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Uwe Becker wünscht sich mehr Frauen in den Führungsetagen

Mehr Gleichberechtigung in Wuppertal : Uwe Becker wünscht sich mehr Frauen in den Führungsetagen

Der WZ-Kolumnist fordert mehr Gleichberechtigung in Wuppertal. Was das mit seinem Schreib-Outfit zu tun hat? Lesen Sie selbst!

Etwas prickelnde Erotik gefällig? Ich habe lange überlegt, ob ich es gestehen soll, aber mein schlechtes Gewissen hat mir keine Ruhe gelassen. Einige meiner Kolumnen habe ich nicht ganz ordnungsgemäß bekleidet geschrieben: in Unterhose, ungeduscht und nicht rasiert. Manchmal trage ich auf nackter Haut nur meinen sexy Morgenmantel – ein Hauch von Nichts aus roter Seide, wenn ich meine wöchentlichen Zeilen verfasse. Vielen wird das egal sein, ist es ja eigentlich auch. Ich bin aber froh, dass es jetzt raus ist, weil ich keinem etwas vormachen möchte, erst recht nicht meinen Leserinnen und Lesern. Tatsächlich schreibe ich, frisch gewaschen, fertig angezogen und hübsch frisiert, ganz anders, was einigen im Nachhinein vielleicht jetzt auffällt.

Vollständig bekleidet eher ruhig und besonnen, auf die Wortwahl sehr bedacht, im Morgenmantel eher frech, kokett und ein wenig flapsig oder gar vulgär in der Sprache. Ich erinnere mich zwar an viele Kolumnen, aber nicht an die Bekleidung, die ich beim Schreiben trug oder nicht trug. Zum Jahresende können wir trotzdem gerne mal ein Quiz veranstalten, welche Kolumne ich bekleidet, unbekleidet oder teilweise bekleidet aufgeschrieben habe, auch wenn ich es gar nicht mehr weiß. Das wird bestimmt lustig. Und Preise wird es auch zu gewinnen geben. Am Ende entscheidet eh das Los. Das ist bei mir nicht anders, wie auf jeder Kirmes.

Genügend Zeit für solche Spielchen wird es wohl geben, weil wir dann bestimmt wieder im Lockdown hängen, den wir zu einem nicht unerheblichen Teil vielen Vollidioten zu verdanken haben werden, einige davon waren am Wochenende in Berlin. Warten wir es ab.

Am vergangenen Sonntag feierte Ursula Kraus, die erste Oberbürgermeisterin Wuppertals, ihren 90. Geburtstag. Ich wünsche Frau Kraus nachträglich alles Gute. Unsere ehemalige Oberbürgermeisterin hat mich von ihrem Wirken und ihrem Aussehen immer an meine verstorbene Mutter erinnert, die zur Amtszeit von Ursula Kraus Betriebsratsvorsitzende in der Barmer-Filiale der Kaufhof AG war. Beide Frauen waren starke Persönlichkeiten, die sich kraftvoll und höchst engagiert für die ihnen anvertrauten Menschen eingesetzt haben. Tatsächlich hatten beide Frauen rein äußerlich auch eine verblüffende Ähnlichkeit und eine fast identische Frisur. Daher nannte mein Vater seine Frau auch oft „Frau Oberbürgermeisterin“. Meine Mutter wäre in diesem November 96 Jahre geworden.

Es ist sehr bedauerlich, dass bei der kommenden OB-Wahl nur eine Frau antritt, aber sechs Männer. Ich hätte nichts dagegen, wenn man den Männern mal ein paar Grundrechte vorenthält, so für 20 Jahre, damit die Frauen in diversen Bereichen etwas aufholen können. Männer haben immer noch viel zu viel Macht, und den Glauben, deren Erhaltung wäre legitim. Das passive Wahlrecht könnte man den Herren der Schöpfung gerne mal eine Weile vorenthalten. So eine Maßnahme halte ich auch nicht unbedingt für undemokratisch, galt doch bis 1977 die Regelung – also selbst unter dem SPD-Kanzler Willy Brandt, dass Frauen ihre Ehemänner um Erlaubnis fragen mussten, wenn sie einer Arbeit nachgehen wollten.

Wegen mir könnten Frauen über alles bestimmen: die Wirtschaftspolitik, das Klima, die Integrationspolitik und den Verteidigungshaushalt. Meinetwegen auch über das Wetter und die Vergabe der Fernsehrechte für die Bundesliga. Meine Frau legt mir sogar meine Kleidung mit farblich korrespondierender Mund- und Nasenmaske für den kommenden Tag am Abend vorher heraus.