„Unsere Innenstädte müssen ein neues Profil entwickeln“

„Unsere Innenstädte müssen ein neues Profil entwickeln“

Barmens BezirksbürgermeisterHans-Hermann Lücke (CDU) sieht für seinen Stadtteil gute Zukunftschancen — mit Kultur.

Der Handel ist im Wandel. Immer mehr von dem, was früher über die Ladentheke gereicht worden ist, wird heute von gelben, weißen und braunen Lieferwagen an die Haustür gebracht. Einkaufen geschieht zunehmend virtuell. Die Folge davon ist Leerstand in vielen Einkaufsstraßen. Selbst beste Lagen sind nicht mehr unbedingt vermarktbar.

Foto: Anna Schwartz

Für Hans-Hermann Lücke ist das kein Menetekel. Der Bezirksbürgermeister von Barmen wittert im Wandel auch eine Chance. „Unsere Innenstädte müssen ein neues Profil bilden“, sagt der Christdemokrat. Er leitet die Bezirksvertretung Barmen seit zehn Jahren, ist aber bereits seit 38 Jahren Mitglied des politisch gewählten Gremiums. Kaum jemand hat die Veränderungen des Stadtteils so hautnah verfolgt wie Lücke. „Die Zahl der inhabergeführten Geschäfte ist stetig gesunken. Allzu viele sind nicht mehr da“, sagt er und zählt Namen wie Sträter und Meckenstock auf, erwähnt den Modeladen Haschi, der sich seit Jahrzehnten tapfer schlägt. Aber Zuwachs gibt es keinen.

Deshalb ist Einzelhandel auch nicht der Standortfaktor, auf den Barmen allein setzen sollte, wenn es nach Lücke geht. „Wir müssen uns Gedanken machen über ein neues Profil der Innenstadt, nicht für heute oder morgen. Sondern für die Zeit in zehn bis 20 Jahren.“ Lückes Antwort auf diese große Frage heißt: Kultur.

Tatsächlich ist Barmen auch heute schon ein sehr kulturträchtiger Standort. Neben dem Opernhaus laufen in diesen Monaten die Arbeiten am Ausbau des Historischen Zentrums. „Barmen ist außerdem der einzige Stadtteil Deutschlands, in dem es vier Hochschulen gibt“, erklärt Lücke. Neben der Kirchlichen und der Musikhochschule hat die Bergische Universität einen Standort am Haspel in Unterbarmen. Und am Loh komplettiert die Junior Uni das Quartett.

Darauf lässt sich aufbauen. Lücke will das tun. Dabei weiß er die Immobilien-Standort-Gemeinschaft Werth (ISG) an seiner Seite. Die mehrfach ausgezeichnete Vereinigung von Eigentümern und Einzelhändlern hat die Einkaufsstraße in den vergangenen Jahren bereits zum Positiven verändert. Sie setzt dabei nicht zuletzt auch auf hochwertige Veranstaltungen, die zusätzliches, kaufkräftiges Publikum in den Stadtteil locken soll. Für Lücke ist das ein richtiger Ansatz. Ihm schwebt aber mehr vor.

Direkt am Werth ist das imposante Gebäude der Gesellschaft Concordia. Sie beherbergte einst einen großen Konzertsaal und die größte Konzertorgel Europas. Der Krieg hat diese glanzvolle Geschichte beendet. Aber sie könnte neu geschrieben werden. Denn zum Gebäudekomplex gehört immer noch ein großes Kino, das seit Jahren nicht mehr bespielt wird. „Wie wäre es, wenn daraus ein Veranstaltungsort würde für Konzerte und Kleinkunst?“, fragt Lücke. Möglich sei das. „Dafür gibt es bisher keinen Projektentwickler. Ich kenne aber niemanden, der dagegen wäre“, sagt der Bezirksbürgermeister und schließt den Eigentümer des Gebäudes ausdrücklich ein.

Gäbe es einen Entwickler, könnte mit Opernhaus und Historischem Zentrum, ergänzt um die Kunsthalle Barmen im Haus der Jugend eine neue Kulturinsel entstehen. Und über das Tüpfelchen auf dem i hat sich Lücke auch Gedanken gemacht, eine Vision, wie er sagt: „Wir könnten den Johannes-Rau-Platz gläsern überdachen und das erste Obergeschoss des Rathauses zu einer Galerie mit Gastronomie und kleinteiligem Einzelhandel machen“, schlägt er vor. „Ergänzt um eine Zuschauertribüne am Ratssaal im Sinne von Bürgernähe der Politik.“