1. NRW
  2. Wuppertal

Urbanen Gärten in Wuppertal auf der Spur

Stadtleben : Urbanen Gärten in Wuppertal auf der Spur

Beim Rundgang durchs Neubaugebiet gibt‘s Tipps für naturnahe Gärten.

In Neubaugebieten können sich nicht bloß die Anwohner, sondern auch Pflanzen und Tiere entfalten. Das klappt jedenfalls dann, wenn schon bei der Anlage von Gärten auf eine naturnahe, insektenfreundliche Vielfalt geachtet wird. Wie das praktisch geht, erfuhren die rund 20 Teilnehmer des Gartenspaziergangs, der am Samstag durch das neue Wohnquartier Kirchhofstraße führte.

Als Experten holte Karin Ricono vom Ressort Umweltschutz Bernd Vetterick dazu. Er ist Mitglied beim Verein „NaturGarten“, der sich für nachhaltige Begrünung einsetzt. „Je mehr Pflanzenarten, desto mehr Insekten“, sagte Vetterick. „Und je mehr Insektenarten überleben, desto besser ist es für uns Menschen.“ Denn nur wo Bienen und viele andere Arten Pflanzen bestäuben, sind am Ende genügend Lebensmittel vorhanden.

Dass laut Studien die Biomasse der Insekten seit 1990 um 75 Prozent abgenommen hat, war ein Anstoß für das im vergangenen Jahr beschlossene „Insektenschutzprogramm“ der Stadt. Warum ein Schwerpunkt des Programms auf Privatgärten liegt, erklärte Karin Ricono: „Die Fläche der privaten Gärten ist in Deutschland so groß wie die der Naturschutzgebiete. Deshalb kommt ihnen eine sehr große Bedeutung zu.“ In Zeiten des Klimawandels habe ein naturbelassener Garten zudem den Vorteil, bei Hitzeperioden die Umgebung abzukühlen. Und anders als etwa bei einem Schottergarten versickere Regenwasser wesentlich besser.

Treffpunkt der Spaziergänger war an der Treppe, die von der Kirchhofstraße zu den höher liegenden Straßen führt. Schon am unbebauten Hang wächst ein üppiges Grün. Zum Beispiel die Melde-Pflanze, deren Blätter essbar sind. Kurzerhand zupfte Vetterick ein paar ab und ließ seine Zuhörer probieren. Es schmeckte wie Gewürzkraut, auch ein wenig nach Spinat, und man hatte einen Tipp für den eigenen Gemüsegarten.

Am besten mit der
Sichel oder Sense mähen

Dass am Ende der Treppe ein Kinderspielplatz entsteht, wird aus Vettericks Sicht die Begrünung nicht stören. Das Gegenteil werde der Fall sein: Wenn Kinder den Hang hinauf und hinunter liefen, keimten gerade dort, wo sie ihre Füße aufsetzten, die Pflanzensamen – so fruchtbar sei der „Rohboden“.

Auf halbem Weg zur Spielplatz-Baustelle hielt die Gruppe an einem Grundstück, wo eine Anwohnerin Rasen ausgesät und erste Blumen gepflanzt hat. Um hier einen Blumengarten zu schaffen, empfahl der Experte, den Rasen regelmäßig zu mähen – und zwar am besten mit einer Sichel oder Sense. Wer die Gräser kurz halte, gebe Blühpflanzen eine Chance.

Auch Steine könnten einem Garten Struktur geben, ergänzte Michael Felstau von der Interessengemeinschaft „Wuppertals Urbane Gärten“. So böten aufgeschichtete Steine etwa Hummeln, Eidechsen und Molchen einen Unterschlupf. „Das schreib ich mir auf“, sagte die Anwohnerin. Auch mit dem Vorschlag, ihren Stabgitterzaun mit Pflanzen zu beranken, konnte sie etwas anfangen.

Weiter ging es zum Grundstück von Sandra Wittemann, die eine Begrünung der Fläche zwischen ihrem Haus und dem Nachbarhaus plant. Sie überlege, „auf der Hälfte eine Hecke“ anzulegen. Angesichts der abschüssigen Lage konnte sich Vetterick eine „Trockenmauer“ vorstellen. Die verhindere den Abtrag von Erde bei Starkregen. „Die Alternative wäre eine sogenannte Vogelschutzhecke“, meinte er. Wenn die im Winter grün bleiben solle, rate er zu Liguster. Zwergformen von Obstpflanzen wie der Felsenbirne eigneten sich ebenfalls für eine Hecke.

Der Rundgang endete an einem Gartenstück, um das sich mehrere Anlieger kümmern. Diese Grünfläche bekam von Vetterick ausdrücklich „ein Lob“. Die Bepflanzung sei abwechslungsreich und die zweifach aufgeschichteten Steinmauern sorgten für Stabilität am Hang. Da sei sogar noch Platz für einen Apfel- oder Pflaumenbaum.