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Verkehrsplaner will Wuppertal als „Stadt für morgen“ aufstellen

Verkehrswende : Verkehrsplaner will Wuppertal als „Stadt für morgen“ aufstellen

Torben Priggert hat ihn seiner Masterarbeit Vorschläge für die Verkehrswende gemacht – für die ganze Stadt und den Dönberg im Speziellen.

Privates und bürgerschaftliches Engagement für die Verkehrswende findet man in Wuppertal an einigen Orten – zumeist vernetzt in lokalen Initiativen. Der wissenschaftlich-analytische Blick aufs große Ganze und nach vorn ist dagegen eher die Ausnahme: Torben Priggert hat ihn gewagt und im Rahmen seiner in diesem Frühjahr vorgelegten Masterarbeit an der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund gezeigt, wie intelligenter und nachhaltiger Verkehr im Jahr 2040 aussehen sollte. Dabei stellt der 26-jährige Uni-Absolvent Wuppertal als „Stadt für Morgen“ vor.

Dabei nimmt Priggert zwei Untersuchungsfelder in den Fokus: Wuppertal als Ganzes sowie den Dönberg als Quartier mit Außenlage und derzeit noch hoher PKW-Affinität unter den Einwohnern. Die Arbeit soll aufzeigen, wie der Weg zur Mobilitätswende gelingen kann. Priggert ist am Dönberg aufgewachsen. Dass er den Verkehr in seiner Heimatstadt als Abschlussthema seines Studiums gewählt habe, habe „lokale Gründe“, erzählt er der WZ. Aktivitäten wie etwa die Nordbahntrasse seien Projekte gewesen, die Wuppertal positiv verändert hätten. Es gebe hier „viele Leute, die sich engagieren“. Und die wolle er mit seiner Arbeit unterstützen. Zudem sei die topographische Lage der Stadt mit ihrer Talstruktur und ihren „polyzentralen Strukturen“ eine „herausfordernde Aufgabe“.

Für seine Masterarbeit hat Priggert Abbildungen, Fotos, Grafiken und Karten verwendet, die sein Forschungsergebnis anschaulicher machen als so manche klassische Aneinanderreihung von Textbausteinen – zudem hat er auch eine Reihe von längeren Interviews mit Verantwortungsträgern der Stadt geführt: unter anderem mit Stadtdirektor und Kämmerer Johannes Slawig und der Beauftragten für den nichtmotorisierten Verkehr, Norina Peinelt.

Das Auto wird für 58 Prozent der täglich Wege genutzt

Der Begriff „Verkehrswende“ legt ein Umsteuern nahe, und für ein solches plädiert auch Priggert mit Nachdruck. Auch wenn der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Wuppertal vergleichsweise gut aufgestellt sei, richte sich die Verkehrsplanung der Stadt noch zu sehr auf den PKW aus, der für 58 Prozent der täglichen Wege genutzt werde. Beim Radverkehr habe man dagegen nur eine Quote von ein bis zwei Prozent. Notwendig sei aber „eine gleichberechtigte Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen und -schichten“, betont der 26-Jährige in seiner Arbeit. Dazu sind eben auch Eingriffe durch die Politik nötig: „Fuß-, Rad- und Busverkehr gewinnen nur massiv an Effizienz, wenn der Autoverkehr eingeschränkt wird.“ Als Beispiele, wie eine Verkehrswende gelingen könnte, verweist Priggert auf Städte wie Wien, Zürich oder Kopenhagen.

Mit Blick auf den Dönberg plädiert der Raumplaner für eine Aufwertung der Höhenstraße mit einem neuen Nahversorger, Car-Sharing-Angeboten, dem evangelischen Quartiershaus und mehr Grünflächen. Zudem sollte der Fahrradverkehr im Stadtteil gestärkt und die ÖPNV-Anbindung ausgebaut werden.

Mit seiner Arbeit möchte Priggert, der mittlerweile in der Stadtverwaltung Erkrath arbeitet, einen Beitrag zur Mobilitätswende leisten. Die kommunale Infrastruktur Wuppertals dürfe sich nicht mehr „an die vergangenen Verkehrstrends“ ausrichten, mahnt er im Fazit. Angesichts des demografischen und digitalen Wandels in der Gesellschaft gebe es in Sachen Verkehrsplanung und der Erschließung von neuen städtischen „Freiraumqualitäten“ einen „enormen Handlungsbedarf“.

Deutliche Worte des Lobes finden die beiden Gutachter der Masterarbeit. Es handle sich um eine „strategische Vision“, die konkrete Umsetzungsvorschläge präsentiere und dabei sowohl Politik wie Bürgerschaft einbinde, sagt Prof. Dr. Stefan Siedentop von der Technischen Universität Dortmund. Zudem zeige die Arbeit, dass mit einem geringen Aufwand an Investitionen wichtige Veränderungen bewirkt werden könnten. „Viele innovative Ideen, die umsetzbar sind“, hat auch Co-Gutachter Prof. Dr. Jürgen Gerlach von der Bergischen Universität Wuppertal in der Abschlussarbeit gefunden. Um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen, müsse die Gesellschaft ihre Mobilität umstellen. „Die Vorschläge von Torben Priggert machen es uns leicht“, sagt Gerlach.