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Uwe Beckers Kolumne über Wuppertal

Begrabt mein Herz in Wuppertal : Was in 2019 besser werden sollte

WZ-Kolumnist Uwe Becker zieht schon einmal Bilanz für 2018 und wagt einen Blick auf das kommende Jahr in Wuppertal.

Wenn ich in diesen Tagen die zurückliegenden Monate Revue passieren lasse, dann kann ich ein positives Resümee ziehen. Ich habe starke Erinnerungen an das Jahr 2018, das für mich beruflich erfolgreich und privat sehr glücklich verlief. Gesundheitlich kann ich auch nicht klagen, wenn man von der ordentlichen Grippe am Anfang des Jahres absieht. Allerdings hat die Behandlung eines Grasmilbenbefalls im Frühsommer fast ein viertel Jahr in Anspruch genommen – das war’s dann aber auch schon mit den Wehwehchen.

Doch der Reihe nach: Als ich nach geschätzt einem halben Menschenleben dem Rauchen abgeschworen hatte, habe ich mit einem Glas Sekt in der Hand vor einer Kunstgalerie meine Traumfrau kennengelernt. Hier könnte mein Jahresrückblick eigentlich enden, weil, was gäbe es noch Schöneres zu berichten? Aber für eine Kolumne ist das zu kurz, daher liste ich weitere Dinge auf, die mich in diesem Jahr erfreuten oder ärgerten. Besonders erfreut haben mich einmal mehr meine Träume.

Den stärksten Traum hatte ich vor wenigen Nächten: Ich durfte für den renommierten Suhrkamp-Verlag einen Jugendroman illustrieren. Dann zeichnete ich rund 40 Vogelarten, da der Autor die Geschichte eines Jungen erzählte, der mit seiner großen Vogelvoliere der hübschen Tochter des Nachbarn imponieren wollte. Mehr Inhalt war mir nicht bekannt. Meine Zeichnungen fand ich wunderschön und gelungen. Zu meinem großen Unglück gefielen dem Verleger die Illustrationen aber nicht: „Das ist so schlecht, so sehen doch keine Vögel aus! Sie können überhaupt nicht zeichnen, das muss ich ihnen leider sagen!“

Ich war zunächst tief traurig und geschockt, aber dann klatschte ich in die Hände, und meine gezeichneten Amseln, Spatzen, Drosseln und Finken wurden zum Leben erweckt und flogen mit lautem Piepen und Gekreische durch das geöffnete Fenster des Verlegers dem blauen Himmel entgegen. Der Suhrkamp-Chef hatte dann plötzlich große Ähnlichkeit mit Alfred Hitchcock.

Im Herbst hatte ich noch einen viel verrückteren Traum, der wirklich komplett unrealistisch war: Ich eröffnete in Oberbarmen einen 1-Euro-Laden, der so gut angenommen wurde, dass ich wenige Zeit später ein zweites Ladenlokal anmietete. Irgendwann hatte ich eine Ladenkette mit 250 Filialen – alle in Wuppertal! Weil ich hierdurch sehr reich geworden war, versuchte ich es mit einem 100-Euro-Laden, dann mit einem 1000-Euro-Laden und am Ende gar mit einem 100 000-Euro-Laden. Diese Läden liefen aber nicht, und durch die hohen Betriebs- und Investitionskosten verlor ich am Ende auch alle meine billigen 1-Euro-Läden.

Im realen Leben hatte ich 2018 einfach mehr Glück, da lief alles rund – und das ist auch gut so. So richtig geärgert hat mich in diesem Jahr eigentlich nur das ständige Kränkeln unserer Tuffi-Bahn, die durch unsere Wuppertaler Stadtwerke vermutlich kaputt saniert wurde. Für 2019 wünsche ich mir daher ihre baldige Genesung, schönere Weihnachtsmärkte und dass OB Mucke aus der SPD austritt und für die kommende Wahl als unabhängiger Kandidat von Marc Schulz (Die Grünen) und Würstchen Müller (CDU) unterstützt wird. Dies wird bestimmt alles nicht in Erfüllung gehen, weil sich mein Einfluss auf die örtliche Politik leider immer noch in zu großer Bescheidenheit übt.

Aber eins kann ich ihnen versichern, im Herbst 2019 erscheint mein Buch „Begrabt mein Herz in Wuppertal 2.0“. Wahrscheinlich nicht im bekannten Suhrkamp-Verlag, aber auf die bin ich ja eh nicht so gut zu sprechen.