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Utopiastadt Rad sucht engagierte Helfer für die Zeit nach dem Coronavirus

Engagement : Radverleih sucht engagierte Helfer

Utopiastadt Rad braucht Unterstützung für die Zeit nach den Corona-Beschränkungen.

Auch wenn die Sonne immer wieder schön vom Himmel strahlt: Der Container von Utopiastadt Rad bleibt geschlossen. Wie der gesamte Bahnhof Mirke warten auch die ehrenamtlichen Helfer des kostenlosen Radverleihs ab, bis die Beschränkungen wegen der Coronakrise aufgehoben sind. Während des Winters hatte der Radverleih sowieso geschlossen. Der lose Zusammenschluss freiwilliger Helfer sucht jedoch dringend weitere Engagierte, die möglichst an festen Terminen pro Woche oder alle zwei Wochen die Ausgabe der Fahrräder übernehmen können. Besondere technische Fähigkeiten sind dafür nicht nötig: „Sie müssen eigentlich nur die richtige Sattelhöhe einstellen können und erkennen, ob ein Fahrrad verkehrstüchtig ist“, sagt „Mirker Schrauba“ Stephan Lerch.

Entstanden ist der Fahrradverleih aus dem Kreis der Mirker Schrauba heraus. Diese hatten ursprünglich im Hinterhof des Bioladens an der Wiesenstraße gemeinsam an Fahrrädern geschraubt und dann vor sieben Jahren die Mirker Schrauba als lose Vereinigung gegründet. Seitdem bieten sie jeden ersten Sonntag im Monat – außer zu Corona-Zeiten – am Mirker Bahnhof ab 14 Uhr ein Reparaturcafé für Fahrräder an. Dort erhalten Fahrradbesitzer Tipps, wie sie ihre Bremsbeläge auswechseln können und was sie tun müssen, um ihr Licht wieder zum Leuchten zu bringen. „Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe bieten und den Leuten das Fahrrad als Verkehrsmittel wieder nahe bringen“, erklärt Stephan Lerch. Unter den Schrauba gibt es Ingenieure und Downhill-Fahrer – sie konnten bisher für alle Probleme Lösungen finden.

Jeder Kunde muss einen
Leih-Vertrag unterzeichnen

Zu den Mirker Schrauba gehören rund 20 Leute im Alter zwischen 30 und 78 Jahren. Davon abgespaltet hat sich Utopiastadt Rad als eigene Gruppe. Dort waren vergangenen Sommer fünf Ehrenamtler tätig. Sie gaben die rund 35 einsatzbereiten Fahrräder des Verleihs zu festen Zeiten aus. Die Räder wurden gespendet und von den Mirker Schrauba wieder auf Vordermann gebracht. Regelmäßig kommen Wuppertaler am Container vorbei und bringen alte Fahrräder mit. Rund 150 Räder kommen so pro Jahr zusammen. Da das zu viele für den Verleih sind, hat das Team immer wieder auch Fahrräder an Bedürftige, etwa Flüchtlinge, verschenkt. E-Bikes allerdings gibt es nicht im Verleih.

Kunden sind häufig Kinder, die in der Nähe wohnen und kein eigenes Fahrrad besitzen. Für sie stehen Fahrräder verschiedener Größe, Tretroller und sogar Bobbycars bereit. Fahrradhelme verleiht das Team aus hygienischen Gründen nicht. „Wir haben auch ältere Leute, die das Fahrradfahren mal wieder ausprobieren wollen“, erzählt Stephan Lerch. Oder es kommen Wuppertaler, die ihrem Besuch aus anderen Städten die Schönheiten der Nordbahntrasse zeigen wollen, oder Gruppen aus Betrieben und der Universität. Alle müssen einen Verleihvertrag abschließen und ein Pfand hinterlegen. Im Vertrag steht, dass sie pfleglich mit den Rädern umgehen und dass es keine Gewähr für das einwandfreie Funktionieren des Rads gibt. Denn bei manchen Kunden fehlt die Wertschätzung gegenüber den kostenlosen Fahrrädern: „Es gab schon viele Fahrräder, die kaputt gemacht wurden“, erzählt Lerch. Wie von dem Mädchen, das damit Treppen hinunter fuhr. Manche Kunden lassen es auch an Höflichkeit gegenüber den ehrenamtlichen Helfern mangeln. Doch die meisten schätzen das kostenlose Angebot, das für viele einen ganz neuen Ausblick über Wuppertal ermöglicht. tah