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Nachhaltigkeits-Serie: Unverpackt einkaufen im Alltag: Machbar, aber zeitintensiv

Nachhaltigkeits-Serie : Unverpackt einkaufen im Alltag: Machbar, aber zeitintensiv

WZ-Mitarbeiterin Maren Boots hat den Selbsttest im Unverpacktladen gemacht.

2017 war das Jahr der Rekorde, was die Menge an Verpackungsmüll angeht: 18,7 Millionen Tonnen fielen insgesamt an, umgerechnet sind das im Durchschnitt 226,5 Kilogramm pro Person. Ein Rekord, auf den man nicht unbedingt stolz sein kann. Doch warum ist das so? Wieso steigt der Verbrauch an Verpackungen jährlich an, obwohl bei vielen schon ein Umdenken in Sachen Umweltschutz stattgefunden hat? Diese Fragen sind statistisch ganz leicht zu beantworten: Es gibt zunehmend Senioren- und Singlehaushalte, einen Trend zum To-Go-Essen und -Trinken sowie rasant steigenden Onlinehandel.

Doch schon mit kleinen Veränderungen im Alltag kann jeder einzelne etwas dazu beitragen, den Verpackungsmüll einzudämmen. In dem Zusammenhang hört man oft: „Wenn nur ich etwas ändere, bringt das doch nichts!“ oder „Mir fehlt die Zeit mich damit zu beschäftigen!“. Auch ich habe mich bei diesen Gedanken ertappt, vor allem, weil bei mir als Studentin die Themen Geld und Zeit immer im Vordergrund stehen. Daher wollte ich es genauer wissen und nahm den im November eröffneten Unverpacktladen „Ohne Wenn und Aber“ in Barmen zum Anlass um herauszufinden, ob es denn tatsächlich ein Mehraufwand ist, ein wenig verpackungsfreier zu leben.

Gesagt, getan: Der Plan war, Basisprodukte, die man immer wieder braucht, sowohl im Unverpacktladen als auch im Discounter zu kaufen, Preis-Leistung und Herkunft sowie den entstandenen Verpackungsmüll zu vergleichen. Gekauft wurden daher Äpfel, Haarshampoo, Nudeln, Müsli, Schokolade, Weizenmehl und Zahnpasta bzw. -Tabletten.

Schon allein das Einkaufserlebnis ist im Unverpacktladen ein ganz anderes als im Discounter: An einem Freitagmorgen um zehn Uhr waren mit mir nur ungefähr fünf weitere Personen im Laden von Diana Lantzen - unvorstellbar in einem „normalen“ Lebensmittelgeschäft. Meine extra für den Einkauf mitgebrachten Gläser und Dosen mussten zuerst gewogen, das Gewicht dann auf die Gefäße geschrieben und am Ende noch einmal mit dem Inhalt gewogen werden, so dass nur für das Netto-Gewicht gezahlt wird. So füllte ich also nach und nach alle Produkte aus den rohrähnlichen Behältern per Schieberegler in meine Gläser, musste dabei aufpassen, dass nicht zu viel herausströmt. Neben trockenen Lebensmitteln gibt es dort auch Gemüse und Obst aus der Region, Flüssigkeiten wie Öl oder Wein zum Abfüllen und sogar Hygieneprodukte, unter anderem Waschmittel und Körperpflegeprodukte, zu kaufen. Alles unverpackt.

Eine Frage, die mir als relativ vergesslicher und spontaner Mensch unter den Nägeln brannte, war: Was, wenn man mal eben nach der Arbeit einkaufen gehen möchte? Dafür gibt es kostenlose Behälter vor Ort, die sich jeder mitnehmen darf, wenn der eigene mal vergessen worden ist. „Das basiert hier alles auf Vertrauen“, sagt Inhaberin Diana Lantzen. Probleme habe es mit dem Aufschreiben des Gewichts oder den kostenlosen Gläsern aber noch nie gegeben.

Und zum Vergleich die eingekauften Waren im Discounter. Foto: Maren Boots

Höherer Preis -
weniger Müll

So sieht der Einkauf im Unverpacktladen aus. Foto: Maren Boots

Der Vorteil des Unverpackten liegt für Single-Haushalte vor allem in der Portionierung der Produkte, es kann genau das mitgenommen werden, was auch verbraucht wird. Und wie sieht es mit dem Preis aus? Für den oben aufgezählten Einkauf habe ich 12,91 Euro bezahlt, nach Abzug von fünf Prozent Rabatt, weil ich zu Fuß und nicht mit dem Auto angereist bin. Für die gleichen Produkte, allerdings in größeren Mengen, stand beim Discounter 10,35 Euro auf dem Kassenzettel. Hier wurde natürlich ebenfalls auf Bio-Produkte geachtet, so dass ein Vergleich auch plausibel ist. Auf den ersten Blick nicht wesentlich billiger als im Unverpacktladen, jedoch sind es insgesamt 1,6 Kilogramm Waren mehr. Wie zu erwarten, ist auch mehr Verpackungsmüll angefallen: sechs Plastikverpackungen und einmal Pappe, die Schokolade ist sogar zwei Mal eingepackt. Bilanz beim Unverpacktladen? Drei Apfelkitschen, sonst nur leere wiederverwendbare Glasbehältnisse.

Fazit: Betrachtet man ausschließlich den Preis des Einkaufs, gewinnt der Discounter ganz klar. Beispielsweise zahlt man für das Mehl 1,90 Euro pro Kilo, beim Discounter nur 39 Cent. Als Konsument muss man dementsprechend Prioritäten setzen. Legt man mehr Wert auf Regionalität, Naturprodukte und wenig Verpackungsmüll, ist so ein Unverpacktladen genau das Richtige. Auch wem ein Einkaufserlebnis wichtig ist: Wer Zeit hat und sich vorher Gedanken über seinen Einkauf macht, fühlt sich im Laden von Diana Lantzen wohl. Mein persönliches Fazit ist: Einige Produkte, wie zum Beispiel die Zahnputztabletten oder das feste Haarshampoo, werde ich definitiv weiter benutzen und womöglich auch für Nudeln, Reis und Ähnliches ab und zu in den Unverpacktladen gehen. Mir gefallen die kleinen Dinge dort: Die Tatsache, dass sich alle duzen oder der Rabatt fürs Zufußgehen. Es ist schon ein kleiner Mehraufwand verpackungsfreier einzukaufen, aber im Endeffekt einer, der sich für die Umwelt lohnt.