Vereiste Leitung: Neunköpfige Familie ohne Wasser

Vereiste Leitung: Neunköpfige Familie ohne Wasser

Bei der neunköpfigen Familie Rzgar ist seit dem vergangenen Freitag die Leitung vereist. Der Vater fühlt sich vom Vermieter im Stich gelassen.

Wichlinghausen. Das benutzte Geschirr vom Wochenende stapelt sich in der Küche eines Sechs-Zimmer-Hauses an der Ortelsburger Straße in Wichlinghausen. Wasserkanister in allen Größen sind in der Wohnung verteilt. Die musste Mustafa Rzgar kaufen, damit seine Kinder wenigstens trinken und Selbstgekochtes essen können. Der Grund: Seit Freitagnacht sind seine sieben Kinder, seine Frau Szhehla und er selbst von der Wasserversorgung abgeschnitten — die Leitungen sind eingefroren.

„Ich hatte Hoffnung, dass man mir nach dem Wochenende helfen kann, aber es passiert nichts“, sagt der kurdische Familienvater aus dem Irak, der seit zwanzig Jahren in Deutschland lebt und nun verzweifelt. Am Samstagmorgen war der zuständige Hausmeister seines Vermieters einer Firma aus Essen (Name ist der Redaktion bekannt) vor Ort — konnte jedoch nichts ausrichten. Nachdem auch die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) am Samstag nicht weiterhelfen konnten, die Wasseruhr am Sonntagabend geplatzt war und die Leitungen am Montagmorgen immer noch eingefroren waren, sperrten Mitarbeiter der WSW die Hauptleitung vor dem Haus. Wie ein WSW-Mitarbeiter der WZ bestätigte, sei dies notwendig, damit es nach dem Auftauen der Leitung nicht zu einer Überschwemmung im Haus komme.

Einstweilen herrscht bei Familie Rzgar jedoch Wassermangel — zwei Gasflaschen hat Mustafa Rzgar bereits verbraucht, um mittels eines Gasofens die Leitungen aufzutauen — ohne Erfolg. Von hilfsbereiten Nachbarn und Tankstellen hat er in Eimern und Kanistern am Wochenende Wasser ins Haus geschleppt, damit sich seine Kinder Pel (4), Ahmed (10), Peyda (11), Peyv (15), Hedie (18), Partie (20) und Peyman (22) waschen und die Toilette benutzen können. Am Montag war der Hausmeister noch einmal da — geändert habe sich an der Situation nichts.

„Der Hausmeister hat mir gezeigt, wo ich im Nachbarhaus Wasser bekomme. Das kann ich mit einem Gartenschlauch in die Nähe meines Hauses leiten und dann mit Eimern in die Wohnung tragen“, sagt Rzgar. Ansonsten habe ihm der Hausmeister lediglich erklärt, er müsse warten, bis es wärmer werde und die Leitungen wieder auftauten. Bei Minusgraden könne das Wasser nicht zirkulieren, so der Hausmeister weiter — da bringe auch auftauen nichts. Das sagte er auf Nachfrage auch der WZ.

Obermeister Hans-Jürgen Vaupel von der Wuppertaler Sanitär-Innung kann diese Argumentation nicht nachvollziehen: „In der vergangenen Woche haben wir etliche Wasserleitungen aufgetaut und den Mietern Tipps gegeben — wie beispielsweisen den Wasserhahn leicht tropfen zu lassen, damit die Leitungen nicht wieder einfrieren.“ Das helfe in der Regel, meist sei das Problem damit gehoben.

Familie Rzgar ist derweil ratlos und muss weiter Eimer schleppen. Auf eigene Kosten will Mustafa Rzgar kleinen Klempner beauftragen. Seine Sorge: „Am Ende bleibe ich auf den Kosten sitzen.“

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