Unterwegs an Wuppertals Grenzen

Unterwegs an Wuppertals Grenzen

Früher schritten zum Beispiel die Stadtoberen auf den Schnatgängen ihre Gebiete ab — heute macht es die WZ.

Es ist ein alter Brauch. Auf den sogenannten Schnatgängen (manchmal auch als Schnadgänge bezeichnet) gingen vor Jahrhunderten zum Beispiel die Stadtoberen ihre Gebiete ab. Damals, als es noch kein Kataster gab, sondern Grenzen mit Steinen markiert wurden. „Schnad“ steht im Plattdeutschen für Grenze oder Schneise. In Wuppertal hat der wanderfreudige Alt-OB Peter Jung in seiner Amtszeit die Schnatgänge wieder ins Wuppertaler Bewusstsein gerückt. Ideengeber sei damals aber Holger Wanzke, der zuständige Ressortleiter, gewesen, erklärt Jung, dem die Spaziergänge immer viel Spaß gemacht haben, wie er heute noch erzählt.

Die markanten Punkte zu finden, sei damals aber richtig harte Arbeit gewesen, erinnert sich Gabriele Köster, bei der Stadt im Ressort Vermessung, Katasteramt und Geodaten beschäftigt. „Wir sind damals wirklich alles abgegangen.“ An den betreffenden Stellen wurden Eisen in den Boden geschlagen, damit der OB und andere Wanderer, die die Schnatgänge ebenfalls ablaufen wollen, einen Anhaltspunkt haben — denn sonst gibt es kein Schild, keinen Hinweis á la „Hier sind Sie am südlichsten Punkt Wuppertals angekommen“. Damit die WZ auf ihrer Tour nicht umherirrt, stehen Gabriele Köster und zwei Azubis der Stadt hilfreich zur Seite. Das GPS-Messgerät ist allerdings immer dabei, um die Punkte möglichst genau zu finden.

Wer an den südlichsten Punkt möchte, sollte sich möglichst wasserfeste Schuhe anziehen — oder gleich barfuß die letzten Meter

wandern. Denn der südlichste Zipfel der Stadt liegt mitten in der Wupper in Müngsten. Das Ziel im Dreistädteeck zwischen Wuppertal, Solingen und Remscheid ist gleichzeitig auch der tiefste Punkt Wuppertals. An was für einem besonderen Ort sie gerade unterwegs sind, wissen die meisten Wanderer dort gar nicht.

Unproblematischer — und trockener — ist es im Osten der Stadt. Im Wald, nicht weit weg vom Beyenburger Stausee, wird Azubi Torben Daetermann fündig. „Hier muss es sein.“ Er selbst kennt die Ecke über seinen Sport. Daetermann ist Kanute und hat schon den Stausee bepaddelt.

Nicht öffentlich zugänglich ist Wuppertals nördlichster Grenzpunkt. Nach Nächstebreck geht die Tour, und nicht etwa, wie viele Wuppertaler denken mögen, zum Dönberg und auf die Elberfelder Nordhöhen. Die alte Markierung der Schnatgänge ist noch zu erkennen, liegt aber streng genommen auf Privatgrund. Auf der anderen Seite des Zauns beginnt Sprockhövel.

Ganz tief im Westen der Stadt befindet man sich dann in Schöller. Auf einem Feld, so verheißt es das Messgerät. Ohne wäre dieser Punkt auch nicht zu finden gewesen.

Über die Mitte Wuppertals dürfte dagegen schon der eine oder andere Spaziergänger gestolpert sein. Gibt es doch an der Buschstraße, die in diesem Abschnitt aber mehr ein kleiner Weg ist, eine im Boden verlegte Hinweistafel und am Rand sogar ein Schild.