Ausbildung „VerAplus“ senkt die Abbrecherquote

In dem Mentoringprogramm helfen Senioren den Azubis durch die Ausbildung – die Erfolgsquote ist hoch.

 Viele Berufsschüler leisten im Betrieb gute Arbeit, scheitern aber an den schulischen Herausforderungen. Da helfen die Senioren von „VerAplus“.

Viele Berufsschüler leisten im Betrieb gute Arbeit, scheitern aber an den schulischen Herausforderungen. Da helfen die Senioren von „VerAplus“.

Foto: dpa/Jens Kalaene

Die Zahl der Ausbildungsabbrüche in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Noch im November hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die aktuellsten Zahlen bekannt gegeben. Mit 155 000 Ausbildungsabbrüchen im Jahr 2022 wurde ein neuer Höchststand erreicht. Die Auflösungsquote lag damit bei 29,5 Prozent. Die Gründe, warum sich ein junger Mensch dazu entschließt, seine Ausbildung abzubrechen sind vielfältig. Häufig könnten die Probleme aber geklärt werden, wenn die Auszubildenden mehr Unterstützung bekommen würden. Das Mentoringprogramm „VerAplus“ (Verbesserung von Ausbildungserfolgen) nimmt sich der Sache an, indem Senioren in einer Eins-zu-eins-Betreuung strauchelnden Auszubildende durch die Ausbildung helfen. Die Erfolgsquote ist hoch.

Die Bergische Region sucht weitere Begleiter für die Azubis

Volker Lieb ist Regionalkoordinator des Programms für die Bergische Region und bringt Auszubildende und Experten zusammen. „Die Senioren helfen den Auszubildenden bei Problemen in der Berufsschule, Konflikten im Ausbildungsbetrieb, fehlender Lernmotivation oder auch bei der Suche nach zusätzlichen Unterstützungsangeboten“, erklärt er. Häufig würden die Schwierigkeiten gar nicht mal im Betrieb, sondern vielmehr in der Berufsschule auftreten. Insbesondere Auszubildende mit Migrationshintergrund und nicht ausreichenden Deutschkenntnissen würden die Anforderungen fachlich in den Betrieben schaffen, scheitern aber am Verständnis der Aufgaben in der Berufsschule. „Dann setzen sich die Begleiter mit ihnen zusammen und besprechen intensiv die einzelnen Aufgaben und dann klappt es in der Regel“, so Lieb, der vor seiner Pensionierung Schulleiter am Berufskolleg am Haspel war.

Deutschlandweit begleitet „VerAplus“ rund 4000 Auszubildende pro Jahr. In der Bergischen Region sind 25 Senioren für das Programm aktiv und es kommen pro Jahr ebenso viele Begleitungen zustande. Volker Lieb würde sich noch mehr Ehrenamtler wünschen, die sich für das Projekt engagieren. Gesucht werden Profis im Ruhestand, die durch ihre langjährige Berufserfahrung in akademischen Berufen, im Handwerk, in der Medizin, als Ingenieure oder anderen Bereichen mit ihrer Erfahrung den Auszubildenden helfen können. „Das Programm ist ein Angebot des SES, dem Senior Expert Service. Der SES ist die größte deutsche Ehrenamtsorganisation für Fach- und Führungskräfte im Ruhestand oder in einer beruflichen Auszeit. Die Metoren sind dort registriert, bekommen ein zweitägiges Vorbereitungsseminar und nehmen regelmäßig an Treffen zur Weiterbildung und zum Erfahrungsaustausch teil“, sagt Lieb.

Die Teilnahme an „VerAplus“ ist für die Auszubildenden kostenlos, die Ehrenamtlichen bekommen eine kleine Aufwandsentschädigung. Angelegt ist ein Coaching auf ein Jahr, die Zielsetzung wird von Azubi und Mentor gemeinsam festgelegt. „Es geht auch nicht ausschließlich darum, Abbrüche zu verhindern. Es können sich auch Auszubildende melden, die sich verbessern möchten“, erklärt Lieb. Entsprechend können eine Zielvereinbarung zum Beispiel auch eine mit guten Noten bestandene Zwischenprüfung sein. Anhand der Zielvereinbarungen wird auch der Erfolg des gesamten Projektes gemessen. Und der kann sich sehen lassen. Zu über 75 Prozent führten die Begleitungen am Ende zum vorher gesteckten Ziel.

Bisher ist das Programm auf Leute ausgelegt, die eine Duale-Ausbildung absolvieren. In Zukunft sollen die Senioren aber auch schon in Schulen bei der Berufsvorbereitung helfen und vor allem bei der Suche nach dem richtigen Beruf, denn das würde vielen Jugendlichen schon nicht leicht fallen. „Jemand, der sein ganzes Berufsleben in einer bestimmten Branche gearbeitet hat, kann vielleicht viel authentischer davon berichten, als jemand, der nur theoretisch über einen Beruf Bescheid weiß“, sagt Lieb.

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