacht, dass es eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden gibt - die sich als Stein mit Quartzanteil herausstellte. Metallische Reste in der Bohrschlacke hatten zu dem Verdacht geführt, dass man auf eine Fliegerbombe gestoßen war. Die Arbeiten verzögerten sich. Erst im vergangenen Jahr hat die Straße einen neuen Belag bekommen.

Seit 2018 vertritt Ralf Engel die Anlieger als Anwalt. Die genauen Forderungen an die Versicherer der Projektentwickler und zwei Baufirmen wurden Ende 2019 formuliert. Auch von den Wuppertaler Stadtwerken. Die WSW können derweil noch nicht von einer Einigung berichten. Auch bei der Pressestelle des Projektentwicklers 6b47 heißt es, es gebe noch keine Einigung. Dort ist auch die Zahlung an die Anlieger der Straße nicht bekannt.

Für die Händler geht es unterdessen weiter mit den Baustellen. Die Arbeiten am Köbo-Haus haben begonnen. Aktuell wird das Gerüst am Haus und darunter gebaut. Das Haus wird bereits entkernt. Der Baustellenlärm dringt herüber, ebenso der Staub. Aber Ulla Wehrheim-Schmeetz und Mathias Mayer sagen, es sei bisher nicht so schlimm. Und die Straße bleibe ja begehbar. Der Baustellenverkehr läuft größtenteils über den Weg auf der anderen Seite der Wupper. Das soll auch so bleiben.

Eigentlich sollte das Köbo-Haus schon 2019 fertig und neu bezogen sein - unter anderem von der Sparkasse. Aber Probleme mit der Statik haben alles verzögert. Jetzt soll es Mitte 2021 fertig werden.

Corona: Drachenhändler
spürt leichten Aufwind

Unterdessen müssen sich die Anlieger auch mit Corona befassen: Das Reisecenter sei durchgehend geöffnet. „So haben auch Neukunden uns während der Corona-Zeit entdeckt“, sagt Wehrheim-Schmeetz. Dass die Kundenfrequenz aber wie vor der Baustelle sei, könne sie nicht sagen. Auch Mayer habe einen leichten Aufwind erlebt. Viele die an die Ost- oder Nordsee gefahren seien, hätten vorher dran gedacht, einen Drachen zu kaufen und einzupacken. „Ich bin so etwas wie ein Krisengewinner“, sagt Mayer mit einem Lachen.