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Vatikan-Instruktion: Wuppertaler Katholiken müssen kreativ werden

Kirche : Vatikan-Instruktion: „Wir müssen kreativ werden“

Stadtdechant Bruno Kurth äußert sich zu der viel diskutierten Veröffentlichung aus Rom.

Kürzlich veröffentlichte die „Klerus-Kongregation“ im Vatikan ein Papier zu anstehenden Gemeindereformen und Gemeindeleitungen mit dem Titel „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“. Es hat in Deutschland zwar auch Lob, aber auch viel Kritik erhalten. Die WZ sprach darüber mit dem Wuppertaler Stadtdechanten Bruno Kurth.

Was ist das für ein Papier und wer hat es verfasst?

Bruno Kurth: Die Klerus-Kongregation, sie ist zuständig für den Dienst der Priester weltweit, vergleichbar einem Ministerium. Das Papier wurde vom Papst gebilligt. Es wird auch beschrieben als Verwaltungsrichtlinie.

Um was geht es darin?

Kurth: Es gibt unterschiedliche Themen. Ein berechtigtes grundsätzliches Anliegen ist, dass wir nicht nur über Strukturreformen sprechen, sondern uns im Vorfeld von Reformen an unsere missionarische Sendung erinnern. Wir haben ja Strukturen verändert. In Wuppertal gibt es drei Seelsorgebereiche, in denen Gemeinden fusioniert sind, und vier mit Pfarreiengemeinschaften. Das Thema gewinnt in Wuppertal an Aktualität, weil im Wuppertaler Westen Pfarrer Dirk Baumhof Ende August gehen wird, auf den Südhöhen Pfarrer Winfried Breidenbach bereits verabschiedet ist. Noch ist nicht klar, wie es weitergeht.

Was sagt dazu die Vatikan-Instruktion?

Kurth: Bemerkenswert ist, dass sie sehr deutlich sagt, dass die Pfarrgemeinde eine hohe Bedeutung hat. Dass nicht vom grünen Tisch her einfach nach der Zahl der Priester entschieden werden kann, Pfarreien aufzuheben. Das Bistum ist durch die Instruktion angewiesen, konkret die Verhältnisse vor Ort zu berücksichtigen. Die Gemeinden auf den Südhöhen können zum Beispiel nicht einfach Barmen oder Elberfeld zugeschlagen werden. Das geht an der Lebensrealität der Menschen vorbei. Diese klare Aussage ist erst einmal eine Wertschätzung der bestehenden Pfarrgemeinden.

Aber wie kann es weitergehen, wenn es nicht genug Priester gibt?

Kurth: An dieser Stelle enttäuscht die Instruktion, weil sie dazu nichts sagt. Am Anfang wird von Kreativität und neuen Wegen gesprochen. Leider wird nicht deutlich, was diese neuen Wege sind. Deshalb gibt es Kritik von Bischöfen, die bereits neue Wege ausprobieren, in denen Laien an der Leitung der Gemeinde verantwortlich beteiligt sind. Auch im Bistum Köln wurden solche Schritte überlegt. Immerhin gibt es in allen Seelsorgebereichen eine „Verwaltungsleitung“, das ist eine Art Geschäftsführer oder eine Geschäftsführerin, der oder die auch Personalverantwortung hat. Das ist allerdings eine hauptamtliche Lösung, die nicht alle Bereiche abdeckt, nicht die Caritas einer Gemeinde, die Gottesdienste, die Katechese, die Begegnung und Gemeinschaft im Gemeindeleben.

Aber nach der Instruktion sollen Laien nicht zu stark in die Gemeindeleitung eingebunden sein.

Kurth: Es gibt wohl die Sorge, dass das Leitungsamt des Pfarrers nicht mehr in seiner Bedeutung gesehen wird. Laien sind bei uns in Entscheidungen in der Gemeinde eingebunden, sie beraten den Pfarrer nicht nur. Das ist durch die Kirchenvorstände für das Kirchenvermögen gut gelöst und auch gesetzlich geregelt. Ich kann als Pfarrer nicht allein über das Geld in der Gemeinde entscheiden, habe nur eine Stimme im Kirchenvorstand. Deshalb geht die Instruktion auch teilweise an der Realität in Deutschland vorbei. Anders gesagt, ein Dokument für die Weltkirche kann nie ganz die Wirklichkeit einer Teilkirche bzw. eines Landes treffen.

Einige deutsche Bischöfe sagen, sie seien von dem Papier überrascht worden.

Kurth: Ja, sie kritisieren, dass es keinen Austausch dazu gab. Möglicherweise wird es jetzt Gespräche geben.

Wie geht es nun zum Beispiel auf den Südhöhen weiter?

Kurth: Das ist jetzt die Aufgabe in Wuppertal zu überlegen: Wie wird Gemeinde in Zukunft stattfinden und leben – wenn es keinen eigenen Pfarrer gibt und auch sonst weniger hauptamtlich Tätige? Die Frage ist: Wie werden in diesen Prozess die Mitglieder der Gemeinde, also das Volk Gottes, einbezogen? Dazu hat man sich aber auf den Südhöhen schon Gedanken gemacht.

Wie hilft da die Instruktion?

Kurth: Nicht viel. Aber ich will nicht nur die „Verbotsschilder“ herausgreifen. Es ist gut, dass es den Hinweis auf Kreativität gibt. Die Schwachstelle ist, dass nicht gesagt wird, was denn neue Wege sein können. Wie können denn die Laien verantwortlich auch an der Leitung teilhaben? Es gilt jetzt, damit kreativ umzugehen. Es ist richtig, nicht nur um sich selbst als Gemeinde zu kreisen, sondern wir müssen auch überlegen, wie wir in die Stadt und die Gesellschaft hineinwirken können. Wir haben die Aufgabe, als Gemeinden in dieser Zeit mit ihren Bedingungen das Evangelium zu verkünden. Das muss uns in den nächsten Jahren leiten und prägen.