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Unternehmen fürchten Pläne für Wohnbebauung in Wuppertal Berghausen

Stadtentwicklung : Unternehmen fürchten Pläne für Wohnbebauung

Die Verwaltung will einen Bebauungsplan für das Gelände zwischen Kohlfurther und Rather Straße aufstellen – und was die CDU dazu sagt.

„Ich bin hier aufgewachsen. Ich bin daran gewöhnt“, sagt Julian Berger. Und meint damit die Geräuschkulisse, die von der Gartenwerkzeug-Firma seiner Familie und von dem benachbarten Tierfutterunternehmen Hundt am oberen Ende der Kohlfurther Straße ausgeht. Die Firmeninhaber fürchten aber, dass künftige Anwohner weniger Verständnis haben und sind deshalb gegen Pläne, in direkter Nachbarschaft Wohnhäuser zu errichten. Unterstützung erhalten sie von der CDU, versicherten drei Vertreter der Partei bei einem Treffen vor Ort. „Wir wollen unsere Unternehmen schützen“, sagte zum Beispiel Rainer Spiecker, CDU-Ratsherr und Bürgermeister.

Zum Betrieb der beiden Unternehmen gehört etwa Lkw-Verkehr, der auch durch die enge Einfahrt zwischen den beiden Grundstücken hindurch muss: „Das sind 20 Lkw täglich“, sagt Julian Berger. Auch ihre Presse sei zu hören. Und Tierfutterhesteller Andreas Hundt weiß, dass die Kälteanlagen für sein Kühlhaus laut sind. „Wenn ich im Sommer hier auf der Liege liege, würde ich mir auch wünschen, dass die aus sind. Aber das geht nicht“, stellt er klar. Sie müssten 24 Stunden am Tag laufen. Auch er fürchtet: „Manche Leute verstehen das nicht.“

Beide Unternehmer sind deshalb beunruhigt von möglichen Plänen, auf einem derzeit brach liegenden Grundstück hinter ihren beiden Firmengeländen Wohnhäuser zu bauen. Es gebe eine Bauvoranfrage für sechs Einfamilienhäuser, erklärt CDU-Ratsherr Holger Reich. Wenn deren Bewohner später gegen die Lärmemmissionen ihrer Nachbarn klagen, könne das die Unternehmen in Bedrängnis bringen. „Deshalb wollen wir ein Auge darauf haben“, sagt er und betont: „Arbeitsplätze gehen vor.“

Die BV hatte den Beschluss
einstimmig vertagt

Darüber hinaus wünschen sich die beiden Unternehmen, dass ihnen die Möglichkeit erhalten bleibt, ihr Unternehmen zu vergrößern. Auch das ist ein wichtiges Argument für Rainer Spiecker: Das „bergische Rückgrat“ seien die kleinen und mittleren Unternehmen: „Sie zahlen Steuern, Sie stellen Mitarbeiter ein“, bestärkt er die Unternehmensvertreter. Wenn man nicht wolle, dass Unternehmen auf der grünen Wiese bauen und damit Naturfläche zerstören, und wenn sie auch nicht in andere Städte abwandern sollen, müsse man ihnen „vor Ort eine Möglichkeit der Expansion geben“.

Die Stadtverwaltung hat die Aufstellung eines Bebauungsplans für die 6800 Quadratmeter große Fläche auf den Weg, die Beschlussvorlage in die politischen Gremien gebracht. Die Bezirksvertretung Cronenberg hatte in ihrer Novembersitzung eine Entscheidung darüber vertagt, wollte erst in ihrer nächsten Sitzung einen Beschluss dazu fassen. „Es hatte keine Eile“, erklärt Michael-Georg von Wenczowsky, CDU-Bezirksvertreter. Die Stadtteilpolitiker gaben der Verwaltung aber schon mal zwei Aufträge: im Bebauungsplan den Erhalt des Wanderwegs zum Naturfreundehaus, der über das Gelände führt, sicherzustellen. Und die Lärmimmissionen der ansässigen Firmen unter Bestandsschutz zu stellen. Der Beschluss war einstimmig.

Im Stadtentwicklungsausschuss sei der von der Verwaltung vorgeschlagene Beschluss jetzt „durchgewunken“ worden, „ohne das Votum der BV zu beachten“, kritisiert von Wenczowsky. Darüber seien sie sehr verärgert. Offenbar habe die Verwaltung die Anregungen der BV überhaupt nicht weitergegeben.

Er verweist zudem darauf, dass der größte Teil des Geländes temporär als Landschaftsschutzgebiet gelte. Schon die Bebauung entlang der Rather Straße habe dieser Unterschutzstellung widersprochen. Daher dürfe jetzt nicht auch noch der Rest des Geländes bebaut werden.

Die CDU will die Unternehmer unterstützen. In welcher Form, ist noch nicht klar. „Man braucht politische Mehrheiten“, erklärt Rainer Spiecker. Rückendeckung erhoffen sie sich auch von der IHK. Ina Berger-Schlosser, wie ihr Bruder in der Geschäftsführung der Julius Berger GmbH und Co. KG, und aktuell Kandidatin für die IHK-Vollversammlung, will sich dafür stark machen.