Geschichte Veranstaltung in Wuppertal: „Diese Revolution ist alles, aber nicht gescheitert“

Unterbarmen · Historiker Detlef Vonde über die Jahre 1848/49.

Detlef Vonde sprach im Besucherzentrum des Industriemuseums.

Detlef Vonde sprach im Besucherzentrum des Industriemuseums.

Foto: Matthi Rosenkranz

Die Revolution von 1848/49 nennt Lars Bluma, Direktor des Museums Industriekultur, einen „Meilenstein der Demokratiegeschichte“. In Elberfeld errichteten Aufständische im Mai 1849 Barrikaden zur Abwehr preußischer Truppen, zeitweise nahm Friedrich Engels an den Unruhen teil. In Erinnerung an die Barrikadenkämpfe vor 175 Jahren präsentieren das Museum Industriekultur, die Bergische Universität und der Bergische Geschichtsverein, Abteilung Wuppertal, noch bis Ende Juni Vorträge, Lesungen und Musik zum Thema.

Im neuen Besucherzentrum des Industriemuseums sprach Detlef Vonde am Donnerstag über die „Politik der Straße“. Schon die Vorgeschichte der Revolution habe sich im öffentlichen Raum abgespielt, so der Historiker und frühere Fachbereichsleiter für Politische Bildung der Bergischen VHS. In den 1840er-Jahren berichteten nicht nur Zeitungen über die prekäre Lage der Unterschichten: „Vier von fünf Menschen lebten damals in Armut.“ Das Elend kritisierten auch Plakate an Häuserwänden, Lieder und Flugschriften, die Bild und Text vereinten. „Das waren die Social Media des 19. Jahrhunderts“, pointierte Vonde.

Dass den Worten Taten folgten, zeigte der Vortragende anhand mehrerer Beispiele aus der „Boomtown“ Elberfeld. So hätte der „Wohnungswechsel“ 1847 – finanziell klamme Mieter hatten zum 1. Mai auszuziehen – fast zu Tumulten geführt. Eingedämmt wurde der Unmut durch „soziale Entlastungspakete“ (Vonde), die den Betroffenen zugutekamen. Wenige Monate später ließen sich die schlecht bezahlten Arbeiter der Bergisch-Märkischen Eisenbahn nicht mehr besänftigen und gingen auf die Straße.

Im März 1848 artikulierten „ungeheure Menschenmengen“ ihren Protest, wie Augenzeugen berichten. Und während die Revolutionäre in Berlin für Grundrechte wie Meinungsfreiheit eintraten, wurde im Wuppertal „Fressfreiheit statt Pressfreiheit“ gefordert. Den Elberfelder Aufstand von 1849 nannte Vonde eine antiautoritäre Jugendrevolte. Von den beteiligten Arbeitern und Handwerkern seien mehr als die Hälfte unter 30 Jahren gewesen.

„Diese Revolution ist alles Mögliche, aber nicht gescheitert“, lautete sein Fazit. Die Akteure hätten in kollektiven Lernprozessen einen hohen Grad an Selbstorganisation erreicht. Von ihren Strategien habe die spätere Arbeiterbewegung gelernt, zudem habe die allgemeine Politisierung zur Herausbildung der Zivilgesellschaft beigetragen.

Der nächste Termin ist am Mittwoch, 29. Mai. Im Von der Heydt-Museum gibt es eine szenische Lesung zu den „Kommunistischen Versammlungen“. Beginn ist um 18.30 Uhr, der Eintritt ist frei.

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