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Uwe Schneidewind im Interview mit der WZ

Interview : Interview mit Wuppertaler OB-Kandidat Schneidewind „Was wir ökologisch vorantreiben, muss wirtschaftlich vernünftig sein“

Im Interview spricht der Oberbürgermeisterkandidat Uwe Schneidewind über die Schnittmenge von Grünen und CDU und die Unterschiede zu Andreas Mucke.

Herr Schneidewind, Sie sind von der CDU aufgestellt worden, die erst später erfahren hat, dass sie ein Grüner sind. Wo haben Sie kommunalpolitische Gemeinsamkeiten?

Uwe Schneidewind: In den vergangenen Wochen hat sich schon gezeigt, wo die Gemeinsamkeiten sind, nämlich eine kluge Flächenpolitik zu machen, bei der wir Naturflächen schützen und trotzdem Wirtschaftsentwicklung vorantreiben. Es ist ja eine Mehrheit in der CDU-Fraktion gewesen, die es ermöglicht hat, dass die Kleine Höhe nicht bebaut wird. Wir haben ein Konzept zur Gewerbeflächenentwicklung erarbeitet, das Potenziale für Gewerbeflächenentwicklung bei gleichzeitigem ökologischen Profil zusammenbringt. Jetzt nähern wir uns beim Thema Mobilität.

Hier gehen die Meinungen aber noch auseinander. Zum Beispiel bei einer möglichen Umweltspur. Die CDU ist dagegen, die Grünen sind dafür. Wo stehen Sie?

Schneidewind: Bei der Umweltspur sind die Ursprungspositionen sehr klar gewesen, jetzt merkt man aber von beiden Seiten Bewegung. Ich habe klar gemacht, dass man die Option auf eine Umweltspur auf keinen Fall ad acta legen sollte. Es geht um einen fließenden Busverkehr, damit alle, die die Schwebebahn nicht nutzen können, nicht benachteiligt werden. Aktuell klappt das gut, aber wenn das ins Stocken kommt, sollte man die Option einer Umweltspur in Betracht ziehen. Damit lösen wir das Verhaken in ideologische Gräben. Bei Themen wie den Parkplätzen am Nordpark zeichnen sich ja auch Perspektiven ab. Ich glaube, der Charme der schwarz-grünen Konstellation besteht darin, dass am Ende etwas läuft. Denn von Andreas Mucke habe ich bislang sehr wenig zu diesen Themen gehört.

Auf den Plakaten ist die Schnittmenge größenmäßig recht klein dargestellt...

Schneidewind: Das ist eher Designprinzipien geschuldet. Bei mir selber gibt es zwei Schnittmengen, die mir sehr wichtig sind. Das ist zum einen die Wirtschaft, denn ich bin Wirtschaftswissenschaftler, und all das, was wir ökologisch vorantreiben, muss auch wirtschaftlich vernünftig sein. Das zweite ist das, was sich in der christlichen Orientierung festmacht. Am Ende geht es um eine Wirtschaft, die auch den Menschen dient, die gutes Leben ermöglicht.

Was man vermisst hat, ist, dass sie auf Konfrontation zum Amtsinhaber gehen. Wie wollen Sie zum Beispiel die Probleme mit dem Pina Bausch Zentrum oder dem Wupperpark Ost lösen?

Schneidewind: Wir spüren bei diesen Themen das Grunddilemma dieses Wahlkampfs. Zu 95 Prozent geht es nicht um andere Inhalte, sondern um die Qualität, mit der wir Prozesse in der Stadt voranbringen. Das ist etwas, was sich im Wahlkampf nicht einfach plakatieren lässt. In der jetzigen Situation mit allen sieben Kandidaten und Podiumsdiskussionen, bei denen fast keiner mehr zuhören will, ist es sehr schwer, die Unterschiede zwischen Andreas Mucke und mir auf den Punkt zu bringen. Ich bin sicher, dass das in der Stichwahl mit aller Kraft kommen wird.

Wären Sie mit einem anderen Schwerpunkt in den Wahlkampf gegangen, wenn es kein Corona gäbe? Zum Beispiel mit dem Fokus auf Klimapolitik?

Schneidewind: Was durch Corona wegfällt – und das ist für mich eine Herausforderung, ist, dass sehr viele Menschen mich erleben als jemand, der Themen angeht, der ein hohes Maß an Führungserfahrung aus seinen bisherigen Aufgaben mitbringt, der Brücken auf eine Landes- und Bundesebene und in Unternehmen mitbringt, sodass man nach Gesprächen mit mir das Gefühl hat, dass mit mir eine andere Qualität möglich ist. Auf der anderen Seite haben wir einen Amtsinhaber, der viel kommuniziert, der aber in vielen zentralen Themen als Oberbürgermeister kaum Akzente gesetzt hat.

Welche Themen sind das?

