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Upcycling mal anders: Maurer aus Wuppertal baut verrückte Fahrräder

Bernhard Wiemer baut Schrotträder um : Upcycling mal anders: Maurer aus Wuppertal baut verrückte Fahrräder

Aus alt mach neu - das ist das Motto von Bernhard Wiemer. Ausgefallene Fahrräder sind seine Spezialität. Ist er mit ihnen auf der Nordbahntrasse unterwegs, zieht er alle Blicke auf sich.

Eigentlich ist Bernhard Wiemer Maurer. Doch in seiner Freizeit schraubt der gebürtige Wuppertaler gerne an Fahrrädern und schafft auch neue, teils sehr verrückte Kreationen.

„Ich habe seit mehr als 40 Jahren mit dem Radsport zu tun“, berichtet Wiemer, der in seiner aktiven Zeit, als Radrennfahrer, Mountainbiker und Triathlet unterwegs war. Auch heute noch ist der 57-Jährige Mitglied im Triathlon-Club Wuppertal. Wiemers größter sportlicher Erfolg war, wie er selbst sagt, „die Teilnahme an den Triathlon-Europameisterschaften“, bei denen er einen guten Platz im Mittelfeld erreichte. Irgendwann ließen sich Sport, Familie und Beruf nicht mehr miteinander vereinbaren und so beendete Wiemer seine sportliche Karriere. Die Liebe zum Radfahren ist jedoch geblieben. „In meiner aktiven Zeit habe ich in den Wintermonaten die Trainingsräder repariert, gewartet und neu aufgebaut, und das habe ich dann später einfach weitergeführt“, schwelgt Wiemer ein wenig in Erinnerungen.

In der Garage stehen seine selbstgebauten Räder

Dann präsentiert er voller Stolz seine Garage. Dort stehen seine „Custom-Bikes“. Es sind Tandems, eine Rikscha, ein Tallbike, das Klappsackkarrenrad und die selbstfahrende Europalette. „Die Rikscha steht übrigens zum Verkauf“, wirft Wiemer ein. „Weil die so viel Platz in der Garage wegnimmt. Der Platz wird dringend gebraucht, denn es warten schon weitere Projekte auf ihre Realisierung.“

Baupläne für seine verrückten Modelle existieren allerdings nicht. „Ich habe den Bau nicht dokumentiert“, sagt Wiemer. Wer sich mit dem Bau eines Tallbikes versuchen möchte, findet laut Wiemer „mehr oder weniger gute Videos auf Youtube“. Bei seinen Eigenbaurädern ist dem gebürtigen Wuppertaler Reycling oder besser noch Upcycling besonders wichtig. „Ich versuche aus Schrottfahrrädern oder an sich wertlosem Kram wieder brauchbaren Kram herzustellen.“

Bevor Wiemer die Idee zu seinem Palettenfahrrad hatte, wollte er eigentlich „einen Fahrradrahmen aus Holz mit konventioneller Rahmenform bauen“. In der vollen Garage „stand dann da noch eine Europalette im Weg und so wurde der Plan vorerst geändert“, erzählt Wiemer mit einem Schmunzeln im Gesicht. Der 57-Jährige sieht seine „Custom-Bikes“ aber nur als Hobby an und so soll es laut Wiemer auch bleiben. „Die Dinger sind als Prototypen nicht marktfähig.“

Natürlich werden seine Räder auch gefahren, berichtet Wiemer stolz: „Ideales Revier dafür ist die Nordbahntrasse oder auch die Critical Mass. Die Reaktionen der Mitmenschen sind immer positiv, die Räder sind geradezu kommunikativ.“ Immer wieder werde er angesprochen und sorge für erstaunte Blicke.

Ein Thema liegt dem Wuppertaler dann jedoch etwas quer im Magen. Die Fahrradfreundlichkeit der Stadt. Während Wiemer von den Fahrradtrassen vollkommen begeistert ist und diese lobt, muss er auf der anderen Seite den Finger heben und mahnen. Wiemer ist der Überzeugung, dass der Radverkehr in der Wuppertaler Infrastruktur und in den Köpfen der Wuppertaler „noch lange nicht richtig angekommen ist“. Er hofft, dass „die Politik und die Verwaltung sich einen Satz zum Grundsatz machen: „Die Stadt ist nicht für Autos, sondern für Menschen da.“ Bis Wuppertal zur Fahrradstadt wird, sieht Wiemer seine verrückten und einzigartigen Räder „als kleinen Beitrag zur Freundlichkeit im Straßenverkehr. Wenn ich mit diesen Rädern unterwegs bin, erlebe ich deutlich weniger aggressives Verhalten und kann mich über mehr Abstand freuen“, sagt Wiemer, der im Kopf schon an den nächsten kuriosen Fahrrädern arbeitet, die er dann unter anderem auf der Nordbahntrasse ausprobieren wird.