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Verfall - Bahnhof: Fahrgäste unerwünscht?

Verfall - Bahnhof: Fahrgäste unerwünscht?

Rolltreppe und Fahrstuhl sind kaputt. Bei den Fahrgästen herrscht Resignation.

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p class="text"><strong>Wuppertal. Heinrich Arnold ist 80Jahre alt. Einmal im Jahr reist der Recklinghausener nach Wuppertal - an diesem Tag wird der Kurztrip zum Hindernislauf. "Erst stand ich an Gleis vier und wollte mit dem Aufzug hochfahren, aber der funktioniert nicht", erklärt der gehbehinderte Mann. An der Rolltreppe angekommen dann das zweite Problem: Sie ist schon seit einer Woche ausgefallen, ein rot-weißes Band sperrt die Rolltreppe ab. Also muss Heinrich Arnold Stufen steigen - was dem Mann sichtlich schwer fällt.

Der Zustand des Bahnhofs ist Thema an den Gleisen

Er nimmt es mit Humor: "Mein Arzt hat mir gesagt, Bewegung sei gut." Vielleicht ist es Arnolds beruflicher Vergangenheit geschuldet, dass er die Situation mit Humor nimmt. Er war 42Jahre lang bei der Bahn beschäftigt. Andere Reisende, die an diesem Tag von Gleis zu Gleis ziehen, beschreiben die Situation am Döppersberg drastischer. "Eine Katastrophe" sei der Zustand des Bahnhofs, sagt Heinz Liebrich (86). Ursula Müller (74) ist erst vor einem Jahr von Düsseldorf nach Wuppertal gezogen. Sie urteilt: "Hier sieht es wirklich schlimm aus, soviel Müll. Aber wo wollen Sie sich denn beschweren?"

Eine Anzeigentafel sucht die Touristin vergeblich

Fahrstuhl kaputt, Rolltreppe ausgefallen - das ist noch längst nicht alles, was am Bahnhof nicht rund läuft. Eine Touristin auf der Durchreise eilt mit ihren Koffern durch die Eingangshalle, blickt umher und schaut in die Luft - zu Recht, von einem Hauptbahnhof kann sie eine zentrale Anzeigetafel erwarten. Nicht aber am Hauptbahnhof Wuppertal, wo zurzeit nicht einmal die neu installierten Anzeigentafeln an den Gleisen funktionieren. Und dennoch: Alteingesessene Wuppertaler dürften den Zustand ihres Bahnhofs nur noch mit einem resignierten Schulterzucken quittieren. Seit Jahren wird über eine Generalsanierung diskutiert, seit Jahren ohne verbindliche Fördermittel-Zusagen. Dabei war Wuppertal schon einmal so nah dran. Als es darum ging, 350Millionen Euro von Bund, Land und Bahn auf NRW-Bahnhöfe zu verteilen, stand Wuppertal angeblich mit auf dem Sanierungsplan - und ging dann doch zu Gunsten des Ruhrgebiets und Münster leer aus. NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke kündigte daraufhin an, Gelder für eine Teil-Modernisierung bereit zu stellen. Bundes-Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee soll das Versprechen geäußert haben, sich um die Generalsanierung "zu kümmern". Bislang fehlen von beiden Seiten Zusagen über Fördersummen. Oberbürgermeister Peter Jung hat erst vor zwei Wochen seine Forderungen an die Bahn in einem Brief konkretisiert. Er drängt auf neue Dächer für die Bahnsteige, eine neue Innenausstattung und eine Sanierung der Fassade. Fest steht: Anfang 2009 soll die 91Millionen teure Umgestaltung des Döppersbergs beginnen. Die Stadt selbst muss 30MillionenEuro beisteuern. Die Bahn müsste ihren Teil des Bahnhofs sanieren. Der Zeitpunkt stehe nicht fest, erklärte die Bahn dazu gestern. Zu den derzeitigen Mängeln hieß es: Für die Rolltreppe warte man auf bestellte Ersatzteile und bei den Hinweistafeln sei der Rechner abgestürzt. Das soll noch in dieser Woche behoben werden. Beachten Sie die Durchsagen - wenn Sie können
Eindrücke eines Bahnreisenden, der doch eigentlich nur bequem ankommen möchte
Von Andreas Boller

Feierabendverkehr im Wuppertaler Hauptbahnhof. Zur vollen Stunde werden auf Gleis 1 gleich zwei Regionalzüge erwartet und deshalb ist der Bahnsteig voller Menschen. Unsicher blicken viele Fahrgäste in Richtung der Zuganzeige, denn sowohl ein Zug in Richtung Düsseldorf als auch ein Regionalexpress in Richtung Köln müssen im Abstand von wenigen Minuten eintreffen.