Schneidewind: Zum Beispiel in der Mobilitätspolitik. Über mehr als Kleinklein bei Fahrradspuren sind wir nicht hinausgekommen. Jetzt muss ein Höhlenverein aus Ennepetal dafür sorgen, dass die Langerfeldtrasse möglich wird. Man traut sich an die ganz schwierigen Themen nicht heran. Ganz oft höre ich von Andreas Mucke, dass er Dinge gewollt hätte, aber er nur ausführendes Organ eines Rates ist, keine Ratsmehrheiten da seien. Dabei ist es die politische Führungsaufgabe eines Oberbürgermeisters, Ratsmehrheiten zu organisieren, eine Vision für die Stadt zu haben und nicht nur ausführendes Organ einer Verwaltung oder eines Rates zu sein. Das macht sich dann in einer fehlenden wirtschaftlichen Dynamik fest, aber insbesondere in einer sehr schlechten Außenpositionierung Wuppertals. Es ist die vordringlichste Aufgabe eines Oberbürgermeisters, dass Vertrauen in die Stadt da ist, dass die Aufbruchsstimmung nach außen gespiegelt wird.

Als Oberbürgermeister sind Sie Chef von Rat und Verwaltung. Sie kommen aus der Wissenschaft, da ist die Waffe der Wahl das Florett, in den Rathäusern eher der Säbel. Wie wollen Sie mit irrlichternden Amtsleitern und Dezernenten umgehen?

Schneidewind: Das wird vom politischen Gegner so stilisiert. Sie müssen sehen, dass ich seit 15 Jahren Wissenschaftsorganisationen führe. Sie glauben nicht, wie viele Säbel in Universitäten unterwegs sind. Gute Führung folgt Prinzipien, die in der Universitätsverwaltung, im Institut oder in der Stadtverwaltung ähnlich sind. Sie sind in der großen Herausforderung – auch aufgrund der Autonomie durch die einzelnen Dezernate – dass sie eine hohe natürliche Autorität aufbauen, denn sie können nicht alles von oben anordnen. Sie müssen als allererstes einen großen Teil der Führungskräfte für ihren Kurs begeistern. Da ist beim Amtsantritt von Andreas Mucke sehr viel schief gelaufen, die ersten drei, vier Monate hohlen sie nie wieder zurück, wenn sie da kein Vertrauen in der Mannschaft aufbauen. Zudem müssen sie einen Führungsstil entwickeln, der mit Attacken umgehen kann. Ich bin jemand, der mit viel Wohlwollen auf Menschen zugeht, der aber auch mit einer entsprechenden Symbolik handeln kann, wenn ich merke, dass falsch gespielt wird. Ich habe Respekt vor der Aufgabe, bringe aber auch ein Pfund an Führungserfahrung mit.

Wie wollen Sie das Stadtmarketing verbessern?

Schneidewind: Die Organisationsform ist der zweite Schritt. Zuerst muss man als Oberbürgermeister wahrgenommen werden. Für das Stadtmarketing braucht es eine andere Ressourcenbasis. Ich glaube, dass wir dafür auch große Unternehmen begeistern können.

Wir brauchen Arbeitsplätze. Was können Sie als Oberbürgermeister beitragen?

Schneidewind: Die Unternehmen müssen Vertrauen haben, dass Wuppertal ein wettbewerbsfähiger Standort ist. Dazu kommt es nicht mehr nur auf die Menge der Gewerbeflächen an, sondern auch auf das Know-How. Man braucht ein klares Bild, wofür der Wirtschaftsstandort stehen soll. Es geht in Richtung Kreislaufwirtschaft, die die Wuppertalbewegung vorantreibt. Es ist das Automotive-Cluster mit der neuen Mobilität, es ist das Gesundheitsthema und es ist natürlich das Umwelt- und Klimathema – auch durch Uni und Wuppertal Institut.

Haben Sie noch die komplette Rückendeckung beider Parteien?

Schneidewind: Normalerweise kommt der Spitzenkandidat aus der eigenen Partei und alles, was der Kandidat macht, wirkt sich auf die Partei aus und umgedreht. Beide Parteien sehen aber, dass wir hier eine neue Form von Politikstil prägen, die nicht nur für Wuppertal relevant ist.

Welche drei konkrekten Pläne wollen Sie als erstes angehen?

Schneidewind: Die ersten zwei Monate werden Gespräche nach Innen sein, um für Unterstützung zu werben. Das zweite zentrale Thema wird Standortmarketing/ Wirtschaftsaufstellung sein. Die Aufbruchsstimmung, die meine Wahl erzeugen wird, müssen wir nutzen. Das wird auch bundesweit wahrgenommen werden. Danach werde ich mich mit Hochdruck in die moderne Mobilität stürzen. Da will ich all die Quartiere, die einen Schritt vorangehen möchten, auch tatkräftig unterstützen.