„Uptown Classics“ bringen packende Musik in Wuppertal

Konzert : „Uptown Classics“ bringen packende Musik

Das Sinfonieorchester Wuppertal spielte im CVJM-Haus Langerfeld Stücke von Händel.

Das Sinfonieorchester Wuppertal erwartet die Musikfreunde nicht nur in seinem Zuhause, der Stadthalle. Seit geraumer Zeit geht es auch raus in die Stadt und deren Umgebung, in andere Häuser, in denen nicht unbedingt kulturelle Veranstaltungen stattfinden. „Uptown Classics“ heißt die Reihe. Nun ging es an den östlichen Stadtrand, nach Langerfeld. Dort, oben auf der Höhe, Am Hedtberg 12, wo sich Fuchs und Hase gerne gute Nacht sagen, steht ein großes Haus, das Vereinsheim des CVJM. Groß ist auch sein Saal inklusive einer Bühne, auf der für ein Kammerorchester genügend Platz vorhanden ist. Ebenda erfreuten die städtischen Sinfoniker das Publikum mit Musik aus dem 18. Jahrhundert.

Georg Friedrich Händel, der – von Reisen abgesehen – von 1712 bis zu seinem Tode im Jahr 1759 in London lebte, würde man heute als Popstar bezeichnen. Denn seine Musik kam in England unglaublich gut an. Unter anderem waren auf der Insel seine Opern in aller Munde, darunter „Rinaldo“, „Giulio Cesare in Egitto“ und „Alcina“. Ausschnitte daraus – eine Ouvertüre und Ballettmusik – boten die bestens disponierten Musiker unter der Leitung von Clemens Flick. Der für die krank geschriebene Generalmusikdirektorin Julia Jones eingesprungene ausgewiesene Barockspezialist lenkte vom Cembalo aus mit seinem ausladenden Dirigat das Kammerorchester umsichtig und beeindruckte mit hoher spielfreudiger Virtuosität.

So legte sich wie damals im Opernhaus, als er für die Inszenierung der Barockoper „La liberazione di Ruggiero“ von Francesca Caccini die musikalische Verantwortung übernahm, das städtische Orchester mächtig ins Zeug. Es beeindruckte mit hoher Präzision selbst bei schnellen Passagen, einer großen Tongebung und einem differenzierten Klangbild.

Mit dabei war Mezzosopranistin Iris Marie Sojer vom hiesigen Opernensemble. Drei Arien aus den oben genannten Opern sang sie mit ihrer in allen Registern ausgewogenen und wandelbaren Stimme außerordentlich packend.

Außerdem wurde Joseph Haydns 48. Sinfonie in C-Dur, „Maria Theresia” genannt, aufgeführt. Zwar wurden die vier Sätze ungewöhnlich schnell vorgetragen. Dennoch kam das Werk wie aus einem Guss von der Bühne. Hier wie auch bei Händel bestachen die Sinfoniker mit schönen Phrasierungen, großer Harmonie und Lebendigkeit.

Aufgrund des begeisterten Schlussapplauses ließ man sich nicht zweimal bitten und spielte als Dank dafür die Arie „Lascia ch’io pianga“ aus „Julius Cäsar“ noch einmal.

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