Ungewissheit macht Handel in Elberfeld zu schaffen

Einzelhandel : City: Händler beklagen FOC-Stillstand

Die Ungewissheit in Bezug auf das FOC drückt auf die Stimmung in der Innenstadt.

„Schlecht“, „könnte besser sein“ – so ist die Antwort häufiger, wenn man Händler nach der Stimmung in der Elberfelder Innenstadt fragt. Viele ungeklärte Fragen, die schleppende Bearbeitung des Themas Weihnachtsmarkt und die Baustellen schadeten der Einkaufszone. Vor allem beim Thema FOC wünschen sich die Händler bald Signale, wie es weitergeht.

Sorgen machen ihnen Leerstände und Geschäfte von Billiganbietern. „Der Branchenmix ist nicht zufriedenstellend“, sagt Matthias Zenker von der Werbegemeinschaft IG1. „Es fehlt die Auswahl.“ Zum Beispiel bei Textilien und Schuhen. Aber er weiß auch, dass Investoren zögern, weil sie nicht wissen, ob es ein FOC geben wird, ein Einkaufszentrum mit zahlreichen Textilgeschäften, die Ware zum kleinen Preis anbieten. „Das ist eine echte Blockade.“ Das bestätigt Ralf Engel vom Einzelhandelsverband, er ebenfalls Geschäftsleute kennt, die investieren würden, wenn sie wüssten, wie es weiter geht.

Ohne Fachgeschäfte fehlt
die Attraktivität

„Fachgeschäfte fehlen hier“, sagt ein Händler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er kritisiert, es werde anderen Anbietern zu leicht gemacht, Geschäfte zu eröffnen. In der Folge sei Elberfeld nicht mehr interessant für Menschen, die etwas „Schickes“ suchen. Einen Kreislauf sieht darin auch Juwelier Thomas Pusinelli: Fehlten gute Kunden, gäben anspruchsvolle Geschäfte auf. Er weist noch auf andere Probleme hin: Die Baustelle am Bahnhof, die Probleme mit dem Weihnachtsmarkt. Dass jetzt die Ausschreibung für 2019 beginnen soll, sei „viel zu spät“. Aber auch das „Dilemma auf dem Döppersberg“ trage dazu bei.

Das sagt auch Daria Stottrop von der Industrie- und Handelskammer: „Die Akquisiteure der Filialisten warten ab, weil das FOC in der Pipeline ist.“ Derzeit sei es schwer ein Konzept zu entwickeln, um sich zum FOC zu positionieren. Ohnehin weise der Trend derzeit Richtung Reduzierung von Handelsflächen. In den USA sei das schon zu beobachten, jetzt schwappe das auch nach Europa. Vor diesem Hintergrund bedeuteten die 30 000 zusätzlichen Quadratmeter in einem FOC schon einen „erheblichen Druck“ für die Geschäfte vor Ort.

Auch Ansätze
für positive Entwicklung

Doch darauf könne man sich auf einstellen, das Schlimmste sei die Ungewissheit. „Dieser Schwebezustand ist ein Verhinderungsgesetz.“ Die IHK habe schon mehrfach auf die negative Wirkung der langen Wartezeit hingewiesen. „Es ist offensichtlich, dass das Projekt nicht kommt. Die Stadt sollte das auch kommunizieren.“

Matthias Zenker hofft auf anstehende Gespräche im Lenkungskreis Einzelhandel beim Oberbürgermeister. Dazu gehören Vertreter von Einzelhandelsverband, Industrie- und Handelskammer, Verwaltung, Gewerkschaften und Interessengemeinschaften. „Wir versuchen die Dringlichkeit klarzumachen.“ Er sieht auch viele Ansatzpunkte für positive Entwicklungen wie die Gründung der ISG Alte Freiheit / Poststraße, die Qualitätsoffensive Innenstadt Elberfeld, die laufenden Überlegungen zu Wall, Neumarkt und Rathausgalerie.

Das sind auch für Katrin Becker, Managerin der City-Arkaden, Argumente dafür, die Lage nicht nur negativ zu betrachten. Zwar merkt auch sie Verunsicherung bei Mietinteressenten in den Arkaden, aber sie hat seit der B7-Öffnung eine deutliche Frequenzsteigerung festgestellt, lobt die Wirkung des neuen Döppersbergs: „Der Bahnhofsvorplatz ist gut gelungen.“ Auch das neue Pflaster in der Stadt habe eine „deutliche Optik-Verbesserung“ bewirkt.

Marco Trienes von der städtischen Wirtschaftsförderung hält die aktuelle Situation für eine vorübergehende Durststrecke: „Wenn es am Döppersberg neue Impulse gibt, wird es hoffentlich eine Welle von Investitionen geben.“ Bei den Hotels sei das jetzt schon der Fall. Ziel sei es ja, durch eine neue Attraktion wie das FOC mehr Käufer nach Wuppertal zu locken. Diese Neuansiedlung müsse natürlich begleitet sein durch weitere Maßnahmen - die aber bereits auf dem Weg seien wie die neue Gestaltung der City durch die Qualitätsoffensive und auch neue Impulse durch die ISG.

Mehr von Westdeutsche Zeitung