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Untreue in der Kindertagesstätte: Anklage gegen drei Mütter

Untreue in der Kindertagesstätte: Anklage gegen drei Mütter

Den Müttern wird Betrug und Beihilfe vorgeworfen. Das Gericht hat noch nicht über die Zulassung der Anklage entschieden.

Wuppertal. Die rechtskräftige Verurteilung der Ex-Leiterin der Kindertagesstätte "Giebel 21" wegen gewerbsmäßiger Untreue in 44 Fällen (Tatzeitraum: 2004 bis 2007) hat auch für drei Mütter Folgen. Wegen Betruges und Beihilfe zur Untreue hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Unter den Angeschuldigten soll auch die damalige Vorsitzende des Kita-Fördervereins sein.

Wie berichtet, hatte die Staatsanwaltschaft gegen mehrere Eltern Ermittlungsverfahren eingeleitet. Hintergrund: Die damalige Kita-Leiterin soll einige Eltern mehr oder weniger überredet haben, ihr Kind von der Tagesstätte abzumelden.

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden die Kinder aber trotzdem weiterhin betreut und über Mittag verpflegt. Der Effekt: Die Eltern zahlten anschließend nur das Geld fürs Essen, aber nicht für die wesentlich kostspieligere Betreuung.

Laut Strafbefehl gegen die Ex-Leiterin wurden diese Einnahmen der Stadt vorenthalten. Die damalige Kita-Leiterin soll das Essengeld für die "schwarz" betreuten Kinder eingesteckt haben, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

Angeblich soll die Frau das Geld aber auch für diverse Kita-Aktionen verwendet haben. Der Fall hatte stadtweit für Aufsehen gesorgt, weil im Urteil des Amtsgericht festgestellt wurde, dass die damalige Kita-Leiterin in der Küche die Order ausgegeben hatte, nur noch halbe Portionen auszuteilen, um so mehr Kinder verpflegen zu können.

In mehreren Fällen sollen die ins Visier geratenen Eltern bereits Bußgelder von mehreren hundert Euro gezahlt haben. Zwei der drei jetzt angeklagten Mütter waren aber grundsätzlich nicht mit der Zahlung einverstanden. Deshalb konnten die entsprechenden Verfahren aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht eingestellt werden.

Bei der damaligen Fördervereinsvorsitzenden ist die Schadenssumme offenbar so hoch, dass eine Einstellung des Verfahrens samt Geldauflage ohnehin nicht in Frage kam. Jetzt muss das Amtsgericht über die Zulassung der Anklage gegen die drei Mütter entscheiden.